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Sbriglione 13.12.2022 15:29

Und noch eine Sache (dieses Mal würde mich interessieren, um was es sich bei der "gefährlichen Seuche", die erwähnt wird, gehandelt haben dürfte):

"den 24. Martii [1710] ist Magdalene Dippen Michel Kaissers Stieftochter des abends beigesetzet worden nachdem sie von Winnigenstedt wo sie etliche Jahre gedienet wegen eines gefährlichen Schadens am Arme kranck hierher gebracht worden und der hiesige Fleischhauer es angesehen alß eine ansteckende Seuche, als hatt man die Leiche wegen des warmen Wetters so lange über der Erde woll stehen lassen, flugs des abends in aller stille beisetzen lassen, da sie alt gewest 21 Jahr".

Grüße!

sternap 13.12.2022 16:29

wenn es pest und scabies nicht war, der fleischauer es erkannte und man die tote absonderte, eventuell hautmilzbrand.
totes betroffenes fleisch sollte offen in sonnenhitze verwesen, in spätestens vier tagen war der keim tot.
aber ob das die menschen damals wussten?


weil die erde samt regenwürmern und allen getier die milzbranderreger leben ließen, mussten abdecker so weit abseits vom ort arbeiten und sollten die tiere nicht mit erde begraben.
ab wann wusste man das?

consanguineus 13.12.2022 19:11

Zitat:

Zitat von Sbriglione (Beitrag 1505590)
Und noch eine Sache (dieses Mal würde mich interessieren, um was es sich bei der "gefährlichen Seuche", die erwähnt wird, gehandelt haben dürfte):

"den 24. Martii [1710] ist Magdalene Dippen Michel Kaissers Stieftochter des abends beigesetzet worden nachdem sie von Winnigenstedt wo sie etliche Jahre gedienet wegen eines gefährlichen Schadens am Arme kranck hierher gebracht worden und der hiesige Fleischhauer es angesehen alß eine ansteckende Seuche, als hatt man die Leiche wegen des warmen Wetters so lange über der Erde woll stehen lassen, flugs des abends in aller stille beisetzen lassen, da sie alt gewest 21 Jahr".

Grüße!

Die rote Ruhr löschte 1709/1710 in manchen Orten ganze Familien aus. Siehe tBerklingen.

sternap 13.12.2022 19:57

Zitat:

Zitat von consanguineus (Beitrag 1505633)
Die rote Ruhr löschte 1709/1710 in manchen Orten ganze Familien aus. Siehe tBerklingen.


kannst du näher vermuten, was der fleischhauer am arm sah, wenn sie die rote ruhr hatte?
ein mangelauschlag?

consanguineus 13.12.2022 20:17

Zitat:

Zitat von sternap (Beitrag 1505645)
kannst du näher vermuten, was der fleischhauer am arm sah, wenn sie die rote ruhr hatte?
ein mangelauschlag?

Läßt Dich Deine Phantasie im Stich? ;)

Sbriglione 13.12.2022 22:11

Zitat:

Zitat von consanguineus (Beitrag 1505633)
Die rote Ruhr löschte 1709/1710 in manchen Orten ganze Familien aus. Siehe tBerklingen.

Danke für die Info!

Ich müsste mir direkt mal anschauen, ob sie sich auch in Dedeleben entsprechend ausgewirkt haben könnte (es gibt da einige Jahre mit extrem vielen, dicht auf einander folgenden Sterbeeinträgen und es könnte sein, dass das auch so ein Zeitraum war).

