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Schwammerl 30.04.2020 22:19

FN Kirzeder
 
Familienname:
Zeit/Jahr der Nennung: von 1800 bis 1900
Ort/Region der Nennung: Oberbayern (Isen)


Grüß Euch miteinander,

ich hoffe ihr seid noch gesund :) Ich versuche mehr über die Bedeutung des Nachnamens Kirzeder, bzw. Kiezeder oder Kitzeder rauszufinden.
Also der 2. Teil Eder ist ja recht einfach...= einöde...

hat einer von euch eine Idee was den ersten Teil betrifft? Kirz, Kitz, Kiez?

LG

Xylander 01.05.2020 10:00

Hallo alekirz,
-öder, -eder hast Du ja schon. Der erste Namensträger war also Besitzer, Bewohner eines -öd-Hofes. Hier nochmal eine neuere Untersuchung, derzufolge es sich speziell um wüst gefallene und ab der zweiten Hälfte des 14. JH wieder besiedelte Orte handeln soll.
https://books.google.de/books?id=lW3WRfV09HIC&pg=PA598&lpg=PA598&dq=%22-%C3%B6d%22+Ortsnamen&source=bl&ots=PoEmHW8lZz&sig= ACfU3U03WuMJU6if9gHNK7kChLGvPCD1Gw&hl=de&sa=X&ved= 2ahUKEwjMxt_VlvHnAhVJ4aQKHQV-

Beim ersten Namenbestandteil scheint Kitz- die maßgebliche Form zu sein. Dazu die Ergebnisse im Wörterbuchnetz:
http://www.woerterbuchnetz.de/cgi-bi...stichwort=kitz (einzeln anklickbar)

Beispielsweise im DWDS: Kitz n. ‘Junges von Ziege, Reh, Gemse und Steinwild’
https://www.dwds.de/wb/Kitz

Der Kitzeder-Bauer war demnach Besitzer eines öd-Hofes, der Ziegen hielt, Ziegen als Abgabe leisten musste. Oder bei dem häufig Paarhufer als Wildtiere gesichtet oder gejagt wurden. Oder, oder.

Jedenfalls scheints in diese Richtung zu gehen. Mehr könnte die Hofgeschichte erbringen (in Deinem Parallelthema bist Du ja schon viel weiter zurück als 1800-1900). Auch bei Namenforschern finden sich entsprechende Deutungen, so im Gottschald S 369 oder bei Schützeichel
https://books.google.de/books?id=vSX...q=kitz&f=false
https://books.google.de/books?id=Nkm...lpC84Q6AEINjAC

Zu klären wäre, wie die Form Kirzeder zustande kam.

Mehr wissen vielleicht auch die Mitforscher wie z.B. Huber Benedikt oder Zita oder unser Moderator Laurin.

Viele Grüße
Xylander

Laurin 01.05.2020 22:23

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Hallo,

die "Endungen" -eder / -öder sind genau genommen schon vollständige Familiennamen, gekennzeichnet durch das Suffix -er, welches auf eine Herkunft oder Abstammung hindeutet.
Den FN Eder gibt es lt. GEOGEN in D ca. 6400 x, davon ca. 70% in Bayern - in der Schreibweise Öder / Oeder sind es immerhin noch ca. 275 Tel.-Einträge, davon etwa 44% in Bayern.

Somit könnte der hier betrachtete Name auch Kitzöder oder Kitzeder lauten und ein Herkunfts- oder Wohnstättenname zu einem gleich oder ähnlich lautenden geografischen Ort sein.
Siehe dazu https://www.bayerische-landesbibliot...r=OBJ&val=6145

Gemeinde Isen paßt dazu (Kietzöd, SÖ von Isen, https://www.bayerische-landesbibliot.../blatt_672.jpg)

Xylander 02.05.2020 09:26

Liste der Anhänge anzeigen (Anzahl: 1)
Hallo Laurin,
ja, das ist sicher der richtige Wohnplatz. Aus mapire hänge ich noch einen Ausschnitt an. https://mapire.eu/de/map/europe-19ce...41694.97367817
Hallo AleKirz,
ab wann hast Du denn die Namensform Kirzeder?
Viele Grüße
Xylander

Laurin 02.05.2020 19:42

Hallo Alex,

beim Namen Kirzeder kann es sich um eine Verschleifung durch Verhören / Verschreiben handeln. *)
Kirzeder ist bei Geogen (Stand etwa 2005) mit 14 Tel.-Einträgen gelistet, davon 93 % in Bayern, Schwerpunkt Miesbach.
Kitzeder ist mit 24 Einträgen gelistet, sämtlich in Bayern, Schwerpunkt Mühldorf a. Inn.
Eine Ortsangabe Kirzöd findet sich in der Ortsdatenbank der Bayr. Landesbibliothek nicht, sondern nur Kitzöd (zu Isen)

In unserem Unterforum "Erfahrungsaustausch" hattest Du eine Anfrage zum FN Kirzeder gestellt, verweist aber gleichzeitig auf eine Gedbas-Datenbank zum FN Kitzeder. Weiterhin beziehst Du Dich auf einen Bauernhof "Kirzöd" - den es aber wohl nicht gegeben hat.
Bitte kläre erst einmal Deine Dokumentenlage, ggf. stelle hier mal einen Scan Deines ältesten Dokumentes ein.

