Hallo Skandinavierin,
ich denke, dass man in Bezug auf die Glaubwürdigkeit solcher Quellen letztlich eine große Bandbreite hat:
manche Schreiber von OFB haben mindestens teilweise sehr "schlampig" gearbeitet oder sehr lückenhaft (so kenne ich beispielsweise ein gedrucktes OFB, in dem immer mal wieder Vor- und Nachnamen falsch gelesen wurden und es deutlich zu häufig zu falschen Verknüpfungen von Kindsgeburten mit den zugehörigen Eltern gekommen ist (ein Häusling und ein Ackermann sollten in der Regel doch unterschiedliche Personen gewesen sein) und mindestens ein Online-OFB, in dem es gleichfalls vergleichbare Fehler gibt und das zudem bis heute sehr unvollständig ist (leider steht da mein Name mit drunter, weil ich dem Ersteller um schlimmeres zu verhüten und weil ich meine eigenen langjährigen Vorarbeiten für ein OFB des Ortes nicht komplett umsonst gemacht haben wollte, meine eigenen Ergebnisse mit zur Verfügung gestellt habe).
Bei einem weiteren, vor Jahrzehnten von einem Forscher noch ohne Computer mit Schreibmaschine erstellten und an Archive und Bibliotheken verteilten OFB (das zwar ebenfalls unvollständig und fehlerbehaftet ist, bei dem aber der Autor sich intensiv auch um Bezüge zu anderen Orten gekümmert und zahlreiche Informationen zu einigen Familienlinien durch Anschreiben an andere Forscher mit eingebracht hat) stimmt leider ausgerechnet die Jahresangabe im Sterbeeintrag einer für mich ziemlich zentralen Person nicht - mit der Folge, dass meine Anfrage an das zuständige Standesamt leider vergeblich war. Im letzteren Fall ärgere ich mich bis heute, dass ich den Eintrag selbst (auf den ich durch das OFB aufmerksam geworden war) zwar im Original-Kirchenbuch gefunden und abfotografiert habe, ohne aber dort auf das Sterbejahr zu achten (wenn ich das nicht irgendwo handschriftlich notiert und schlicht noch nicht wiedergefunden habe).
Einige OFB sind aber nach meinem Eindruck richtig gut gemacht und dadurch sehr wohl glaubwürdig (das sind insbesondere solche, bei denen Patenschaften und andere Akten mit genannt und berücksichtigt wurden). In jedem Fall sollte man aber selbst dann alles, was für einen selbst wirklich wichtig ist, am besten anhand der Originale überprüfen und idealerweise auch noch die Nachbarorte und mögliche gegenläufige Patenschafts-Einträge suchen (ich selbst habe erst durch eine eindeutige Patenschaft feststellen müssen, dass ich bei einer Familie über mehrere Generationen hinweg die falschen "Vorfahren" gesucht und gefunden hatte).
Beste Grüße!
Vertrauenswürdigkeit von Sekundärquellen (z.B. Ortsfamilienbücher)
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Hallo consanguineus,
das ist mir schon bewusst.
Aber gerade an Filme kommt man da auch nicht so ohne weiteres dran (ich spreche da immer von Schlesien).
Und manche Forscher hüten diese wie einen Schatz und sind nicht gerade freigiebig was die Filme angeht. Und in den Archiven gerade was den Kreise Neiße angeht, schaut es da auch eher mau aus. Da muß man dann schon wissen wie und wo man an die Filme der Mormonen kommt.
SG
Peter
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Hallo Peter,
mit "Original" meine ich nicht zwingend das Original aus Papier, sondern ersatzweise auch eine Verfilmung desselben. Wenn es ein OFB gibt, muß es ja auch Quellen geben, die der Ersteller benutzt hat.
Viele Grüße
consanguineus
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Zitat von consanguineus Beitrag anzeigen
Fazit: OFB können lediglich eine Unterstützung der quellenbasierten Arbeit darstellen. Mir persönlich wäre es zu unsicher, sich zu 100 Prozent auf sie zu verlassen. Ich würde jede Angabe am Original nachprüfen.
sofern man an ein Original ran kommt, was für z.B. Schlesienforscher ja nicht immer sehr einfach ist. Drum ist man ja dann auch froh, wenn man Glück hat und es OFB`s aus der Suchregion gibt.
SG
Peter
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Hallo Christine,
es gibt unter den OFB und Online-OFB solche und solche. Ich habe grundsätzlich einen Mordsrespekt vor Menschen, die ein derartiges Werk erstellt haben. Der Respekt steigert sich dann noch ins Unermessliche, wenn die Recherche sorgfältig war. Das ist aber nicht immer der Fall. Ich meine damit nicht Fehlinterpretationen von schlecht lesbaren Zahlen oder so etwas, sondern eher Dinge wie vorschnelle Zuordnung von namensgleichen Personen.