Sbriglione 15.12.2022 19:59

Nochmal ein tragischer Sterbeeintrag aus den Kirchenbücher von Groß-Dedeleben.
Dieses Mal aus dem Jahre 1770 (das Opfer war ein Enkel eines meiner Vorfahren):

"D. 4ten Julii morgens um 3 Uhr ist Johann Christoph Lachmundt, Johann Valentin Lachmundts Halbkothsassen hierselbst ältester Sohn, welcher bey Mstr. Johann Dockhorn das Schmiedehandtwerck lernete, nachdem er Montags Abends biß 11 Uhr herum gelauffen, und darnach durstig gewesen, eine Boureille unvorsichtigerweise ergriffen, worin etwas die Pferde zu waschen zurecht gemacht, ergriffen, da er doch wohl gewußt, daß dieselbe an dem Orte gestanden, und daraud einen starken Trunck gethan, worauf alsobalt ein starckes Erbrechen erfolget ist und nun sich alle mögkiche Mittel die die Fälle angewandt werden sind, so hat er doch noch stermen müssen seines Alters 21 Jahr 3 M. 12 Tage, es ist ihm den 8ten ejusd. die Leichpredigt von Hl. Haußmann P[astoris].L[oci]. gehalten worden".

Sbriglione 16.12.2022 09:57

Weiter im gleichen Kirchenbuch, dieses Mal im Jahre 1787:

"am 25. Merz 1787 starb Frau Clara Anna geb. Kahmanns, weiland Heinrich Ludewich Koenauen, gewesenen Ackermanns nachgelassene Witwe und zwar gantz plötzlich, in der Kirche, unter verlesung der Capittel Dom. Judica, an einer Erstickung. Sie wurd gleich hinaus getragen in die frische Luft, und man bemühte sich, sie wieder zu ermuntern, aber sie blieb Todt und wurde den 1ten April öffentlich begraben".

Sbriglione 16.12.2022 10:01

gleiches Jahr:

"den 14ten Nov. 1787 morgens um 4 Uhr starb weiland Heinrich Blencken gewesen Leinewebers alhier nachgelassene Witwe Florina Meinecken, nachdem sie 2 Tage vorher in der Küche sich die Füße und Lenden verbrandt, vor Schrecken, Schwachheit und Stück von Kältebrandt, und wurde den 18ten Ejusd. öffentlich begraben!.

Zuzema 01.01.2023 12:56

Bei meiner Suche nach der Familie Specht in Hoffenheim (bei Sinsheim) Ba-Wü bin ich gestern gleich auf 2 tragische Tode gestossen:

Am 13ten April (1779) nachts gegen 9 Uhr ist Georg Michael Specht verschieden, und zwar durch Unvorsichtigkeit eines Chirurgi, der ihm ein Geschwür am Hals aufgeschnitten, und zwar an dem allergefährlichsten Ort, wo Arterie und alle Adern beysammen, daher er sich allmählig mit gesundem Herzen zu Tod geblutet.

Am 3ten Dec. (1794) Nachmittag um 2 fiel Karl Ludwig, des bürgerlichen Einwohners Georg Thomas Spechts Söhnlein in das am Haus befindliche Dungwasser Loch in welchem er ertrank und wurde am 5ten beerdigt alt 2 Jahr und 3 Monat.

:(

Ich wünsche Euch ein gutes neues Jahr!
Gruß Henrik

Sbriglione 01.01.2023 18:37

Mal wieder aus dem Kirchenbuch von Groß-Dedeleben:

"Den 26ten Januar 1800 ist ein ermordetes Knäblein, welches im Streithorn oben in der Mauer gesteckt und von Pabstorfer Jungens, so mit auf der Jagd gewesen, gefunden worden, von denen hiesigen Geschworenen sicher gestellt, den 25ten im Großen Kruge seciret und den 24ten hier begraben worden".