*)
Wobei hierbei eine Verschleifung durch Verhören naheliegender wäre als durch falsches Lesen eines Dokumentes (Kleinbuchstabe r anstelle t).
Eher könnte man aber davon ausgehen, daß beim Lesen ein kleines e als r gelesen wurde. In der von mir verlinkten Karte zu Isen von 1875 ist der Hof noch als Kietzöd eingetragen. Daraus wurde der FN Kirtzeder - in einer späteren Schreibweise entfiel das t, sodaß schlußendlich der FN Kirzeder verblieb.

Siehe dazu auch hier:
http://www.obib.de/Schriften/AlteSch...h/Diplome.html
http://www.obib.de/Schriften/AlteSch...efschrift.html
http://www.obib.de/Schriften/AlteSch...sch/18-Jh.html

Schwammerl 03.05.2020 12:31

Vielen Dank für all Eure Antworten!! Ich hoffe ich kann eure Fragen beantworten und vergesse keine :roll:
Also Isen ist definitiv die richtige Spur! Mein Opa ist dort noch geboren. :D

Also die Schreibform Kirzeder gibt es wohl durchgehend erst seit knapp 100 Jahren.So gibt es standesamtliche Geburtsurkunden mit dem Namen Kürzeder davor.
Grundsätzlich fällt es mir schwer beim lesen der Einträge zu unterscheiden ob das R ein E sein könnte. So hatte ich ständig das Gefühl, dass sich der Nachname im Wandel befunden hat.

~ 1850 wird der Name dann wieder von Kürzeder zu Kirzeder oder Kirtzeder.
1803 findet sich dann ein Geburtseintrag am Staudigl - Hof. Auf diesem Hof lebte meine Familie für einige Generationen. (bis knapp 1650).(Diesen Staudigl - Hof kann man auf google maps leichter finden wenn man "Staudigl 1, Isen" eingibt. Dieser liegt direkt neben dem Hof "Kitzöd".)
~1750 wird der Name dann zu Kiezeder oder Khiezeder . Immer noch am Staudigl.
~1720 als Kiezedter. oder Kirzedter. Ein wirklich schön geschriebener Eintrag: http://dfg-viewer.de/show/cache.off?...80c9fb50e54e90
~1683 als Kührzeder (4. Eintrag rechte Seite) http://dfg-viewer.de/show/cache.off?...d52da8768b5936
~1653 als Khirzetter oder Khürzeder (hier heiratet ein Christoph Khürzeder mit einem komisch geschriebenem D eine Ursula Staudigl; 1. Eintrag rechte Seite). http://dfg-viewer.de/show/cache.off?...8374948f4f1c9f

Ich vermute, dass dieser Christof Khürzeder aus dem Kitzöd - Hof gekommen ist. Es gibt zumindest ein Jahr nach deren Hochzeit einen Geburtseintrag in dem er Khürzeder zu Khüzed genannt wird.

Falls mehr Quellen gewünscht sind, kann ich die Links gerne angeben :)

Nachträglich stellte sich heraus, dass der ganze Stammbaum den ich erstellt habe, bereits im Internet war 8o.


@Laurin; jetzt wo Du es sagst fällt es mir erst auf :( ich meinte natürlich Kitzöd und nicht Kirzöd :( Und derweil lese ich meine Nachrichten immer mehrmals nach bevor ich sie abschicke...
Aber ich stimme dir zu...eine Verschleifung wird die Ursache gewesen sein...aber wo diese angefangen hat, kann ich mir nicht erklären. Es würde für mich eher noch Sinn machen, das E als R zu lesen...aber da hatte ich bei meinen gefunden Einträgen immer meine Schwierigkeiten :roll:


Auf jeden Fall sehr interessante Infos woher das Kitz oder Kirz kommen könnte!! Vielen Dank dafür


LG

Laurin 03.05.2020 14:32

Zitat:

Zitat von AleKirz (Beitrag 1266169)
Auf jeden Fall sehr interessante Infos woher das Kitz oder Kirz kommen könnte!!

Zu Kitz schrieb ja Xylander schon einiges.
Bei Schmeller, Bayer. Wörterbuch, habe ich auch nur Kitz mit der "tierischen" Wortbedeutung gefunden.