Während ein Familienforscher sich zu einem Spezialisten für seine Familie entwickelt, häufig auch durch Auswertung von Quellen, die über die Kirchenbücher hinausgehen, kann der Ersteller eines OFB diese in die Tiefe gehende Arbeit wegen verschiedener Restriktionen in der Regel kaum leisten. So ist er eher der Generalist, der sich mit allen Familien eines Ortes beschäftigt, aber nicht so intensiv wie der Familienforscher mit seiner eigenen Familie.
Jeder Familienforscher wird an einen Punkt kommen, an dem er Fehler in OFB entdeckt. Habe ich auch schon häufig erlebt. Bei Online-OFB kann man relativ leicht Kontakt zu dem Ersteller aufnehmen und auf den Fehler hinweisen oder auch etwas ergänzen. Man sollte annehmen, daß sich Ersteller von OFB sich wie verrückt über derartige Hinweise freuen, wenn sie höflich formuliert, anständig begründet und mit Quellen gefüttert sind. Aber das ist leider ein Irrtum. Mitunter werden die Fehler behoben, aber oftmals kommt noch nicht einmal eine Reaktion. In der Folge schreiben viele Forscher, die den bequemen Weg bevorzugen und nicht so gerne Originalquellen lesen, diesen Fehler ab.
Fazit: OFB können lediglich eine Unterstützung der quellenbasierten Arbeit darstellen. Mir persönlich wäre es zu unsicher, sich zu 100 Prozent auf sie zu verlassen. Ich würde jede Angabe am Original nachprüfen.
Viele Grüße
consanguineus
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Zitat von Andre_J Beitrag anzeigen
Stimmt schon, aber auch hinter Kirchenbüchern und Standesamtsregistern stehen ebenso Menschen, die damals genausogut Fehler gemacht haben. Man muß sich halt seine eigene Meinung zu den vorliegenden Daten bilden.
Da gebe ich dir voll und ganz recht.
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Zitat von Sedulus Beitrag anzeigenHallo Christine,
ich sag es mal so, ein OFB ist kein Garant auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Da steht immer noch das Individuum Mensch dahinter und Menschen machen eben Fehler,
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Hallo Christine,
ich sag es mal so, ein OFB ist kein Garant auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Da steht immer noch das Individuum Mensch dahinter und Menschen machen eben Fehler, siehe auch die im Internet bei diversen Anbietern stehenden Stammbäume.
Ich würde eh jeder, jedem ans Herz legen, wenn man weiß was man denn für eine Art Ahnenforschung betreiben möchte, sich selbst ein OFB anzulegen.
Gerade bei der Familienforschung welche doch sehr in die Breite gehen kann, kann dies von Nutzen sein, da es von Ort zu Ort immer mal wieder Überschneidungen bei den Familien gibt und da fängt man dann wieder bei 0 an.
Gerade wenn man vielleicht neue Hinweise bekommt, wo man eventuell eine oder zwei Generationen noch zurückkommt, ist dass dann sehr ärgerlich, wenn man erneut das KB durchkämmen darf. Ich weiß wovon ich rede.
Schöne Grüße
Peter
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Diese Diskussion hier ist zwar schon etwas älter, aber gerade sehr hilfreich für mich. Ich habe erst vor kurzem begonnen mit der Ahnenforschung. Auch bin ich sehr interessiert an Seitenlinien.
Mittlerweile habe ich ich eine Datenbank angelegt und versuche, die mir bekannten Daten aus Ahnentafeln zu verifizieren. Nun bin ich auch über die Ortsfamilienbücher gestolpert und dachte schon, au fein, verlässliche Abschriften aus Kirchenbüchern. Aber Hilfe! Schon in der Generation meiner Großmutter stimmt vieles nicht. Und da geht es nicht um ein paar Zahlendreher, sondern gleich um noch nie gehörte Geschwister, fehlende Geschwister etc. Darüber wurde in der Familie so viel überliefert, dass ich das gut beurteilen kann.
Diese Daten werde ich definitiv nur gut erkennbar markiert in meine Datenbank übernehmen. Und um sie zu verifizieren muss ich dann wohl doch mal eine Reise zum Archiv antreten, da leider noch keine Digitalisate vorliegen. Die Daten, die ich gerade bearbeite, stammen aus Hessen, wo schon viel digitalisiert wurde, nur leider nicht aus den relevanten Orten.
VG Christine
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Zitat von Malte55 Beitrag anzeigenMoin,
was gibt es da zu weinen? Schlimmer wäre doch wenn beide OFB identisch wären und du hättest darauf vertraut!