Sbriglione 01.01.2023 19:00

Weitere zwei (inhaltlich zusammenhängende) Sterbeeinträge aus dem gleichen Ort, dieses Mal von 1702:

"Hanß Hackelberg mußte am 4ten Juli fur den Pfeilern nah bei der Sandgruben elendiglich seinen Geist aufgeben, denn er sich fürgenommen, mit seines Nachbars Hennig Kahmann Tochter (welche denselben Tag mit einem von Rohrsheim copuliert wurde) nach der Hochzeit auß Rohrsheim zu fahren, der eine Wagen aber hatte das Unglück, weil der Knecht, der sich ohne Zweifel besoffen, so abscheulich rennete, daß er umfiel und viele Leute beschädiget wurden, dieser aber hatte gleich den Halß abgestürzet und musste unter vielem Blutvergießen seinen Geist aufgeben. Gott sey seiner armen Seele gnädig und sey bei diesem Unglück noch hertzlich gelobet, dass es nur diesen einen getroffen, da doch leichtlich der gantze Wagen woll dergleichen Ende nehmen können. Sein Leichnahm wurde Dom. 4 p. Trin. alhier begraben, seines Alters 40 Jahr".

Leider blieb es dann doch nicht bei dem einen Toten:

"N.B.: Hennig Kahmann, welcher zugleich mit dem vorhergehenden bey seiner Tochter Hochzeit umgeworfen wurde, starb des anderen Tages darauf, alß den 5ten Juli, nachmittags um 5 Uhr, diesem that Gott noch die Gnade, dass er bey völligem Verstande und fleißigem Gebet auf seinem Bette sterben konnte; sein Leichnahm wurde zugleich Dom. 4 p. Trin. beerdiget, seines Alters 72 Jahr".

TükkersMitÜ 14.01.2023 14:41

Aus dem Kirchenbuch Schötmar (Lippe) 1717:
"Johann Bernd Stahlman Eheman in Schötmar d sich mit dem trunck, dem er ergeben, den 25. d. übernommen und den 26. d. im Bette tod gefunden worden [...]"

NBrandt 19.01.2023 02:20

Aus dem Kirchenbuch in Rüdershausen, 1. Oktober 1762:
cerevisia incacabo frigiscende suffocata obiit subito Maria Francisca Degenhard 2 ann.
Wenn mich mein Latein nicht täuscht ist das arme Kind an kaltem Bier erstickt

LisiS 20.01.2023 14:35

Auf einem Grabstein hab ich folgende Inschrift gefunden und erst gedacht ich hätt mich verlesen und da wär was doppelt geraten. Bis ich den kleinen feinen Unterschied gefunden hab... Ohje... Da hat wohl Vater und Sohn das gleiche Schicksal ereilt?


Zitat:

Hier ruhen in Frieden

Herr
Hubert Lindner
Besitzer a. Tanzberggut
verunglückt am 7.3.1997
im 49. Lebensjahr

Herr
Hubert Lindner
Besitzer a. Tanzberggut
verunglückt im Jahr 1957
im 49. Lebensjahr

sternap 20.01.2023 15:20

Zitat:

Zitat von LisiS (Beitrag 1514780)
Auf einem Grabstein hab ich folgende Inschrift gefunden und erst gedacht ich hätt mich verlesen und da wär was doppelt geraten. Bis ich den kleinen feinen Unterschied gefunden hab... Ohje... Da hat wohl Vater und Sohn das gleiche Schicksal ereilt?




wo gibt es diesen tanzberg?
wo ist der grabstein?
ich saß schon mit menschen namens tanzberger am tisch und wir versuchten zu ergründen, wo es einen tanzberg gäbe.

Svenja 21.01.2023 22:30

Hallo

Frank Mang Anton, Hufschmidmeister, Füssen NR. 47, verheiratet, Gehirnerschütterung durch einen Sturz oder Fall vom Dachboden. + 13. Dezember, abends 5 ½ Uhr, () 15. Dezember, morgens 7 ½ Uhr, Alter 62 Jahre und 5 Monate, Mayr, Stadtpfarrer. Vorstehender Mang Anton Frank war seit einem Jahre geisteskrank und wurde, obwohl er sich wahrscheinlich selbst vom Dachboden herabstürzte, kirchlich begraben.

Matricula, Bistum Augsburg, Füssen, Sterbefälle, 1859-1897, Seite 0048


Darüber wurde auch in diversen Zeitungen berichtet, alle sind bei DigiPress online einsehbar.

