Umgang mit unehelichen Nachkommen des Hochadels im Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert

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  • ForschungHAAnschluss
    Neuer Benutzer
    • 28.04.2024
    • 3

    Umgang mit unehelichen Nachkommen des Hochadels im Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert

    Hallo Zusammen,

    für eine entsprechende Familienforschungen, interessiere ich mich dafür, wie der deutsche Hochadel (z.B. Königshäuser / Grossherzogshäuser und die Hohenzollern selbst) mit unehelichen Kindern aus Techtelmechteln mit der einfachen Landbevölkerung oder untergeordneten Bediensteten umgegangen ist. Es geht mir dabei explizit um die Endphase der Monarchie also ungefähr 1890-1918.
    Interesserant sind für mich im Moment folgende Punkte:
    • Wurden hochadelige Väter unehelicher Kinder in den üblichen Akten genannt. Z.B.
      • Geburtskunden / Standesamt
      • Paralell noch geführte Kirchenbücher
      • Vormundschaftsakten
      • Oder wurden die wahren Väter solche Fällen in den Akten verschwiegen?
      • Wurde sogar aktiv vertuscht?
    • Zahlten die Herrscherhäuser
      • Unterhalt für uneheliche Kinder mit Frauen aus einfachen sozialen Verhältnissen
      • Gab es gar "Entschädigungen" oder andere Zahlungen für die Mütter?
    • Gibt es weitere Suchansätze ausser DNA mit denen man die These einer unehelichen Abstammung einer Person vom Hochadel belegen könnte?
    Viele Grüße
    Hans
  • sonjavi
    Erfahrener Benutzer
    • 30.08.2016
    • 301

    #2
    Hallo Hans,

    hier vielleicht ein Ansatz weiterzuforschen:
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    Viele Grüße
    Sonja
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    • gki
      Erfahrener Benutzer
      • 18.01.2012
      • 4866

      #3
      Vermutlich gab es mehr behauptete als tatsächliche derartige Nachkommen.
      Gruß
      gki

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      • Geschichtensucher
        Erfahrener Benutzer
        • 03.09.2021
        • 753

        #4
        Guten Abend, ist ein Graf schon Hochadel? Wie auch immer, ein Beispiel aus einem Seitenarm meines Stammbaums: 1887 bekommt die Frau eines Dieners des Grafen Schaffgotsch im Riesengebirge ein Kind von dem Herren. Im Geburtseintrag ist der gehörnte Ehemann noch als herrschaftlicher Diener bezeichnet, wenige Jahre später stirbt er als "Privatier". - Andere als die vermutete finanzielle "Entschädigung" gab es nicht, das Mädchen wuchs normal in ihrer Familie auf.
        Beste Grüße, Iris

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        • gki
          Erfahrener Benutzer
          • 18.01.2012
          • 4866

          #5
          Da wäre dann meine Frage: Woher weiß man denn, daß das Kind vom Grafen war, wenn es im Geburtseintrag nicht drinsteht? "Privatier" war ein zeittypischer Begriff für jemanden, der nicht mehr arbeitete. zB auch einen Bauern, der seinen Hof übergeben hatte.
          Gruß
          gki

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          • Geschichtensucher
            Erfahrener Benutzer
            • 03.09.2021
            • 753

            #6
            Für jemanden, der irgendwie "auch so" Geld hatte und es sich nicht bis zum Tode noch verdienen musste. Oder eben seinen Besitz zu Geld gemacht hatte. - In diesem Fall wurde das der Tochter erzählt. Bewiesen ist es damit natürlich nicht, aber die Geschichte war stimmig für sie.
            Beste Grüße, Iris

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            • Hracholusky
              Moderator
              • 17.03.2016
              • 934

              #7
              Hallo,

              ich habe jetzt lediglich einen Fall aus dem 17.Jh. aus Böhmen. Johann Marquart Hřebenář von Harrach hatte mit Martha Grossmüller 11 uneheliche Kinder. Diese wurden 1656 durch den Hofpfalzgrafen mit kleinem Palatinat Andreas von Volkshofen, Doktor der Medizin in Neu-Hradek, legitimiert und es wurde ihnen erlaubt sich "Řebenář von Mühlsteinberg" zu schreiben. Das ist kein Adelstitel und ein Wappen wurde dabei auch nicht verliehen. Der Sohn eines dieser Kinder, Johann Anton Ignaz Josef, wurde am 19. November 1737 mit Namensänderung in Sebenář mit dem Prädikat "von Herrenfels" in den böhmischen Adelsstand erhoben.
              Mit besten Grüssen
              Gerd

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              • ForschungHAAnschluss
                Neuer Benutzer
                • 28.04.2024
                • 3

                #8
                Hallo Zusammen,

                Sonja Vielen Dank für den Hinweis! Ich habe irgendwann mal in einem Podcast ein Interview mit einem Mitarbeiter des Adelsforschungsinsitituts gehört. Allerdings zu einem anderen Thema. Vielleicht versuche ich es mal mit einem Direktkontakt.

