Randbemerkung Sterbeurkunde 1941

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  • Christian40489
    Erfahrener Benutzer
    • 24.03.2008
    • 2064

    #16
    Hallo zusammen,

    ich habe die Biografie eines T4-Opfers erforscht. Microsoft Word - Wilhelm_Freisewinkel_Stolperstein_2022-12-14 Deshalb weiß ich, dass die T4-Opfer fast immer in zentralen Tötungsanstalten umgebracht wurden. Eickelborn gehörte nicht zu diesen Anstalten. Aber auch in Eickelborn starben während der NS-Zeit Patienten eines mehr oder weniger natürlichen Todes.

    Mit dem Ausschnitts-Schnipsel der Sterbeurkunde kann ich nichts anfangen. Ein hochauflösender Scan der Sterbeurkunde wäre hilfreich, würde er doch vielleicht noch weitere Hinweise enthalten. Egon, liegt Dir eventuell auch die Geburtsurkunde vor? Denn Sterbefälle wurden üblicherweise an die Standesämter, die die Geburt des Verstorbenen beurkundet hatten, gemeldet, so dass sich dann auf den jeweiligen Geburtsurkunden nicht selten Randvermerke befinden.

    Zu den rund 600 Eickelborner Patienten, die während des Nationalsozialismus Opfer von Euthanasie oder Zwangssterilisation wurden, sind eventuell Krankenakten im Bundesarchiv Berlin vorhanden. Diese sind als Bestand R 179 nur auf Antrag und bei berechtigtem Interesse einsehbar. Aber wenn man den Namen des Opfers weiß, kann man recherchieren, ob im Bundesarchiv dazu eine Patientenakte vorliegt.

    Viele Grüße Christian
    suche für mein Projekt www.Familienforschung-Freisewinkel.de alles zum Namen Freisewinkel, Fresewinkel, Friesewinkel.

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    • Horst von Linie 1
      Erfahrener Benutzer
      • 12.09.2017
      • 24186

      #17
      Zitat von Christian40489

      dass die T4-Opfer fast immer in zentralen Tötungsanstalten umgebracht wurden. Eickelborn gehörte nicht zu diesen Anstalten.
      Ich finde zwar den Beleg nicht, meine aber, dass man damals so perfide war, nicht nur die Todesursache,
      sondern auch

      a) das Datum des Todes
      sowie

      b) den Ort des Todes
      zu verfälschen und die verfälschten Angaben offiziell zu machen.

      Dass die Angehörigen für die Übersendung der angeblichen Asche der Verstorbenen bezahlen mussten, ist ja hinlänglich bekannt.
      Ebenso bekannt ist, dass es sich in aller Regel nicht die Asche des Angehörigen handelte.

      Falls im Eifer des Gefechts die Anrede mal wieder vergessen gegangen sein sollte, wird sie hiermit mit dem Ausdruck allergrößten Bedauerns in folgender Art und Weise nachgeholt:
      Guten Morgen/Mittag/Tag/Abend. Grüß Gott! Servus.
      Gude. Tach. Juten Tach. Hi. Hallo.

      Und zum Schluss:
      Freundliche Grüße.

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      • sonki
        Erfahrener Benutzer
        • 10.05.2018
        • 5852

        #18
        DA könnte vielleicht hierfür stehen: "Dienstanweisung für Standesbeamten und ihre Aufsichtsbehörden (DA)"
        Habe allerdings spontan noch keine alte Fassung gefunden - in der aktuellen Anweisung ist der $ 292 a "weggefallen"
        (siehe: Link)

        P.S. Potentiell ging es da aber um Namensänderungen in Geburtseinträgen...aber bin unsicher. (1962, ältere hab ich online nicht gefunden)

        P.S. Hier vielleicht ein Hinweis:

        § 292 wäre dann für Sterbebücher und "Mitteilungen und Hinweise aus Anlaß eines Sterbefalls" (aus der DA von 1958)