Füssen, 13. Dezember. Heute gegen Abend ereignete sich dahier ein sehr bedauerlicher Vorfall. Der Hufschmied Frank, ein achtungswerter wackerer Bürger, an dem man leider schon seit einiger Zeit Spuren von Trübsinn beobachtete, ging, während seine Frau ihn auf kurze Zeit um Bier zu holen verliess, auf den Boden seines Hauses und stürzte sich vom Zugladen aus auf die Strasse hinab. Grässlich zerschmettert endete er nach wenigen Zuckungen sein Leben auf der Stelle.

Augsburger Tagblatt, 16. Dezember 1862
Der Bayerische Landbote, 18. Dezember 1862
Augsburger neueste Nachrichten, 17. Dezember 1862
Lindauer Tagblatt für Stadt und Land, 18. Dezember 1862



Gruss
Svenja

Svenja 22.01.2023 12:09

Hallo

Ebenfalls aus Füssen, Bayern:


Heinrich Hehl von Reichertshofen, Bezirksamt Neuburg a. D., Apothekergehilfe dahier, Protestant, Füssen, ledig, Selbstentleibung durch Genuss von Blausäure im Zustand der Zurechnungsfähigkeit. +10. Jänner 1865 zwischen 11 und 12 Uhr mittags, () 12. Jänner 1865 auf hiesigem Gottesacker abends 6 Uhr. Alter im 22ten Lebensjahre. Wurde begraben von der Lokalpolizei resp. auf deren Anordnung von den gewöhnlichen Leichenträgern, wobei sich mehrere Neugierige als Zuschauer einfanden.

Matricula, Bistum Augsburg, Füssen, Sterbefälle, 1859-1897, Seite 0062


Josef Hörmann, lediger Gerber Geselle, Zürich in der Schweiz, ist beheimatet in Füssen, ledig, Selbstentleibung in der Verhaftanstalt in Zürich, +5. September 1865, () 9. September 1865 auf dem Friedhofe des Kantonsspitals in Zürich nach kirchlichem Gebrauch, Spitalpfarrer Pestalozzi. Nebenstehendes wurde vom Spitalpfarramt Zürich mitgeteilt.

Matricula, Bistum Augsburg, Füssen, Sterbefälle, 1859-1897, Seite 0066


Gruss
Svenja

Juanita 28.01.2023 20:41

Die Pest hat ja häufig in der Vergangenheit die Dörfer u. Städte heimgesucht, aber es berührt einen doch sehr. Ich bin gerade im 17. Jhrt. im KB in Mülverstedt "unterwegs". Da wird eine 6-köpfige Familie innerhalb von 10 Tagen ausgelöscht, die letzten 4 (Vater, Mutter u. 2 Kinder) an einem Tag. 3 Frauen, höchstwahrscheinlich nicht verwandt (versch. Namen) werden in ein Grab gelegt. Und dann noch dieser Eintrag:
"+ 1630 Nicol Heidenreich v. Mila, so erst vor 8 Tagen seine Hochzeit gehabt".
Einfach nur furchtbar! Es war nichts mit "schöner alter Zeit"!
X-( Juanita

Andrea1984 28.01.2023 21:14

Bei einer Nebenlinie habe zuerst eigentlich die Sterbeeinträge zweier Brüder - beide sind meine Vorfahren gewesen - gesucht und gefunden. Und dabei noch etwas tragisches entdeckt: Einer der Brüder hat, binnen weniger Tage drei seiner Kinder verloren. Vermutlich durch eine Krankheit, genau weiß ich das nicht.

Einfach nur tragisch, oder ?

Traurige Grüße

Andrea

katla 29.01.2023 09:30

Zum Thema seltsame Todesursachen:
 
Hallo,

Meine Vorfahrin starb 1905 lt. Familienüberlieferung 35-jährig, weil sie als Bayerin „die schwere Bremer Luft“ nicht vertrug.
In der Sterbeurkunde ist keine Todesursache vermerkt, so dass wir nur spekulieren können. Tuberkulose? Vertuschter Selbstmord als Folge von Heimweh und Depression? …. 8o

LisiS 29.01.2023 16:47

Kann es sein, dass es damals in Bremen Smog gab?

Ich weiss nur, dass es 1952 in London aufgrund von Smog viele Tote gab. Die Industrie- und Hausbrandabgase blieben ewig in der Luft, weil sich ein Kaltluftsee gebildet hatte und somit sind auch viele Menschen gestorben an Lungenproblemen.

Hier auf die Schnelle ein Artikel zu dem Thema von 1952.
https://www.stern.de/panorama/wissen...-32913140.html

Wann ist sie denn genau gestorben?
Zum Jahreswechsel 1904/1905 gabs an Nord- und Ostsee schwere Sturmfluten mit Windstärke 10 - 11 und schweren Schäden.

fajo 29.01.2023 17:28

@katla vielleicht hatte sie sich eine schwere Angina zugezogen. Das kann auch (ohne eine Sturmflut) passieren wenn du innerhalb eines Tages von der Ost - zu Nordsee wechselst. Antibiotika oder Pedicilllin gibt es ja erst seit 1928....

fps 29.01.2023 17:53

Na, eine Angina durch einen Wechsel von der Ost- zur Nordsee? Ohne Infektion? Ich weiß nicht.....

katla 29.01.2023 17:55

Hallo Lisi,


das mit dem Smog ist eine interessante Theorie, von Smog in Bremen hätte ich allerdings noch nie gehört. Aber da könnte ich ja mal nachforschen.



Sie ist im März 1905 gestorben, nachdem sie aber schon mehr als zehn Jahre in Bremen gelebt hatte.



Jetzt wo ich so darüber nachdenke: Ihr Mann war Steindrucker und sie haben lange im selben Haus gelebt, in dem auch die Druckerei war. Er ist 25 Jahre später nach langer Invalidität an "Lungenerweiterung und dadurch bedingter Herzschwäche" gestorben. Da habe ich noch nie drüber nachgedacht, ob es da vielleicht einen Zusammenhang geben könnte. Allerdings wären dann ja vielleicht noch mehr Familienmitglieder betroffen gewesen, und dem ist nicht so.

fajo 29.01.2023 18:20

@fps ich kann ein Lied davon singen!
An der See herrscht ein rauhes Klima, da kann man das sogar im Hochsommer bekommen. Dann läufst dub freiwillig ohne Ärmel aber mit Rollkragen.

fajo 29.01.2023 18:43

@katla oh, oh.... dann kannst du wohl eher davon ausgehen das die Druckerei die Ursache gewesen sein könnte.

LisiS 29.01.2023 19:14

Zitat:

Zitat von katla (Beitrag 1517365)
Hallo Lisi,

das mit dem Smog ist eine interessante Theorie, von Smog in Bremen hätte ich allerdings noch nie gehört. Aber da könnte ich ja mal nachforschen.

Sie ist im März 1905 gestorben, nachdem sie aber schon mehr als zehn Jahre in Bremen gelebt hatte.

Jetzt wo ich so darüber nachdenke: Ihr Mann war Steindrucker und sie haben lange im selben Haus gelebt, in dem auch die Druckerei war. Er ist 25 Jahre später nach langer Invalidität an "Lungenerweiterung und dadurch bedingter Herzschwäche" gestorben. Da habe ich noch nie drüber nachgedacht, ob es da vielleicht einen Zusammenhang geben könnte. Allerdings wären dann ja vielleicht noch mehr Familienmitglieder betroffen gewesen, und dem ist nicht so.


Guten Abend,

durch die "dicke Bremer Luft" ist mir das mit dem Smog in England eingefallen. Ich Südmensch hab ehrlichgesagt NULL Ahnung, ob an der Küste überhaupt Smog möglich wäre!? War nur eine spontane Idee.

Das mit der Druckerei ist sicher auch nicht abwegig, aber ich denk da müsste sie auch gearbeitet haben. Nur, weil die Druckerei im selben Haus war, wird wohl eher keiner dran sterben? Oder doch?

Wie sagen die Leute "Reizklima" an der Nordküste von Deutschland... ?!
Das löst Angina aus nur durchs Klima? Ok!? Ist mir ebenso nicht bekannt. Ich kenn nur föhnbedingtes Kopfweh in den Alpentälern... :wink:

Lorry Bee 29.01.2023 20:04

Dies hier finde ich ganz besonders tragisch. Aus dem Sauerländischen Volksblatt vom 27.08.1906: "Ein schreckliches Unglück ereignete sich gestern Morgen um 10 Uhr auf dem Bahnkörper an der Haltestelle Ambrock im Volmetal. Das dreijährige Töchterchen der Eheleute von Göldel aus der Burgstraße in Eilpe, das mit seiner Mutter zu Besuch in Ambrock weilte, ist in einem unbewachten Augenblick auf den Bahndamm gelaufen und dabei von einem Zuge überfahren worden. Dem Kinde wurden die Beine unterhalb der Knie und der rechte Arm abgefahren. Es wurde zum städtischen Krankenhause gebracht, wo es gestern Nachmittag durch den Tod von seinen furchtbaren Qualen erlöst wurde."
In der Sterbeurkunde wird das Alter der Kleinen mit einem Jahr angegeben.

Andrea1984 29.01.2023 20:23

Das ist ja traurig. Das arme Kind.

-

Traurige Grüße

Andrea

Lorry Bee 29.01.2023 23:25

Sie muss furchtbar gelitten haben. Aber die Eltern tun mir auch schrecklich leid. Die armen Eltern. Und die arme Mutter insbesondere, die vermutlich die Kleine nur einen Augenblick nicht im Blick hatte, vielleicht die Leute begrüßt oder verabschiedet, die sie besuchen wollte und schon war es passiert. Ein Alptraum.

Ralf-I-vonderMark 30.01.2023 22:09

Hallo zusammen,

möglicherweise handelt es sich nicht um einen Todesfall (auch wenn denkbar ist, dass die Person doch noch an den Unglücksfolgen verstorben ist), aber immerhin um einen sehr ungewöhnlichen und erwähnenswerten Unglücksfall beim Kirschenpflücken.

Wittener Zeitung vom 24.7.1894:
„Fulda, 18. Juli. Eine Nacht voll Schrecken hat der Gärtner Louis Boek aus dem benachbarten Dorfe Schwarzbach durchgemacht. Der etwa 50jährige Mann war zum Kirschenpflücken auf einen ganz jungen Stamm gestiegen glitt jedoch von dem durch den Regen schlüpfrig gewordenen Baum ab, wobei ein Fuß sich zwischen zwei Aesten verfing, so daß Boek mit dem Kopf nach unten hängen blieb Trotzdem behielt er seine Besinnung, holte sein Taschenmesser hervor und suchte den Stamm zu durchschneiden. Als ihm dies zur Hälfte gelungen war, entfiel das Messer seinen Händen. Nunmehr suchte Boek, sich mit den Armen auf einen etwas tiefer stehenden Ast stützend, sich aus seiner verzweifelten Stellung zu befreien. Auch dieses mißlang, da der schwache Ast brach, und nun fühlte Boek, wie ihm das Bein im Knöchel brach. Der Unglückliche wurde am anderen Morgen, nachdem er 16 Stunden in dieser qualvollen Lage verbracht hatte, bewußtlos, indessen noch lebend aufgesunden und aus seiner gräßlichen Lage befreit. Da der Zustand sich bis zur Stunde etwas gebessert hat, hoffen die Aerzte, daß Boek mit dem Leben davonkommt.“
vgl. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/10742611?query=%22B%C3%B6k%20mit%22

Viele Grüße
Ralf

Bienenkönigin 31.01.2023 07:27

Hallo Ralf,
"beim Kirchenpflücken"? Du bist nicht zufällig aus Hessen?

Wir hatten in der Grundschule einen zugezogenen Klassenkameraden aus Hessen und haben ihn dann immer nachsprechen lassen:
Sag mal "Kirsche" - Antwort: Kirche
Sag mal "Kirche" - Antwort: Kirsche

Fand ich als Kind sehr faszinierend.

Sei mir nicht bös, aber ich liebe alles, was mit Sprache und Dialekten zu tun hat.

Viele Grüße
Bienenkönigin

Jen89 31.01.2023 09:50

Groß Rosenburg 1768
 
Gerade im KB Gr. Rosenburg (Sachsen-Anhalt) gefunden:

1768
Den 13. Dec. ließ Joh. Christoph Engler der Schöppe allhier seine älteste Tochter, nah. Dorothea Elisab. begraben.
Solche war verehel. mit Georg Friedrich Lüdecken aus Löderitz, mit welchen sie den 10. Jan. dieses Jahres allhier copuliert worden. Da sie aber in kränkl. Umstände verfallen, und ihre Eltern besuchet, ihr Mann sie aber nicht krank wieder haben wolle, ist sie allhier den 12. Dec. morgens 6 Uhr an der Geschwulst verstorben, da sie ihr Leben gebracht auf 23 Jahr 9 Monath.


Es geht doch nichts über einen treu liebenden Ehemann, der "in Guten wie in schlechten Zeiten" an deiner Seite steht.

fps 31.01.2023 11:04

Ich mag es, wenn in den KB solche Geschichten bei den Sterbeeinträgen aufgeschrieben sind. Das bringt uns die vergangenen Zeiten doch näher.
Die KB, in denen ich suche, vermerken meistens lapidar: NN XX, am y. verstorben, am z. begraben. Meist ohne Altersvermerk, und generell ohne familiären Bezug. Da kommt beim Forschen Freude auf!

Svenja 02.02.2023 22:23

Hallo

Ich mag es auch wenn zusätzliche Informationen bei den Sterbeeinträgen stehen. Bei meinen Recherchen in diversen Orten Oberbayerns stosse ich immer wieder auf solche zusätzlichen Bemerkungen. Zudem habe ich bisher oft auch dazu passende Zeitungsartikel gefunden.

Hier sind noch einige weitere Einträge aus Füssen:


Martin Riedle, Jagdaufseher – geboren zu Rottenbuch, starb dahier im Spital – als Jagdaufseher angestellt in Breitenwang im Tyrol, ledig, Schusswunde in der linken Hand, Wundstarrkrampf, Dr. Girtl, Dr. Köpf, 7. November 1866, nachmittags 1 ½ Uhr, () 9. November 1866, morgens 7 ½ Uhr, Alter 32 Jahre.

Matricula, Augsburg, Füssen, Sterbefälle, 1859-1897, Seite 0074


(Seinen Taufeintrag in Rottenbuch habe ich auch gefunden, jedoch keinen Sterbeeintrag in Rottenbuch oder Breitenwang. In Rottenbuch wurden im selben Jahr mehrere Sterbefälle von auswärts verstorbenen Personen eingetragen. Zeitungsartikel konnte ich auch keinen finden, weder in Bayern noch in Österreich.)


Josef Kreitlhuber, lediger Steinhauer aus Rosenheim, beschäftigt beim Schlossbau zu Hohenschwangau und wohnte in letzter Zeit in Füssen, Tod durch Ertrinken im Lech, vielleicht Selbstmord?, 1870 am 19. Juni, () 21. Juni früh 7 ½ Uhr, Alter 38-40 Jahre, Albrecht Kaplan.