Zu Kirz hat Schmeller nichts, lediglich zu Kerzen (Plural) findet man die Aussprachevariante Kiәrzn.

Den Namen aus dem Jahr 1653 lese ich als Christoph Khüezedner (in der Zeile darunter Khüezeder).
Das kleine e ist etwas eigenwillig, aber auch so das e bei Christoph Stephan!

Xylander 04.05.2020 10:31

Hallo zusammen,
die ausführliche Aufstellung, danke AleKirz, sollte uns eigentlich weiterhelfen.

Ich lese:
1653 Khüez- + Khüez-, wie Laurin
1683 Kühez- + Kühez-
1720 Kiez- + Kiez-
alle mit für mich eindeutigem e, also nicht r.

Aber was sagt uns das? Ein Dehnungs-e wie in Soest gabs mW nicht in Bayern. Ist es also Zeichen für getrennte Aussprache bzw Diphthongierung? Darauf deutet insbesondere die Schreibweise Kühez- von 1683.

Dazu Wikipedia:
Ausnahmen:
In süddeutschen Namen kann das Dehnungs-e zur Anzeige eines Diphthongs geworden sein, der gesprochen wird. Der Familienname Hueber lautet daher richtig ['hʊəbər]. Im schwäbischen Ortsnamen Buchloe wird das e vom o getrennt als eine dritte Silbe ausgesprochen: [ˌbuːx.ˈloː.ə].
https://de.wikipedia.org/wiki/Dehnun...nderen_Vokalen

Wenn nun geschriebenes Kiez- diphthongiert gesprochen würde, also Ki-ez- bzw. besser mit umgedrehtem e zu schreiben, was ich hier nicht finde, bedeutet es dann immer noch Kitz im Sinne von Jungtier von Ziege, Reh, Gemse? Oder was sonst?

Das wäre eine Dialekt-Frage, die ich als Westfale gern an kompetentere Mitforscher weiterreiche. Das ü statt i haben wir ja schon häufig behandelt. Obs in diesem Fall etwas zu bedeuten hat, weiß ich nicht.

Viele Grüße
Xylander

Huber Benedikt 04.05.2020 13:11

Grüss Gott,
ich les ja bereits länger mit und möchte daher meinen Senf dazugeben
Der von Xylander aufgezeigt Weg über ü, üh, ie, evtl auch ir ist interessant und nmM zielführend.
Vom Bairischen her dürfte ein "schleifender Diphtong" (ie/ia) vorliegen, keinesfalls ein abgehackter wie bei Buchlo-e.
Der Laut nach dem i ist ein Laut zwischen e und a, der schriftlich kaum wiederzugeben ist (oft als a geschrieben,
aber keinesfalls als schriftsprachliches a gesprochen. Merkle schreibt ihn in seiner "Bairische Grammatik" als à)
Wia mia viazea Hoiwe ghod ham is s´hoamgä miasam woan
Als wir vierzehn Halbe (Bier) getrunken hatten gestaltete sich der Heimweg recht mühsam.
Hier ist dieser Schleifdiphtong aus wie, wir,vier,mühsam, also aus ie,ir,ier,üh schriftsprachlich.
Da das "z" in allen Namensvarianten vorhanden ist, ist eine Herleitung von Kuh, Kühe, bair. Kia (mit eben diesem Schleifdiphtong) unwahrscheinlich.
Eine Herleitung aus einem Personennamen (wie Hias etc) halte ich für ausgeschlossen. Mir ist jedenfalls kein Name bekannt der dafür in Frage käme.
In Frage kommt das von Laurin bereits erwähnte "Kirzn, Kiazn" für Kerze(n) (auch im Singular). Das "r" wird geschliffen, also keinesfalls als schriftsprachliches "r" gesprochen sondern als Merkelsches á )
Mir ist auch erinnerlich, dass ältere Leute als Einzahl Kiaz /Kirz gebrauchten....Ge kent a Kiaz a....
In Frage käme auch noch der Komparativ von Kurz..... kiáza zw. die Verbform kiàzn / kürzen. In beiden Fällen müsste nach dem "z" noch ein Buchstabe folgen, der jedoch in keiner der Namensvarianten vorhanden ist.
Ich meine daher, dass der -eder bzw. das -öd/ed irgendwas mit der Herstellung oder dem Gebrauch von Kerzen zu tun hat evtl. auch über einen Eigenschafts- oder Spottnamen für jemand, der wie eine Kerze /a Kiaz dasteht oder zaundürr ist wie eine Kerze.

Zita 04.05.2020 13:39

Griaß eich,

ich ergänze da noch einen Kiazn-Beleg aus dem bairischen Dialektraum: https://www.volkswoerterbuch.com/wort/29249/Kiazn

Liebe Grüße
Zita


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