Im besagten OFB gibts es auch so viele Fehler, daher bin ich froh, dass ich immer Daten in den KB's abgleiche
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Guten Morgen zusammen,
Angaben aus Ortsfamilienbüchern habe ich übernommen, aber stets als nicht überprüft gekennzeichnet, solange ich sie nicht am Original verifiziert hatte.
Wie bereits gesagt wurde: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Das gilt ebenso für Originalquellen, wenn sie zweifelhafte Angaben enthalten. Alle sind nur von Menschen gemacht, und Menschen machen nun mal auch Fehler.
Es grüßt der Alte Mansfelder
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Moin,
was gibt es da zu weinen? Schlimmer wäre doch wenn beide OFB identisch wären und du hättest darauf vertraut!
Für eines meiner OFB habe ich etwa 5 Personen in anderen Kirchenbüchern ausmachen können die mit >gebürtig aus< bezeichnet wurden. Auf Anhieb konnte ich fast keinen finden, 2 bleiben weiterhin erstmal fraglich.
Und der Hit war die in deren Sterbeurkunde ihr Vater genannt wurde und auch alle 3 Ehemänner. In der fraglichen Zeit und mit dem 1. Namen(Vater) aus der Sterbeurkunde, nichts zu finden. Bei der Heirat mit dem 3. Ehemann erscheint sie mit dem 2. Namen(Stiefvater), bei 1. und 2. Heirat erscheint als Zugabe ein 3. Name(Alias). Aber alles zusammengefaßt und überpüft ist sie tatsächlich dort geboren, nur eben unter dem 4. Namen(Mutter).
Aber was ich damit sagen will, nicht immer erscheint die gesuchte Person unter dem Namen den man annimmt.
LG Malte
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ich könnte grade weinen, denn mir liegen 2 OFB vor.
In dem OFB des Sterbeortes meines Ahnes steht bei Geburt ca*1748
und der Geburtsort, den ich auch in anderen Einträgen bereits gelesen habe.
Nun habe ich das OFB des Geburtsortes vorliegen, in großer Hoffnung, weiter zukommen und hier steht nun ein komplett anderes Geburtsjahr - *1721 - somit wäre er bei seinem Tode 92 Jahre gewesen
Seine Eltern sind nur kurz erwähnt, er war wohl mit 9 Jahren bereits Vollwaise.
Mehr ist über ihn im Buch nicht zu finden. Das Sterbedatum seiner Mutter ist notiert, von seinem Vater weiß ich nur ca-Daten, daher geh ich davon aus, dass dieser nicht in entsprechenden Ort gestorben ist.
Insofern kann ich nur raten immer alles doppelt zu checken. ich geh jetzt beide Kirchenbücher nach meinem Ahnen absuchen
Viel weiter werde ich leider auch nicht kommen, da ich weder weiß, wie seine Mutter mit Nachnamen hiess, noch, woher sein Vater stammte
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Gut, so viele verschiedene Meinungen zu hören. Vielen Dank!
Ich finde auch, dass man alles sammeln sollte, was man finden kann, diese Informationen dann aber auch entsprechend kennzeichnen und auf jeden Fall überprüfen sollte. Ich habe mir als Quellenverzeichnis ein Word-Dokument angelegt, in dem ich zu jeder Person in einer Tabelle alle bekannten Daten aufliste und hinter jeder Information die jeweilige Quelle eintrage.
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Zitat von Friedrich Beitrag anzeigen......
OSBs und vergleichbare Ortschroniken taugen für mich nur als Arbeitsgrundlage.....Friedrich
Genau so sehe ich das auch. Denn ohne diese Hilfen (und nebenbei ohne das Internet) wäre unser tolles Hobby weiterhin eine Sache für Rentner mit ausreichend Mitteln geblieben.
Rentner meint alle die genügend Zeit haben, z.B. für ausufernde Korrespondenz und für häufig auch erfolglose Archivfahrten.
Mittel: das kostet ganz schön was, besonders eine 100e von km weite Reise in ein Archiv, ggf. mit Übernachtung und am Ende findet man nichts passendes.
Es spart Zeit und Geld Sekundärquellen zu nutzen. Ich überprüfe dann jeden Schritt selber,soweit ich an die Kirchenbücher komme, oder im Archiv geeignete zeitgenössische Originalquellen finde.
Ich übernehme auch sehr oft Daten, die ich in OFBs u.ä. finde, markiere die Daten dann aber in meiner Ahnensoftware so, dass sie noch überprüft werden müssen. Wenn ich dann ein KB durchsuche, sei es im Archiv, bei Ancestry oder bei Archion, dann filtere ich meine Liste nach den Begriffen "prüfen" oder "suchen" und arbeite die verbleibende Liste ab.
Ich gehöre trotz jahrelanger Erfahrung nicht zu denen, die sich einbilden, alles besser oder richtiger zu machen als andere. (Manches allerdings schon)
Grüße
Gisela
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