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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mundart


Udo Wilhelm
01.06.2006, 00:26
Hallo,

ich finde der Dialekt darf nicht verloren gehen, ganz egal welcher!

Was meint ihr dazu?

"Geben Sie Ihren Dialekt an die Kinder weiter!" (http://www.goethe.de/dll/prj/mac/spw/de1401743.htm)

Viele Güße, Udo

Marlies
01.06.2006, 10:26
Hallo Udo,

für mich gehört Dialekt und Ahnenforschung zusammen, er ist "das Salz in der Suppe" oder "das Fleisch an den Knochen".

Wie könnte sonst ich verstehen, was gemeint war, wenn die Oma wollte, das ich die Kolter holen solle oder ihr das Knippchen reichen.

Und in der anderen Linie: Muhackl stechen, Butzmandl sammeln, die bei mir noch vorhandenen alten Briefe erzählen von solchen Tätigkeiten.

Es ist eh schon so viel an Wissen verloren gegangen, (siehe meine Anfragen hier im Forum), es wäre sehr schade, wenn es keinen Dialekt mehr gäbe.

Viele Grüsse
Marlies

gudrun
01.06.2006, 12:30
Hallo,

Dialekt ist die Muttersprache, Hochdeutsch oder Schriftdeutsch ist die erste Fremdsprache, Englisch die zweite Fremdsprache.
Ich bin allerdings ein Sonderfall.
Mein Vater sprach ursprünglich das Essener Platt, da meine Mutter nur bairisch (etwas gemildert) sprach, ging er zu Hochdeutsch über.
Ich bin einmal mit meinem Vater in Essen gewesen, ich habe immer nur Bahnhof verstanden, wenn die Essener (meine Großeltern, Großtanten und -onkels, Tante und Cousinen) untereinander geredet haben.
Von meinem Vater habe ich nur einmal ein bairisches Wort gehört, gleich in Verbindung mit Hochdeutsch: hoiß heiß.
Jetzt fangen die Leute (Lehrer) ja wieder an, den Dialekt zu fördern, Gott sei Dank.

Viele Grüße
Gudrun

Udo Wilhelm
01.06.2006, 14:06
Hallo,

hier einige Links von Dialekt Wörterbücher

http://www.wochenblatt.de/woerterbuch/run.php?PHPSESSID=3878c4fbef6cedc46b747fe3b013ff01&progSID=7c08d2a729749c74b2405f4abbcb62ec

http://www.ub.uni-bielefeld.de/diglib/adelung/grammati/

http://www.bremm-mosel.de/woerterbuch/index.htm

Südtiroler Dialekt-Wörterbuch:
http://oschpele.ritten.org/

Wörterbuch Iascher (Irscher Dialekt) - Hochdeutsch:
http://www.irsch-saar.de/iascher.htm

Thüringer Mundart-Wörterbuch: Zwischen Abendbrot und Nachtsuppe:
http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/58281/

Viele Grüße, Udo

Dieudonné
01.06.2006, 23:51
Out offf topic - hier nur aus meinem "Nähkästchen" geplaudert:
Ganz verleugnen, selbst wenn man Hochdeutsch spricht, lassen sich die Wurzeln nie.
Ein Erlebnis, als damals 30-jährige, werde ich nie vergessen. Ich saß im Zug von München nach Prien. Ein älterer Herr verwickelte mich in ein Gespräch. am Ende sagte er: "Darf ich raten, woher Sie kommen?" Ich bejahte und er sagte: "Ihre Eltern kommen aus Mähren, wahrscheinlich Brünn, Sie leben in Bayern, aber woher kommt der kleine Einfluß aus Berlin?"
Meine Eltern sind aus Brünn, geboren wurde ich in Berlin (was aber kaum einen Einfluß haben konnte), seit meinem 3.Lebensjahr wuchs ich in Bayern auf und ging in München aufs Gymnysium, an dem der Großteil meiner Mitschülerinnen aus Berlin kamen (Eltern:Siemens-Ingenieure, die nach München versetzt wurden). Das erzählte ich ihm. "Hab' mir gleich so etwas gedacht, wissen Sie ich bin nämlich Sprachforscher, Schwerpunkt "Dialekt."
Mich hat das damals schwer beeindruckt und so wurde die Sprachforschung eins meiner Hobbies. