Eine kleine Einführung in die Namenkunde

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  • Christian Benz
    Administrator
    • 30.03.2003
    • 2943

    Eine kleine Einführung in die Namenkunde

    InfoBei Anfragen in unserem Forum zur Namenforschung bitten wir um folgendes:
    • Zwecks Indexerstellung bitte für jeden einzelnen (Familien-)Namen ein eigenes, separates Thema erstellen. (Nicht mehrere Namensbedeutungen innerhalb eines Themas erfragen!)
    • Den Fragebogen, der bei der Themenerstellung vorgegeben ist, bitte immer möglichst vollständig ausfüllen.





    Eine kleine Einführung in die Namenkunde

    Die folgende kurze Einführung möchte nur als knappe und keineswegs vollständige Übersicht zum Thema Familiennamen und Namenkunde verstanden werden. Eine umfassende Darstellung würde hier gewiß den Rahmen sprengen. Wer näher in diese Materie einsteigen möchte, der sei auf entsprechend vorhandene Literatur verwiesen (siehe Punkt 4).

    1. Die Entstehung der Familiennamen im deutschsprachigen Raum
    Unsere Namen stellen beinahe immer die älteste Überlieferung einer Familiengeschichte dar. Die Wurzeln der deutschen Familiennamen reichen oft bis ins Mittelalter zurück und entstanden damit in einer Zeit, in der die meisten Menschen weder Lesen noch Schreiben konnten. Die große Masse deutscher Familiennamen entstand in der Zeit des 14. bis 16. Jahrhunderts.

    Bis zum Ende des 11. Jahrhunderts gaben sich die Menschen lediglich einen Rufnamen. Da damals auf dem Land nur wenige Menschen in kleinen und verstreuten Siedlungen lebten, war dieser eine Rufname auch völlig ausreichend, um den Träger des Namens eindeutig zu bestimmen.
    Erst mit anwachsender Bevölkerungszahl, dem zunehmenden Handel, erhöhter Mobilität, der Entstehung größerer Ortschaften und Städte und nicht zuletzt durch die aufkommende Verwaltung von Staat und Kirche, wurde ein differenzierteres Namensystem nötig, um eine genaue Personenidentifizierung überhaupt möglich zu machen. Daher fügte man seit dem 12. Jahrhundert zu dem bestehenden Rufnamen einen Beinamen hinzu, welcher als Grundlage für den späteren Familiennamen angesehen werden kann.

    Familiennamen entstanden schließlich, wenn ein Beiname einer Person auf deren Nachkommen übertragen (vererbt) wurde. Dies war besonders für Verwaltungszwecke - zum Beispiel Erbschaftsangelegenheiten - wichtig, da Familiennamen nun verwandtschaftliche Beziehungen deutlich machten. Beachtet werden muß jedoch, dass sich anfangs die Familiennamen noch gänzlich ändern konnten, beispielsweise wenn sich der Beruf oder Wohnort des Namensträgers änderte oder gar wenn dieser mit seinem Namen nicht mehr einverstanden war. Erst im 15. Jahrhundert wird die kontinuierliche Verwendung des gleichen Familiennamens deutlich. Erst mit dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches am 1. Januar 1900, ist eine Änderung der Namensschreibung in Deutschland nur noch auf dem Rechtswege unter bestimmten Umständen möglich.

    2. Wie lassen sich Familiennamen einteilen?
    Im Wesentlichen gibt es fünf Kategorien, in die sich unsere Familiennamen einteilen lassen: In Patronyme/Metronyme, Herkunftsnamen, Wohnstättennamen, Berufsnamen und Übernamen. Hier der Versuch einer Einteilung in Listenform (die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt):
    I. Familiennamen aus Rufnamen
    • Patronyme ("Vatername")
      - Vater
      - Schwiegervater
      - Bruder
      - Onkel
    • Metronyme ("Muttername")
      - Mutter
      - Gattin
      - Schutzpatronin

    II. Herkunftsnamen
    • Völker
    • Länder
    • Stämme
    • Regionen
    • Ortschaften

    III. Wohnstättennamen
    • Hofnamen
    • Häusernamen
    • Landschaft
      - Geländeformen (Erhebung, Ebene, Vertiefung)
      - Bodenbeschaffenheit
      - Lichtverhältnisse
      - Geländelage
      - Bewuchs (Bäume, Büsche, Wiesen, Äcker, etc.)
      - Gewässer
      - Bauten, Bauwerke
      - Grenzen
      - Wege

    IV. Berufsnamen
    • direkte Berufsnamen
      - Gewerbe
      - Ämter
      - Aufgaben
    • indirekte Berufsnamen (Berufs-Übername)
      - Werkzeug
      - Material
      - Tätigkeit
      - (Arbeits-)Kleidung
      - Produkt/Ware

    V. Übernamen
    • Körperliche Merkmale
    • Geistige Merkmale und Charakter
    • Verhaltensweisen und Gewohnheiten
    • Biographie/Lebensgeschichte
    • Materielle Objekte (Pflanzen, Tiere, Gegenstände, Gestirne, etc.)
    • Ereignisse und Zeiten (Naturerscheinungen, Jahreszeiten, Monate, etc.)
    • Besitz- und Reichtum
    • Abstammung, Verwandtschaft
    • Kirche und Glaube
    • Würdenträger

    2.1 Familiennamen aus Rufnamen
    Hierbei wurde der Rufname des Vaters oder - seltener - der Mutter von der nächsten Generation als Familienname übernommen. Man spricht dann von einem Patronym bzw. Metronym. Dabei muß aber nicht zwangsläufig der Rufname des Vaters bzw. der Mutter zum Familiennamen geworden sein - es gibt auch Fälle, bei denen der Name auf den Rufnamen eines anderen Verwandten, eines Patron oder Dienstherrn zurückgeführt werden kann.

