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Nestroy 07.04.2021 03:52

Rückverfolgbarkeit von Wanderungen?
 
Guten Abend,


das ist eine Frage, für die ich mich schon länger interessiere und zwar wie kann man im 18. Jahrhundert oder früher erfolgte größere Wanderungen bzw. Wohnortswechsel von einer beliebigen Stadt in die andere im Nachhinein nachvollziehen?


Irgendwie muss das immerhin möglich sein, wenn ich an das Beispiel denke, dass man Wolfgang Amadeus Mozarts Stammbaum vom Salzburg der 1720er Jahre bis nach Schwaben um 1500 zurückverfolgen konnte, oder ein Genealogiedienstleister den Namen einer Klientin bis 1636 in ein kleines südsteirisches Dorf zurückverfolgen konnte, von dem sie zuvor noch nie gehört hatte. Oder aber auch beim Gedanken an die Kopie eines Ahnenpasses aus den 1940er Jahren meiner Familie väterlicherseits, aus dem die Generationen bis um 1770 herum ersichtlich werden und der auch zeigt, dass sie ziehmlich häufig zwischen böhmischen Dörfchen herumgewandert sind (und irgendwie hat man das ja bei der Erstellung dieses Passes rückwirkend ergründen müssen).


Nach meinen eigenen Erfahrungen mit Kirchenbüchern geht hervor, dass diese so Wander- und Herkunftsbewegungen ab dem 19. Jahrhundert ziehmlich zuverlässig wiedergeben (wenn eine Ehefrau z.B. aus einem anderen Kronland kommt, oder das Paar ganz woanders geheiratet hat, als am üblichen Wohnort), jedoch schon ab dem 18. Jahrhundert (die Grenze ist hier natürlich fließend) werden sie sehr schnell informationskarger und mit Glück stehen gerade mal noch die Namen der handelnden Akteure dort und das wars dann jedoch auch schon. Vielleicht auch noch eine Ortschaft, wenn die Pfarre mehrere Orte umfasst, aber oft auch das nicht.


Also ich denke Kirchenbücher helfen einem da nicht weiter, wenn man z.B. herauszufinden versucht, ob der eigene Vorfahre um 1700 von einem Ort von wo ganz woanders einst in den künftigen Heimatort der Familie hergekommen ist. Wie kann man das jedoch anderweitig nachvollziehen? (Beispiel Mozart von Schwaben nach Salzburg).


Oder es gibt ja auch hier im Forum Leute, die ihre Stammbäume bis ins 17. oder teils sogar 16. Jahrhundert zurückverfolgen konnten, standet ihr nicht auch vor diesem Problem, oder waren eure Familien jahrhundertelang ortstreu?

consanguineus 07.04.2021 06:41

Hallo Nestroy,

ja, es ist manchmal nicht einfach, solche Wanderungen nachzuvollziehen. Wenn es gelingt, dann ist manchmal ein zufälliger Fund an ganz unerwarteter Stelle dafür verantwortlich. Manchmal aber einfach nur Beharrlichkeit. Eigentlich fast immer Beharrlichkeit, denn zufällige Funde an unerwarteter Stelle gelingen fast nur, wenn man beharrlich ist.

Ich habe beispielsweise die Herkunft eines Vorfahren, die schon mein Großvater vergeblich gesucht hat, dort gefunden, wo ich es nie vermutet hätte. Eigentlich suchte ich etwas ganz anderes und sah dann rein Zufällig im Eintrag darunter den Namen eines Mannes, der Pate bei einem Enkel des gesuchten Vorfahren war. Und dann brauchst Du neben einem guten Namensgedächtnis etwas Inspiration, etwas Kombinationsgabe und natürlich auch etwas Glück, nämlich daß die benötigten Kirchenbücher überhaupt überliefert sind.

Ein gutes Netzwerk hilft auch ungemein.

Viele Grüße
consanguineus

hessischesteirerin 07.04.2021 17:14

hallo

ich selbst habe u.a. fahrende Kramer als Vorfahren, oder aber auch Ortsfremden.

Um diesen auf den Grund gehen zu können, hatte ich den Vorteil, dass in den Kirchenbücher der Herkunftsort genannt wurde. In anderen Fällen haben mir die Stadt- und Landesarchive geholfen, meinen Vorfahren auf den Grund zu gehen, obwohl z.B. die Kirchenbücher verbrannt waren.

Obwohl ich kein Fan von Ancestry & co bin, konnte ich dort einen entscheidenen Hinweis finden und einem Nachnamen auf die Spur kommen, der von der Oststeiermark in die Weststeiermark zog und sich während dieser Wanderschaft veränderte. Allerdings half mir hier auch der Hinweis meines Vaters, der einen entfernten Onkel mit dem ursprünglichen Namen hatte.