                Geschichtensucher auch Dir vielen Dank! Was in dieser Zeit bedeutete in dieser als Privatier zu leben, kann ich nicht beurteilen. Bei meinem Ahnen steht allerdings fast immer der Beruf, der das ganze Leben ausgeübt wurde. Egal wie lukrativ oder ärmlich. Einmal Taglöhner immer Taglöhner. Einmal Wirt immer Wirt. Je nachdem.

                gki Du hast zwar recht. Allerdings ist das ein wenig unnütz. Es gibt genügend historische Belege, dass der Adel auch der Zeit 1850-1918 viele Skandale hatte, vielleicht sogar noch mehr als heute. Da die wohl nicht alle Zeugungsunfähig waren, muss es da auch "Ergebnisse" gegeben haben. Allerdings macht man garantiert mit der Zeit einen Fehler, wenn man alle Vermutungen ins Reich der Phantasie verweist. Selbst dann wenn die Mehrheit der entsprechenden Vermutungen sich als falsch erweisst.

                Beispiele für die Skandale:
                • "Miss Love"
                • In der Literatur z.B. Eine feine Gesellschaft von Martina Winkelhofer
                Im übrigen frage ich gerade deswegen danach, wenn es gewisse "Standardprozeduren" gab, dann kann man ja vielleicht vieles Ausschliessen. Der Reptilienfond wurde der Geschichtsschreibung nach für die Presse aufgemacht. Aber für Miss Love hat sich auch ein Kässchen gefunden. Musste Sie dafür unterschreiben, überall Stilschweigen zu bewahren? So wie es heute in der Politik für sowas gelegentlich auch Schweigegelder gibt?

                @Gerd: Das klingt nach inoffizieller Familie. Fast schon eine eigene Kategorie.

                Viele Grüße
                Hans

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                • gki
                  Erfahrener Benutzer
                  • 18.01.2012
                  • 4866

                  #9
                  Hallo Hans,

                  ich bestreite gar nicht, daß es solche Vorkommnisse gab. Aber in der Ahnenforschung geht es eben um Nachweis, nicht nur um theoretische Möglichkeit.

                  Ich kenne eine Frau, die glaubt, sie stamme von den Wittelsbachern ab. Ihr Vorfahr war auch nachweislich Gärtner/Gartenarchitekt bei denen. Es soll wohl auch sein Grab noch von den Wittelsbachern "betreut" werden, Details dazu habe ich keine.

                  Ich habe mir mal den Taufeintrag des Vorfahren rausgesucht. Er war vorehelich geboren, d.h. der im Eintrag angegebene Vater - ein Arbeiter im Schloßpark - heiratete die Mutter ein paar Jahre später.

                  Für mich ist das damit eine Familienlegende. Es kann natürlich sein, daß sich im Wittelsbacher Familienarchiv noch Details etwa über Zahlungen an die Eltern finden ließen. Ich glaube das aber nicht, denn dann wäre die Hochzeit sicher früher gewesen. Das ganze war um 1830.

                  Ein anderes, früheres, Beispiel, das zufällig auch die Wittelsbacher betrifft: Der bekannte Architekt Francois de Cuivillies (https://de.wikipedia.org/wiki/François_de_Cuvilliés_der_Ältere ) wird von irgendwem, der ein Buch dazu verfaßt hat, für einen illegitimen Sohn eines Wittelsbachers gehalten. Beweise? Eigentlich keine, bis auf die Tatsache, daß er von den Wittelsbachern gefördert wurde. Er war das sechste von zehn Kindern einer Webersfrau...

                  Und, um auf Deine eigentliche Frage zurückzukommen: Nein, ich glaube nicht, daß es da ein Standardverfahren gab.
                  Gruß
                  gki

                  Kommentar

                  • Alain
                    Benutzer
                    • 01.04.2022
                    • 47

                    #10
                    Max Kolb, der Vater der einmal sehr bekannten Schriftstellerin Annette Kolb:



                    Das ist mal eine Story, die stimmen könnte. 99 andere sind dafür dann wieder Mumpitz.

                    Kommentar

                    • gki
                      Erfahrener Benutzer
                      • 18.01.2012
                      • 4866

                      #11
                      Der Kandidat hat 99 Punkte! Und ganz ehrlich: Als Vorfahr macht der mehr her als die meisten Wittelsbacher.
                      Gruß
                      gki

                      Kommentar

                      • gki
                        Erfahrener Benutzer
                        • 18.01.2012
                        • 4866

                        #12
                        Hier findet sich unten rechts der Taufeintrag:




                        Im Unterschied zum Wikipedia-Artikel, steht da nicht, daß die Mutter Kammerzofe gewesen sei. Es ist allerdings gut möglich, da ja die Königin aus Sachsen-Hildburghausen kam. Etwas wesentlicher könnte sein, daß das Kind Konrad getauft wurde. In Pöcking stehen noch drei Kolb-Taufen im Buch, bei zweien stimmt die Angabe bzgl. der herzoglichen Familie als Paten.

                        Gruß
                        gki

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                        • ForschungHAAnschluss
                          Neuer Benutzer
                          • 28.04.2024
                          • 3

                          #13
                          Hallo Alain, Hallo GKI,

                          vielen Dank für Eure konstruktiven Beiträge.

                          Ich fasse zusammen: es gibt sehr wahrscheinlich Fälle. Gelegentlich wurde die Lösung gewählt, Kind samt Mutter einem anderen Bediensteten zuzuschustern. Im Kirchenbuch oder beim Standesamt wurde das im Normalfall aber nicht angegeben. Damit ist Beweisbarkeit sehr schwierig bis gleich null.

                          @GKI: solange es nur ein Familiengerücht ist, trage ich nichts in den Stammbaum ein.

                          Viele Grüße
                          ForschungHAAnschluss

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