Matricula, Augsburg, Füssen, Sterbefälle, 1859-1897, Seite 0105

Auch hierzu konnte ich keinen Zeitungsartikel finden bei digiPress. Nach seinem Geburtseintrag in Rosenheim habe ich noch nicht gesucht.


Josefa Greinwald, eheliches Kind des Bauern Magnus Greinwald, Füssen, Fischerbichl Nr. 18, Kind, Unglücksfall, das Kind, fiel mit einem Messer in der Hand, durchstach sich den Magen und starb an Verblutung, +29. Juni 1870 nachmittags 3 Uhr, () 1. Juli 1870 früh 7 ½ Uhr, Alter 3 ½ Jahre 15 Tage.

Matricula, Augsburg, Füssen, Sterbefälle, 1859-1897, Seite 0105


Hierzu passt folgender Zeitungsartikel:

In Fischbichl, B. A. Füssen, verunglückte ein Kind, indem es mit einem Messer in der Hand fiel und sich beim Falle dasselbe in die Brust stiess, so dass es nur noch einen Hilfeschrei nach der Mutter ausstiess und gleich darauf verschied. Die nämlichen Eltern verloren vor 2 Jahren ein Kind durch Ertrinken.

Augsburger neueste Nachrichten: Schwäbischer Kurier, 11.07.1870
Fürther neueste Nachrichten für Stadt und Land, 12.07.1870



Einen Sterbeeintrag zu dem Kind, dass ertrunken sein soll, habe ich jedoch nicht gefunden. Diese Familie Greinwald hat jedoch 1868 und 1870 Kinder bei der Geburt verloren und 1869 Zwillinge 17 bzw. 19 Tage nach der Geburt.


Gruss
Svenja

wicki49 04.02.2023 13:55

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Hallo, zusammen,


Ermordung eines Lateinschülers und Hinrichtung seines Mörders: Laut Kirchenbuch gab es wohl unterschiedliche Beerdigungszeremonien für Kinder und Erwachsene. Trotz der Namensgleichheit und räumlicher Nähe der Herkunftsorte konnte ich bisher keine verwandtschaftliche Beziehung finden.

Die Hinrichtung des Mörders muss ein grausiges Gemetzel gewesen sein:


https://www.schwaebische.de/regional...merberg-288311
https://www.swp.de/lokales/muensinge...-46863155.html
https://genealogie-nordwuerttemberg....erfamilien.pdf
https://jungeseniorenheilbronn.wordp...einer-familie/


Helmut Belthle ist ein Nachfahre des damaligen Scharfrichters.


Grüße
Ernst

pascho 05.02.2023 00:07

gerade durch Zufall gefunden:
Standesamt Koslar Nr. 20/1915


Der Landwirt Jakob Baum aus Linzenich zeigt an, daß verstorben ist Clemens Anton Ruland, ein Monat alt, katholisch, wohnhaft in Bourheim und dort geboren, Sohn des Architekten(!) Bernhard Ruland, zur Zeit im Krieg und dessen Ehefrau Gertrud Ruland geb. Baum, wohnhaft in Düsseldorf, am 12.04.1915 auf Gut Linzenich.


Ich habe 1915 zumindest keine Sterbeurkunde der Mutter gefunden.

LisiS 05.02.2023 11:33

Kann es sein, dass die Mutter gar nicht verstorben ist, sondern nur als Mutter angeführt und das Sterbdatum sich auf den kleinen Sohn bezieht? So würd ich das lesen.

pascho 05.02.2023 17:11

Zitat:

Zitat von LisiS (Beitrag 1519323)
Kann es sein, dass die Mutter gar nicht verstorben ist, sondern nur als Mutter angeführt und das Sterbdatum sich auf den kleinen Sohn bezieht? So würd ich das lesen.

Die genannte Sterbeurkunde bezog sich nur auf den kleinen Clemens.


Angesichts der Umstände hätte mich aber auch nicht gewundert, die Mutter auch noch zu finden.


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