Bucherwerb mit Vorbesitz: KZ-Opfer

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  • Fabian Peise
    Benutzer
    • 25.04.2022
    • 79

    Bucherwerb mit Vorbesitz: KZ-Opfer

    Ich habe mir ein Buch im Antiquariat gekauft. Ein Babylonischer Talmud von 1834. Als ich den Namenseintrag eines Vorbesitzers recherchiere, trifft mich der Schlag: es war ein gewisser Felix Lieben, *26.03.1923 aus Prag, der 1941 nach Theresienstadt und 1944 nach Auschwitz deportiert wurde, und dort auch ermordet wurde.
    Das ist schon recht schauerlich. Habent sua fata libelli.
    Wie würdet ihr da reagieren?
    Zuletzt geändert von Fabian Peise; 22.02.2024, 17:39. Grund: Tippfehler
    Liebe Grüße,

    Fabian
  • MaJaLu
    Erfahrener Benutzer
    • 20.04.2014
    • 145

    #2
    Lieber Fabian,
    dass ist sensationell, sowie traurig und berührend zugleich. In den Arolsen Archives findest Du ihn. Es gibt dort ein weiteres Dokument, welches nicht online einsehbar ist, ein sogenannter Such und Bescheinigungsvorgang. Vielleicht schreibst Du die Arolsen Archives an, schilderst Deinen Fall und fragst, ob es eventuell Familienangehörige gibt, und dann schaust Du weiter. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man bei den Arolsen Archives großes Interesse an diesem „Schicksalsbuch“ hat.
    Sei herzlich gegrüßt
    Andrea

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    • Fabian Peise
      Benutzer
      • 25.04.2022
      • 79

      #3
      Danke Andrea,
      das ist schonmal ein großartiger Tipp. Bist Du in den Arolsen-Archiven Insider, dass Du Dokumente einsehen kannst die nicht online sind? Ich habe die Transportkarte gefunden, und die Informationen sind identisch mit dieser Quelle: https://www.holocaust.cz/de/transpor...hwitz/page/28/
      Nachkommen von Felix wird es sicherlich nicht geben, er war ja noch so jung als er zunächst nach Theresienstadt kam. Aber wissen kann man das natürlich nicht. Wenn ich denke, dass ich einer der Verwandten wäre, und ihn als Großonkel o. Ä. einordnen könnte, dann wäre ich brennend interessiert an solchen persönlichen Nachlässen. Daher werde ich Deinem Vorschlag wohl nachkommen, und die Arolser informieren. Wie interessiert die dann sein mögen, und ob die Archivmitarbeiter sich dafür Zeit nehmen wollen, liegt dann in ihren Händen.

      PS: Habe mein inquiry form bereits ausgefüllt, nun heißt es abwarten
      Zuletzt geändert von Fabian Peise; 22.02.2024, 17:41. Grund: Postscriptum ergänzt
      Liebe Grüße,

      Fabian

      Kommentar

      • Svenja
        Erfahrener Benutzer
        • 07.01.2007
        • 4460

        #4
        Hallo

        Es gibt ein Projekt wo nach jüdischen Vorbesitzern von geraubten Büchern gesucht wird, aber ich glaube, da geht es nur um Bücher aus der Sammlung der Zentral- und Landesbibliothek Berlin.

        In den Beständen der ZLB befinden sich Bücher, die ihren rechtmäßigen Eigentümer*innen während der NS-Herrschaft entzogen wurden.


        Andreas Tipp mit den Arolsen Archives ist aber auch sehr gut, denn die suchen ja auch nach den Nachfahren der Besitzer von Gegenständen, die bei ihnen aufbewahrt werden.

        Auch wenn Felix selber keine Nachkommen gehabt haben sollte, könnte es evtl. Nachfahren seiner Geschwister geben. Evtl. könnte man das selber herausfinden, wenn man etwas weiter in diversen Datenbanken und Archiven forscht.

        Gruss
        Svenja
        Meine Website über meine Vorfahren inkl. Linkliste:
        https://iten-genealogie.jimdofree.com/

        Interessengemeinschaft Oberbayern http://forum.ahnenforschung.net/group.php?groupid=38

        Interessengemeinschat Unterfranken http://forum.ahnenforschung.net/group.php?groupid=37

        Interessengemeinschaft Sudetendeutsche http://forum.ahnenforschung.net/group.php?groupid=73

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        • Juergen
          Erfahrener Benutzer
          • 18.01.2007
          • 6070

          #5
          Hallo Fabian,

          eventuell war ein Gustav LIEBEN geb. 1888 in Prag mit dem 1923 geborenen Felix L. verwandt,

          Der hier: Gustav LIEBEN, Geboren 09. 09. 1888
          Letzte Wohnadresse vor Deportation: Prag V
          Adresse/Ort der Registrierung im Protektorat: Prag V, Filipa de Monte 7
          Transport Ck, nr. 576 (22. 12. 1942, Prag -> Theresienstadt)
          Transport Em, nr. 548 (01. 10. 1944, Theresienstadt -> Auschwitz)
          Ermordet.

          Dieser hatte laut Meldekartei 1914? Geschwister,

          unter anderen einen Salomon geb. 1884, welcher in Dachau verstarb. Dokumente zu diesem sind als Scans online.
          Eltern: Gabriel LIEBEN und Ernestine geb. JEITELES.

          Ein weiterer Bruder des GUSTAV LIEBEN


          Ob der Gustav LIEBEN als Vater des Felix in Betracht kommt, wohl etwas alt, aber die waren beide
          zuletzt Prag V, Filipa de Monte 7 gemeldet. Ob das die Lageradresse oder Ziviladresse war, weiß ich nicht.

          Grüße Juergen
          Zuletzt geändert von Juergen; 22.02.2024, 18:37.

          Kommentar

          • Svenja
            Erfahrener Benutzer
            • 07.01.2007
            • 4460

            #6
            Hallo

            Es gibt bei Yad Vashem zwei Gedenkblätter, wohl beide von derselben Person aufgegeben, einem Max Mordechai Livni (Lieben), der wohl ein Cousin von Felix war und in Kiriat Tivon in Israel lebt(e). Da werden als Eltern von Felix Lieben, geb. 26.03.1923 in Prag, ein Gustav Lieben und eine Julia Rosenbaum benannt.

            Derselbe Mordechai Livni hat auch Gedenkblätter zu Gustav Lieben und Salomon Lieben aufgegeben. Allerdings nicht zu Salomon Lieben geb. 1884 sondern zu Salomon Lieben geb. 1881.

            Im Gedenkblatt zu Gustav Lieben, geboren 09.09.1888 werden erwähnt: seine Frau Julia Rosenbaum, sein Vater Gabriel Lieben, seine Mutter Ernestine Jeiteles. Mordechai bezeichnet sich hier als Neffe von Gustav.

            Gruss
            Svenja
            Zuletzt geändert von Svenja; 22.02.2024, 18:46.
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            • Gast

              #7
              Hallo Jürgen,

              ich habe auch mal angefangen:

              Gabriel Lieben, * 25.8.1853 Prag, + 12.9.1917 Prag, oo Ernestine Jeiteles, * 26.6.1864 Prag
              Kinder:

              _ Salomon Lieben, * 7.6.1884 Prag, 1917: Dr. med (1907), Oberarzt, oo Auguste Rosenbach

              _ Eugen Lieben, * 11.6.1884 Prag, 1917: Prof. Dr.

              _ Gustav Lieben, * 9.9.1888 Prag, 1917: Leutnant, oo~1921 Julia Rosenbaum aus Bratislava
              Kinder:

              __ Felix Lieben, * 26.3.1923 Prag

              _ Rosa Lieben, * 11.11.1891 Prag

              Grüße,
              Peter.
              Zuletzt geändert von Gast; 22.02.2024, 23:26.

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              • Juergen
                Erfahrener Benutzer
                • 18.01.2007
                • 6070

                #8
                Hallo allerseits,

                im Adressbuch Praha 1938
                Alle Personen mit FN LIEBEN;
                --> https://www.digitalniknihovna.cz/mlp...2-000d606f5dc6
                ua. GUSTAV u. Julie wohnhaft Maiselova 7, Felix wird noch zu Hause gewohnt haben.

                Julie LIEBEN(ow) geb. 1900 ebenfalls Transport 1944 nach Auschwitz, zuvor Maiselova 7 wohnhaft.

                Grüße Juergen
                Zuletzt geändert von Juergen; 22.02.2024, 19:13.

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                • Fabian Peise
                  Benutzer
                  • 25.04.2022
                  • 79

                  #9
                  Ihr seid ja eine tolle Gemeinschaft von Forschern. Innerhalb weniger Minuten hat der Namenseintrag in dem Buch einen Stammbaum bekommen und eine reiche seitliche Verwandtschaft, die samt und sonders ausgelöscht wurde. Einzig der Überlebende Vetter Max Mordechai hat auf der Seite von Yad Vaschem eine Reihe von Fotos hinterlassen, ist selbst sogar im Video zu sehen. Er war verheiratet, und sicherlich hat er auch lebende Nachkommen. Da kommen wir natürlich wieder in den Zeitraum des Datenschutzes.
                  Aber immerhin, das ist weitaus mehr als ich erwartet hätte, das man herausfinden könnte.


                  Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=pmwhLqoG98I
                  Zuletzt geändert von Fabian Peise; 22.02.2024, 20:04. Grund: Link ergänzt
                  Liebe Grüße,

                  Fabian

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                  • Svenja
                    Erfahrener Benutzer
                    • 07.01.2007
                    • 4460

                    #10
                    Hallo

                    Ich habe mir das Video angeschaut, ich glaube u. a. spricht er hiervon (Minute 2:00 - 4:00)



                    Gruss
                    Svenja
                    Meine Website über meine Vorfahren inkl. Linkliste:
                    https://iten-genealogie.jimdofree.com/

                    Interessengemeinschaft Oberbayern http://forum.ahnenforschung.net/group.php?groupid=38

                    Interessengemeinschat Unterfranken http://forum.ahnenforschung.net/group.php?groupid=37

                    Interessengemeinschaft Sudetendeutsche http://forum.ahnenforschung.net/group.php?groupid=73

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                    • russenmaedchen
                      Erfahrener Benutzer
                      • 01.08.2010
                      • 1711

                      #11
                      Hallo Fabian,
                      Du könntest hier Kontakt aufnehmen
                      Viele Grüße
                      russenmädchen






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                      • Gast

                        #12
                        Zitat von russenmaedchen Beitrag anzeigen
                        Hallo Fabian,
                        Du könntest hier Kontakt aufnehmen
                        https://www.geni.com/people/Jan-Loms...00010503025541
                        Nein, ist der falsche. Der war Geschichtslehrer. Der andere - der richtige - Samuel Lieben war Arzt.

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                        • Fabian Peise
                          Benutzer
                          • 25.04.2022
                          • 79

                          #13
                          vielen Dank, die Einträge bei Geni habe ich inzwischen auch gefunden. Wenn man sich durch die Familie rauf und runter klickt, trifft man auf verschiedene Einsender. Sie alle haben irgendeinen Bezug zu der Familie, und auch der Einsender, der nicht so nah an der Zielperson Felix Lieben ist (der übrigens ausgespart wurde), ist für mich erstmal potentieller Ansprechpartner.
                          Momentan bin ich bei Geni nicht angemeldet, und so kann es auch bei den Einstellern der Daten sein. Nicht alle werden daher meine PN auch erhalten. Darum fahre ich gern mehrgleisig und schreibe die in Frage kommenden Einsteller alle an, auf gut Glück.
                          Liebe Grüße,

                          Fabian

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                          • Juergen
                            Erfahrener Benutzer
                            • 18.01.2007
                            • 6070

                            #14
                            Nur zum Nebenzweig, bzw. wohl dem Onkel von Felix LIEBEN, Dr. med. Salomon LIEBEN.
                            Der hat sich laut Zeitung 1912 mit einem Frl. Dr. phil. Zippora SCHIFFER in Karsruhe (Baden) verheiratet.
                            Praga Nachrichten: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/a...search&seite=4

                            Ob die Kinder hatten, weiß ich nicht. Sie wurde auch deportiert, wie ihr Mann.
                            Vielleicht ist diese Familie auch bei geni.com erfasst.

                            Edit: ist vorhanden Dr. Tzippora Lieben (Schiffer)


                            Wer weiß, wie das religiöse Buch in ein Antiquariat gelang.
                            Bei der Plünderung der Wohnung oder er hat es in Auschwitz dabei gehabt.

                            Grüße Juergen
                            Zuletzt geändert von Juergen; 23.02.2024, 19:24.

                            Kommentar

                            • sternap
                              Erfahrener Benutzer
                              • 25.04.2011
                              • 4072

                              #15
                              einerseits ist es der talmud diser familie, andererseits wird er exemplarich sein für die heiligen bücher in vielen jüdischen familien aus der gedenkstätte.
                              es rührt mich die vorstellung, das buch könnte platz in der ausstellung finden, sodass nachkommen generell eine vorstellung davon bekommen, wie es in ihrer familie ausgesehen haben mag.


                              ich fuhr mit einer ähnlichen geschichte bösest ein.
                              es gelang mir, ein aquarell eines architekten fritz epstein zu erwerben. als ich merkte, dass der maler jude war und es für ihn in frankfurt einen stolperstein gab, versuchte ich das bild in die familie rückzuführen, 100 jahre nach der geburt des künstlers.

                              statt freude darüber oder dankbarkeit, erhielt ich ausschließlich böse worte, unterstellungen und gemeinheiten, man attestierte mir sozusagen, ein böser hassenswerter nazi zu sein.
                              monate später gab es noch kein interesse am gemalten bild, das ich ja auf meine kosten erworben und verschickte.

                              mein fehler war, dass ich auf mein bauchgefühl nicht hörte.
                              ich hatte den wunsch verspürt, das ganze unbedingt offiziell über die israelitische kultusgemeinde laufen zu lassen und das bild dort zu hinterlegen, was die angehörige empört ablehnte.
                              später verstand ich warum, all die bösen worte gegen mich hätte es dann nicht geben können.
                              Zuletzt geändert von sternap; 23.02.2024, 20:35.
                              freundliche grüße
                              sternap
                              ich schreibe weder aus missachtung noch aus mutwillen klein, sondern aus triftigem mangel.
                              wer weitere rechtfertigung fordert, kann mich anschreiben. auf der duellwiese erscheine ich jedoch nicht.




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