Zur Abschreckung für fremdgehende Pastorentöchter
Und hier ein wirklich heftiger Fall aus dem KB Vöhl von 1631. Zur Info: Der Vater war der amtierende Pfarrer Rapp[ius].
Zunächst der Eintrag aus einer Pfarrerliste zu Beginn des Buches:
In Anno p. 1631 den 5ten Februarij des Abends zwischen 9 und 10 Uhren, ist obg[enannter] Herr Rapp[ius] mit seiner Hausfr[au] auß Jost Bocks Haus zu Voehl kommen, da seiner Schwester Gerdraudt Weinkauf in sein Haus gehalten, und alß g[enannter] Pfarrer heimkommen hat er einen jungen Gesellen bey seiner Tochter Regina im Bette gefunden wie er sagt, und nach demselben mit einem Messer gestochen und seiner Tochter das Herz im Bett abgestochen, daß sie alsbald gestorben. Und deswegen der Pfarrer die Nacht ausgewichen und flüchtig worden und vom Dienst kommen, hat sich demnach zu Cassel vor einen Soldaten annehmen lassen u. eine zeitlang eine Musquet getragen.
Im eigentlichen Beerdigungsregister zu Regina Rappius steht dazu folgendes:
... Des Abends zwischen 9 und 10 Uhren in ihrem Bette, in die Brust ubers Hertz mit einem Messer gestochen und sie auß dem Bette geschlagen, das sie in der Todtesnacht auß dem Hausse bey Johann Volmars Scheure gelauffen u. Hülff geruffen, der sich als sie im Wege nidergesunken, neben andern, in seine Stube getragen, darin sie uber ein Viertel Stunde gelegen und gestorben. Und hat der Pfarrh[err] ihr Vater gesagt, er hätte einen jungen Gesellen bey ihr im Bette funden, nachdem er hätte gestochen und sie getroffen.
Wie muß ich den letzten Satz verstehen? Hat er zugestochen, sie getroffen und erst dann gemerkt, daß da der Geliebte lag?
Oder war da kein Geliebter, und der Pfarrer durch Alkoholgenuß so enthemmt, daß er die Tochter, die vielleicht bei anderer Gelegenheit schon mal "auf ein Stößchen geplaudert hat", loswerden wollte?
Ein Fall für die Kriminalisten!
Watson, hol schon mal den Wagen, und Harry, übernehmen Sie!
Friedrich
Seltsame Todesursachen und "interessante" Sterbefälle
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Wau, mit 80 Jahren noch auf einen Kirchbaum klettern
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Moin zusammen,
zur Abwechslung mal ein Tod, der nicht gewaltsam erfolgte:
Auis dem KB Vöhl (Tod Merten Dieterich): ... Ist 80 Jahr alt gewesen, und ist den 2ten July an welchem war das Fest der Heimsuchung Mariae auff einen Kirschenbaum gestiegen, und ist ein Ast unter ihm gebrochen das er gefallen, und nur eine Stunde gelebet, und gestorben. ...
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Moin zusammen,
es wird wieder scharf geschossen:
Beerdigung am 16. Januar 1674 in Berleburg:
Johann Rötger Hartenroth, junger Gesell, ist, da er außm Hessenland zurückkommend, zwischen Elsoff und Berlenburg, obig dem Gebach, von einem gottlosen Buben und Soldaten, mit 5., einem großen, und 4 kleinen Kugelen, zu seinem Rück hinein geschoßen, worauf er alsobald nidergefallen, zu Gott geseuffzet, Herr meinen Geist befehl ich dir, mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir, etc.: Und anderthalb Stunde hernach, beyseins Mannus Baltens, Bürgers alhir uf der Struht, seinen Geist aufgegeben, mit höchster, herztlicher Betrübniß, als eines eintzigen, frommen, fleißigen und wolgerathenen Sohns, seiner Elteren, Geschwistern, Freund u. Zuwanten [?].
FriedrichEinen Kommentar schreiben:
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Hallo,
keine Ahnung, die Totenbücher der Pfarrei Friedrichshütte sind leider noch nicht online.
Auch in der Pfarrei Alt Tarnowitz nebenan lässt sich keine Epidemie erkennen.
LG,
WeltenwandererEinen Kommentar schreiben:
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Hallo Weltenwanderer,
was hat der Pfarrer denn als Todesursache angegeben?Einen Kommentar schreiben:
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Hallo,
im Standesamt Piassetzna Kreis Tarnowitz bin ich eben über eine Todesserie 1893 gestolpert, die eine halbe Familie dahingerafft hat:
Nummer | Todesdatum | Alter | Name
55 | 14.05.1893 | 7,5J | Ignaz LYSCHIK
56 | 15.05.1893 | 9J8M | Agnes LYSCHIK
57 | 16.05.1893 | 17J11M | Anna LYSCHIK
58 | 18.05.1893 | 11J10M | Albina LYSCHIK
Epidemien sind mir zwar schon früher untergekommen, aber nicht so viele Todesfälle aus derselben Familie in Folge.
Eltern waren der Johann LYSCHIK und die Karoline geb. SZCZYGIOL aus Rybna Kreis Tarnowitz.
LG,
WeltenwandererEinen Kommentar schreiben:
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Hallo,
gerade gesehen KB Erfurt 1839
Dort stirbt ein 1 Jahr 2 Monate alter Junge; Todesursache "böses Wesen"
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Hat man, zumindest hab ich gerade so einen Eintrag gelesen.
Da waren innerhalb von 2 Tagen 3 Geschwister an den Blattern verstorben.
Der Pfarrer hat extra vermerkt, daß das zuletzt gestorbene Kind mit extra eingeholter Erlaubnis vorzeitig bestattet wurde, weil die Eltern alle 3 in einem Sarg bestatten wollten.
Grüße aus OWLEinen Kommentar schreiben:
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Ich denke, das Trauerjahr ist etwas neueres, bürgerliches. In unserer Gegend wurde nach sechs Monaten wieder geheiratet.
Mit besten Grüßen
WolfgangEinen Kommentar schreiben:
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Moin Araminta,
im Prinzip stimmt es, daß wegen unversorgter Kinder schnell wieder geheiratet wurde. Hier allerdings waren noch keine Kinder da.
FriedrichEinen Kommentar schreiben:
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Heute sagt man: "nicht mit dem Leben vereinbar"
In meiner Jugend hieß es immer, man hält ein Trauerjahr ein. Also nur schwarze Kleidung, keine Feste usw. eine alte Dame hatte nach dem Tod ihres Mannes sogar ihr Fahrrad schwarz angemalt.
In früheren Jahrzehnten oder Jahrhunderten konnte man sich ein Trauerjahr nicht "leisten". Da wurde sofort erneut geheiratet um sich und die Kinder zu versorgen.
Jedenfalls wissen wir jetzt auch, woher die strengen, deutschen Waffengesetze kommen
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