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karstengruettner 15.01.2015 10:09

In den Schlesische Provinzialblättern
(http://www.sbc.org.pl/dlibra/publication?id=16710&tab=3)
fand ich folgenden Unfall geschildert.
Der Vater wippte die Wiege seines Sohnes so sehr, dass er aus dieser flog und
verstarb.
Überhaupt werden dort sehr viele Unfälle geschildert, die wir heute nicht mehr so kennen, wie Kind im Brunnen ertrunken. Oder dass eine Magd in die Feuerstelle fiel, andere von Pferden überrannt oder unter umfallenden Wagen begraben wurden.
Es gab häufiger Brände, einstürzende Häuser als heute.

Hans-Joachim Liedtke 02.02.2015 12:19

Hallo aus dem Norden !

Eisenberg , Kr. Heiligenbeil 1766 , Nr. 2

Montags d. 6. Januar gegen 2 Uhr nach Mittags ..... ist der Jacob Berger , kgl.Wirth allhier auf der Rück Reise von Heiligenbeil , wohin er Bauholtz zum Verkauf geführet , nahe am Waltersdorf`schen Walde , vermuthlich in trunkenem Muthe unter seine wilden Pferde vorwärts (alt 48 J.) gefallen und elendlich und schrecklich sein Lebens Ende beschlossen , in demselbigen in den Siehlen Strang des zur Rechte gehendes Pferdes am Halse um geschlengt und d. derselbst gefunden wurden .
Gott weiß es am besten wie es damit zugegangen . Ich überlasse ihn der göttlichen Barmherzigkeit um so mehr dafür von vielen ein gutes Zeugnis , seines unermüdlichen Fleißes ihm Gebet zu Gott gehabt . Er ist allhier # d. 10. Jan.
Gib daß ich noch bei guter ............ .

Gruß , Joachim

renatehelene 03.02.2015 19:23

Hallo,
gesehen im KB Braunsberg Dezember 1849

"Der ehemalige Bauer Christ. Friedrich Ahlmann 32 Jahre alt - Selbstmord -
schon lange dem Trunke ergeben hatte er sich aus dem Fenster des
Daberschen Gefängnisses, wo er von Gerichts wegen festgehalten worden,
hinaus gestützt und durch den Sprung das Gehirn verletzt. Er lebte noch
vom 8ten Abends 7 Uhr bis zum 9ten morgens 3 Uhr. Die Leiche ist still
beigesetzt"

Frage; wieviel Stockwerke hatte das Gefängnis und warum waren da keine
Gitter an den Festern:wink:

Artsch 09.02.2015 02:36

Hallo,

Lausen bei Leipzig: 1723 brannte infolge Blitzschlages ein Anwesen nieder,
1729 Mittwoch nach Pfingsten aber fast das ganze Dorf. Dabei kam ein
Einwohner mit seinen drei erwachsenen Kindern ums Leben, als sie einen
Kasten mit 1100 Talern Geld - eine damals große Summe, Sparkassen gab
es noch nicht - aus dem Hause schaffen wollten. Sie wollten das Geld retten,
dabei erstickten oder verbrannten sie gräßlich; der Kasten war unversehrt.

Beste Grüße
Artsch

Ralf-I-vonderMark 14.02.2015 22:26

Latrinen Sturz zu Erfurt im Jahre 1184
 
Hallo zusammen,

seltsame Todesfälle gibt es eine Menge und gelegentlich ist auch schon ein Mensch in eine Jauchegrube gefallen und dort erbärmlich ertrunken oder erstickt (wegen Gärgase).

Aber all das ist zu toppen. Da mache ich mal gleich ein ganz großes Fass auf.

Denn historisch bedeutsam und außergewöhnlich seltsam war sicherlich der Erfurter Latrinensturz aus dem Jahr 1184.

Am 26.07.1184 hielt der deutsche König Heinrich VI. zur Vorbereitung eines Feldzuges gegen die Polen und zur Schlichtung eines Streits zwischen dem Erzbischof von Mainz und dem Landgrafen von Thüringen in Erfurt Hof.