        P.S. Ok, 1938 gehörte der § 292 wie auch 1958 zum gleichen Inhalt: siehe https://d-nb.info/572710437/04 (DA 1938)

        Tja, also ich kann leider keine Fassung vor 1945 online finden. Immer nur vor Ort in den Archiven oder zum kaufen in Antiquariaten...der Inhalt vom Paragraph wäre halt interessant...aber scheinbar ist das ein Staatsgeheimnis und nix dazu online...leicht nervig...
        Zuletzt geändert von sonki; 23.11.2025, 19:31.
        ¯\_(ツ)_/¯

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        • Christian40489
          Erfahrener Benutzer
          • 24.03.2008
          • 2064

          #19
          Horst, die Tötungsanstalten machten das in der Tat recht häufig. Im vorliegenden Fall von Eickelborn können wir aber bis zum Beweis des Gegenteils nicht von einer Ermordung ausgehen.
          suche für mein Projekt www.Familienforschung-Freisewinkel.de alles zum Namen Freisewinkel, Fresewinkel, Friesewinkel.

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          • Christian40489
            Erfahrener Benutzer
            • 24.03.2008
            • 2064

            #20
            @ Sonki
            Deine Lesung "§ 292 D.A. (= Dienstanweisung für Standesbeamte) trifft sicher zu. Das Reichsministerium des Innern erließ diese Anweisung im Dezember 1938.
            §§"292-293 regelten die "Mitteilungen und Hinweise aus Anlaß eines Sterbefalls". Die Neufassung von 1958 hatte den gleichen Inhalt.
            Allerdings wurde die alte Dienstanweisung, die über Jahrzehnte als umfassendes Arbeitshandbuch diente und detaillierte Anweisungen zu allen Bereichen des Personenstandsrechts enthielt, im Jahr 2000 neu gefasst und danach bis 2005 mehrfach geändert, bevor das Personenstandsrecht grundlegend reformiert wurde. Eine Online-Quelle für den Wortlaut der §§ 292-293 der alten D.A. konnte ich leider auch auch nicht finden.
            @ Egon Kamps
            Bitte stelle die Sterbeurkunde doch komplett ein, damit man sie auf weitere Hinweise prüfen und nach einer eventuell m Bundesarchiv vorhandenen Patientenakte suchen kann.
            Die Fragestellung interessiert mich auch, weil die besagte Sterbeurkunde möglicherweise eine Spur zu Patientenmorden in Eickelborn sein könnte.
            Gruß Christian
            Zuletzt geändert von Christian40489; 24.11.2025, 07:35.
            suche für mein Projekt www.Familienforschung-Freisewinkel.de alles zum Namen Freisewinkel, Fresewinkel, Friesewinkel.

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            • Egon Kamps
              Benutzer
              • 13.01.2021
              • 36

              #21
              Hallo zusammen,
              hier die gesamte Sterbeurkunde. Auf der inzwischen vorliegenden Geburtsurkunde ist das Sterbedatum mit der Registernummer vermerkt. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß es sich bei dem Randvermerk tatsächlich um die Datenweitergabe an das zuständige Standesamt des Geburtsortes handelt.
              Gruß
              EgonSchneider.jpg

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              • Christian40489
                Erfahrener Benutzer
                • 24.03.2008
                • 2064