Es erfordert Geduld und auch einige Dektivarbeit, um wandernden Ahnen auf die Spur zu kommen, aber es ist tatsächlich möglich.

Momentan wird diese Arbeit jedoch eingeschränkt, da der Zugang zu den Archiven stark eingeschränkt ist und wenn man nicht gerade das Glück hat, dass das Kirchenbuch/ die Matrikel online ist, wird es zwar schwieriger, aber doch sehr oft lösbar

Balduin1297 08.04.2021 16:22

Hallo,
den verschiedensten Regionen miteinander vermischt. In jeder Generation kommen mehrere neue Regionen hinzu, weshalb ich ein ziemlich großer Mix was sehr gut für das Erbgut ist. Meine Familie ist also ziemlich weit gereist. Meine Vorfahren kommen aus Osteuropa.

Hier alle Herkunftsregionen meiner Vorfahren aus dem 19. Jahrhundert:

Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schwedisch-Pommern, Neumark, Westpreußen, Hinterpommern, Niederschlesien, Oberschlesien, Preußisch-Polen, Russisch-Polen, Lettland (Kurland und Livland), Ukraine, Belarus und Russland.

Bei meinen Vorfahren aus Russland hatte ich das Glück, dass noch die Akte aus der deutschen Botschaft aus Odessa den Krieg überlebt hatte, aus der ich die Herkunftsorte der Eltern meines Ururgroßvaters herausfinden konnte. Der Vater stammte von der Insel Rügen und ist im Jahr 1840 nach Russland ausgewandert und die Mutter ist in Riga geboren. Wenn der Vater kein preußischer Untertan gewesen wäre, hätte ich wohl niemals die Herkunftsorte erfahren können. Denn ich habe weder ihren Heiratseintrag noch ihren Sterbeeintrag gefunden. Ich habe also nur die Taufen ihrer Kinder gefunden. Allerdings war die Mutter und ihre Eltern russische Untertanen, die Mutter wurde allerdings durch die Heirat mit ihrem Ehemann auch preußische Untertanin.

Die Herkunft des Großvaters mütterlicherseits aus Riga hatte ich auch ewig gesucht, da auch leider nicht im Heiratseintrag und im Sterbeeintrag im Kirchenbuch sein Herkunftsort genannt wurde. Bis ich zufällig bei einer Suche im Internet auf die Biographische Materialien von August Buchholz in der Lettischen Nationalbibliothek gestoßen bin, in der viele Familien aus Riga eingetragen sind. Und dort wurde auch sein Vater genannt. Manchmal braucht man auch ein bisschen Glück, um zufällig die richtige Akte zu finden.

Mein Uropa war ein ethnischer Pole, deren Eltern aus der Provinz Posen stammten und meine Uroma hatte zumindest zum Teil polnische Wurzeln aus Russisch-Polen. In Polen ist die Ahnenforschung bei mir am schwersten, da die Familie sehr häufig umgezogen. Dies lag wahrscheinlich daran, da sie sehr arme Landarbeiter, Tagelöhner, Diener und Dienstmägde waren. Deshalb ist leider bei vielen Linien bereits Anfang des 19. Jahrhunderts oder Mitte des 19. Jahrhunderts Schluss. Eine Umkreissuche finde ich zu aufwendig, da die Kirchenbücher leider nicht online verfügbar sind. Die einzige Frau, die einen sehr bescheidenen Wohlstand hatte, war die Łucja Dziwak, die im Jahr 1845 auf dem Gut Kurowo geboren ist. Sie ist bei der polnischen Adelsfamilie aufgewachsen, denen das Gut gehört hatte und deren Ahnen kann ich auch deutlich weiter bis um 1700 weiterverfolgen. Mein Vorfahre aus Riga war auch ein polnischer Adeliger aus Großpolen, der genau aus der Region stammt, wo anderen polnischen Vorfahren auch herstammen. Es könnte also witzigerweise so gewesen sein, dass meine Vorfahren mütterlicherseits bei meinen Vorfahren väterlicherseits als Diener und Dienstmägde gearbeitet haben.

Ich habe noch einen weiteren Vorfahren, der vor dem 19. Jahrhundert gelebt hat. Er ist im Jahr 1625 in Zajzon (Zizin) in Siebendörfen in Siebenbürgen geboren ist und nach Ende des Dreißigjährigen Krieges nach Forchheim im Erzgebirge ausgewandert ist. Dort wurde aber in seinem Heiratseintrag aus dem Jahr 1650 sein Geburtsort erwähnt.


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