Heinrich VI. hatte sich mit großem Gefolge im oberen Stockwerk der Dompropstei des Marienstiftes aufgehalten. Das Gewicht der vielen Menschen führte zum Unglück. Der für diese Last wohl zu schwache und vermutlich auch morsche Boden des zweiten Geschosses brach plötzlich unter der schweren Last zusammen. Die meisten Anwesenden fielen durch die Decke in das darunter gelegene erste Geschoss. Durch die Wucht des Aufpralls brach auch der Boden des ersten Geschosses, so dass die Menschen noch tiefer in eine darunter liegende Abtrittsgrube stürzten.
Zwar war die Landung weich. Aber trotzdem fanden nach zeitgenössischen Quellen etwa 60 Menschen den Tod. Denn ein Teil ertrank oder erstickte in der Abtrittsgrube, andere wurden durch nachfallende Balken und Steine erschlagen oder verletzt.

Alle, die nicht in den Gitterfenstern saßen, stürzten zwei Stockwerke weit in die Tiefe, viele von ihnen wurden beschädigt, einige verloren sogar das Leben. Mehrere fielen in ein heimliches Gemach, von denen ein Theil kaum mit groer Mühe herausgezogen werden konnte, die anderen erstickten in dem scheußlichsten Unflate, andere wurden von den herabstürzenden Balken erschlagen.

König Heinrich VI. hatte Glück. Er saß in einer gemauerten Fensternische der steinernen Außenwand und konnte mittels Leitern in Sicherheit gebracht werden. Er reiste umgehend aus Erfurt ab. Der Feldzug nach Polen, der dazu diente, um Großherzog Mieszko Hilfe gegen seinen Bruder Kasimir II. zuteilwerden zu lassen, endete ohne große militärische Auseinandersetzungen kurz darauf mit der Huldigung Kasimirs.

Die Chronik von St. Peter in Erfurt erwähnt unter den Todesopfern namentlich Graf Gozmar III. von Ziegenhain, Graf Friedrich I. von Abenberg, Burggraf Friedrich I. von Kirchberg, Graf Heinrich von Schwarzburg, Burggraf Burchard von der Wartburg und Beringer I. von Meldingen; also hessische und thüringische Grafen.

Das ist wahrlich kein schönes Ende für stolze und edle Ritter und Hochadelige. Anstatt angesichts des geplanten Feldzuges heldenhaft auf dem Schlachtfeld zu Sterben verendeten viele jämmerlich in der von Fäkalien und Unrat gefüllten Latrine.

Also wirklich extrem seltsame Todesfälle der außergewöhnlichsten Art.

Viel Spaß mit der Schilderung und viele Grüße
Ralf

Dominik 14.02.2015 22:36

@ ralf

wow da hast du ja ein schmankerl ausgegraben! die armen kerls...das zeitliche so zu segnen hätte mir gewaltig gestunken ^^

lg

Dominik

Friedrich 14.02.2015 22:44

Moin Dominik,

Zitat:

Zitat von Dominik (Beitrag 813187)
das zeitliche so zu segnen hätte mir gewaltig gestunken

:):):)

Friedrich

Dominik 14.02.2015 22:54

:) hallo Friedrich ... den konnte ich mir einfach nicht verkneife :)

gki 14.02.2015 23:01

Zitat:

Zitat von Ralf-I-vonderMark (Beitrag 813183)
Der Feldzug nach Polen, der dazu diente, um Großherzog Mieszko Hilfe gegen seinen Bruder Kasimir II. zuteilwerden zu lassen, endete ohne große militärische Auseinandersetzungen kurz darauf mit der Huldigung Kasimirs.


Was lernt uns das? Wenn die Mächtigen in der Sch... sitzen, können sie Frieden schließen...