                #22
                Sehr gut, Egon! Vielen Dank.
                Damit dürfte die Formalie klar sein. Der Standesbeamte in Eickelborn hat das Standesamt Burgwaldniel über den Tod der Theresia Schneider, geb. Kamps, informiert. Das entspricht der üblichen Praxis, die durch die D.A. geregelt war. Wie üblich wurde in der Sterbeurkunde die Todesursache genannt. In der NS-Zeit wurde häufig "Herzmuskelentartung" als Todesursache genannt, obwohl diese nichts über die Art und Ursache der Herzerkrankung aussagt. Ob der den Tod anzeigende Dr. med. Franz Fatheuer niedergelassener Arzt oder Klinikarzt war, konnte ich bislang nicht feststellen.
                In der Sterbeurkunde gibt es keinerlei Hinweis, dass die Verstorbene ein Euthanasie-Opfer geworden sein könnte. Da sie vor ihrer Einweisung in Recklinghausen lebte, dürfte Eickelborn die örtlich zuständige Klinik gewesen sein. Theresia Schneider gehört jedenfalls nicht zu den Opfern der Aktion T4, die mehrfach verlegt wurden, bevor sie in einer der zentralen Tötungsanstalten umgebracht wurden. Im Bundesarchiv ist eine Patientenakte zu Theresia Schneider geb. Kamps nicht feststellbar. Mehr kann ich leider nicht beisteuern.
                Beste Grüße Christian
                Zuletzt geändert von Christian40489; 26.11.2025, 18:53. Grund: Schreibweise des Namens Fatheuer berichtigt.
                suche für mein Projekt www.Familienforschung-Freisewinkel.de alles zum Namen Freisewinkel, Fresewinkel, Friesewinkel.

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                • Christian40489
                  Erfahrener Benutzer
                  • 24.03.2008
                  • 2064

                  #23
                  Hallo Egon,
                  zur Entnazifizierung von "Franz Fatheuer , geb. 17.04.1906 (Arzt)" gibt es eine Entnazifizierungsakte im Landesarchiv NRW. (1)
                  Faltheuer besuchte das Gymansium Hammonese in Hamm, machte dort 1927, studierte Medizin und wurde später Mandesmedizinaldirektor. (2)
                  1951/52 war er Schützenkönig in Eickelborn. (3)
                  2003 wurde er in Geseke 97 Jahre alt. (4)
                  Hier die Quellenangaben:
                  (1)Archivsuche | Archive in Nordrhein Westfalen | dann in der linken Spalte Nr. 67 anklicken:
                  Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland, NW 1113-BG. 34 / SBE Hauptausschuss Landkreis Soest NW 1113-BG. 34, Nr. 67
                  (2) Gymnasium Hammonense - Wikiwand
                  (3) Galerie der Königspaare – Schützenbruderschaft Eickelborn
                  (4)​ waeb0303.pdf​ Seite 49
                  Wie es auf den ersten Blick scheint wurden gegen Fatheuer keine Verstöße wegen seiner ärztlichen Tätigkeit erhoben. Ich empfehle aber unbedingt die Entnazifizierungsakte einzusehen.
                  Wie vorgestern bereits dargelegt, enthält die Sterbeurkunde für Theresia Schneider geb. Kamp keine Hinweise darauf, dass sie ein Euthanasieopfer geworden sein könnte.
                  VG Christian
                  Zuletzt geändert von Christian40489; 26.11.2025, 22:41. Grund: Quellenangabe zur Entnazifizierungsakte ergänzt.
                  suche für mein Projekt www.Familienforschung-Freisewinkel.de alles zum Namen Freisewinkel, Fresewinkel, Friesewinkel.

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                  • Christian40489
                    Erfahrener Benutzer
                    • 24.03.2008
                    • 2064

                    #24
                    Egon,
                    Du schriebst in Deinem einleitenden Post "Sterbeurkunde aus der Krankenanstalt Eickelborn", wodurch suggeriert wird, dass es für die Klinik ein eigenständiges Standesamt gegeben habe. Die ist nach meinem Wissen unzutreffend. Eickelborn war bis 1969 eine selbständige Gemeinde im Amt Oerlinghausen. Die Gemeinde (nicht die Klinik) hatte ein Standesamt. Siehe Verzeichnungseinheit
                    Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe P 6 / 20 / Standesämter im Landkreis Soest.
                    VG Christian
                    suche für mein Projekt www.Familienforschung-Freisewinkel.de alles zum Namen Freisewinkel, Fresewinkel, Friesewinkel.

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