    2.2 Herkunftsnamen
    Familiennamen dieser Kategorie, erhielten praktisch fast nur zugezogene Menschen an ihrem neuen Wohnort. Ursprünglich dienten noch Umschreibungen, wie beispielsweise "Hubert von Oberhausen", zur besseren Unterscheidung der Menschen. Ab der Zeit, als die von der Herkunft abgeleiteten Beinamen, schließlich zu Familiennamen wurden, läßt sich der Trend erkennen, dass Präpositionen wie "aus" und "von" mehr und mehr weggelassen wurden. Bereits im 14./15. Jahrhundert überwiegen schließlich Herkunftsnamen, ohne Präpositionen. Herkunftsnamen wurden nicht nur aus Ortsnamen geschöpft sondern auch aus den Namen und Bezeichnungen von Ländern, Völkern, Stämmen und Regionen.

    2.3 Wohnstättennamen
    Im Gegensatz zu den Herkunftsnamen wurden Wohnstättennamen vom Wohnsitz einheimischer Menschen abgeleitet. Sehr häufig gehen Wohnstättennamen auf die Landschaftsbeschaffenheit in der Umgebung zurück.

    2.4 Berufsnamen
    Hierbei läßt sich weiter unterscheiden, ob der Benannte den Beruf ausübte (direkter Berufsname), oder er nach einer bestimmten Eigenheit seines Berufes bezeichnet wurde (indirekter Berufsname). Bei den indirekten Berufsnamen konnte beispielsweise das verwendete Werkzeug, (hergestellte, verarbeitete oder gehandelte) Produkt, ein charakteristischer Arbeitsvorgang oder eine berufstypische Kleidung zur Bildung herangezogen werden. Daneben kann man in diese Kategorie auch Bezeichnungen aufnehmen, die vom Stand oder Amt der Person abgeleitet wurden.

    2.5 Übernamen
    Ein weites Feld stellen die so genannten Übernamen dar. Hierher gehören vor allem spezielle, einen Menschen kennzeichnende Eigenschaften, die zur Namensbildung herangezogen wurden. So haben sich u. a. das körperliche Erscheinungsbild, charakterliche Eigenschaften, Wesensarten, Lebensereignisse oder Gewohnheiten in derartigen deutschen Familiennamen niedergeschlagen.

    3. Namenssuffixe
    Da es eine Vielzahl von Namensendungen gibt und eine umfangreiche Behandlung hier den Rahmen sprengen würde, möchte ich lediglich auf den dtv-Atlas Namenkunde sowie folgende Seiten verweisen:
    4. Welche Bücher beschäftigen sich mit der Namenkunde?
    • "Das grosse Buch der Familiennamen" von Horst Naumann
    • "Deutsche Namenkunde" von Max Gottschald
    • "Deutsches Namenlexikon" von Hans Bahlow
    • "dtv-Atlas Namenkunde" von Konrad Kunze
    • "Duden - Familiennamen", Dudenverlag
    • "Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Familiennamen, von J. Brechenmacher"

    (Die alphabetische Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.)

    Weitere Literaturverzeichnisse finden sich u. a. im dtv-Atlas Namenkunde. Im "Taschenbuch für Familiengeschichtsforschung" (12. Auflage) findet sich auf den Seiten von 478 bis 488 ein eigenes Kapitel zur Namenkunde und ein ebenfalls umfangreiches Literaturverzeichnis.

    5. Weiterführende Webseiten
    I. Vornamen
    II. Nachnamen
    Geografische Verbreitung von Familiennamen
    III. Allgemeines
    Hier geht's weiter zur FAQ für den Forenbereich "Namenforschung".
  • Regenbogen02
    Erfahrener Benutzer
    • 06.11.2008
    • 494

    #2
    Literatur zur Namensforschung/-bedeutung

    Hallo,
    habe für Interessierte auf meiner Homepage aus dem dtv-atlas "Namenkunde" des Münchner Verlages von 1998 zwei Seiten des Literaturverzeichnisses eingestellt.
    Vielleicht interessant für denjenigen, der etwas nachlesen möchte.
    Guten Rutsch und ein erfolgreiches Forscherjahr wünscht
    Gerd
    [URL="https://pechsteins-buecher.jimdo.com/[/URL] (KEIN SHOP!)
    Neues Buch/Ebook
    "Ein Pechstein auf dem Pechstein saß und dachte über Pechstein nach", Ein Streifzug rund um die Nachnamen Pechstein/Bechstein,mit Ahnenlisten u. hist. Fotos.,
    Buch "Sonne im Glas-Ein Sommer mit Maria am Balaton"

    [B, Ahnenforschung Metzger,Kolditz,Täuscher u. a.[/B]
    Suche alles zu NN PECHSTEIN, auch als PESCHTEN,PESKIN,
    NN Schaab, Machalett in Thüringen (Haina/Grabfeld, um Oberneubrunn/Thür., Stützerbach, Schmiedefeld usw.)

    Kommentar

    • Szillis-Kappelhoff
      Erfahrener Benutzer
      • 08.03.2006
      • 345

      #3
      Hallo,
      zur Ergänzung:
      * http://wiki-de.genealogy.net/Literat...ltischen_Namen

      Beate

      Kommentar

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