Ralf-I-vonderMark 15.02.2015 00:07

Brunichild wird 613 von Pferd zu Tode geschleift
 
Zitat:

Zitat von Dominik (Beitrag 813187)
@ ralf
wow da hast du ja ein schmankerl ausgegraben! die armen kerls...das zeitliche so zu segnen hätte mir gewaltig gestunken ^^

Hallo Zusammen, hallo Plauderspaßvögel,

Ja, es hat bestimmt zum Himmel gestunken. Aber die Menschen damals waren wohl auch nicht so geruchsempfindlich. (Völlig anderes Thema; ich denke da gerade an die „architektonische Meisterleistung, dass in dem ansonsten vor Luxus strotzenden Schloss Versailles Toiletten Mangelware waren oder völlig fehlten).

Nun, da ich mich sehr für Geschichte (und Geschichten) interessiere, insbesondere im Mittelalter (Früh-, Hoch- und Spät-) sowie die frühe Neuzeit (als Ende wird zumeist 1789/1799 genannt) und in diesen „wilden Zeiten“ auch viele aus heutiger Sicht gräusliche Vorfälle mit merkwürdigen Ereignissen und seltsamen Todesfällen stattfanden (welche für die zeitgenössischen Menschen manchmal ziemlich alltäglich waren), habe ich mir einige außergewöhnliche Fälle soweit grob (nicht in allen Details und Facetten) gemerkt, dass ich sie im Internet schnell wiederfinden und recherchieren kann.

Da aber ein spaßhaftes Interesse an historischen Schicksalsschlägen zu bestehen scheint, will ich gerne in aller Kürze noch einen historisch spannenden und seltsamen Todesfall „liefern“.

In Kürze schon deshalb, weil ich die sehr spannende Vorgeschichte des Machtkampfes und der Feindschaft zwischen den Merowingerköniginnen Fredegunde (+597) und Brunichild (+613) auch nicht ansatzweise hier darstellen kann, da es den Rahmen des Forums sprengen würde.

Die Fredegunde hat einen außergewöhnlichen Lebenslauf, da sie eine unfreie Magd von niedrigster Herkunft war und zunächst Geliebte des Chilperich I., König von Neustrien wurde. Dieser war mit Gailswintha verheiratet, welche auf Veranlassung Fredegundes ermordet wurde. Chilperich I. heiratete Fredegunde. Das Problem war, dass Chilperichs Bruder Sigibert I., König von Austrasien mit Brunichild, einer Schwester der ermordeten Gailswintha verheiratet war. Auch auf Betreiben von Gailswintha hin begann der militärisch überlegene Sigibert I. 575 von Paris aus einen durchaus erfolgreichen Feldzug gegen Chilperich I., bis er von zwei Mördern im Auftrage Fredegundes mit vergifteten Dolchen erstochen wurde. Daraus resultierte eine lebenslange Totfeindschaft der beiden Frauen, welche als Königinnenwitwen die Regentschaft und Macht für ihre minderjährigen Söhne (und später Enkel) ausübten. Die Nachkommen starben zumeist in den Schlachten oder wurden umgebracht.

Dieses Schicksal ereilte die Brunichild im Jahre 1613, als sie die Macht für ihren Urenkel Sigibert II. gegen Chlothar II., den einzig überlebenden Sohn der Fredegunde sichern wollte.
Aber Brunichild war nicht nur mächtig, sondern auch sehr unbeliebt. Der Adel rebellierte, verbündete sich mit Chlothar II. und Sigibert II. wurde getötet. Brunichild konnte erst fliehen, wurde aber ergriffen und an Chlothar II. ausgeliefert.

Dieser ließ sie 613 foltern und dann von einem Pferd zu Tode schleifen.

Damit war der Tod der Brunichild sogar noch etwas spektakulärer als das Leben ihrer Erzfeindin Fredegunde.

Nun aber genug für heute mit mittelalterlichen Schicksalsschlägen und seltsamen Todesfällen.
Viele Grüße
Ralf


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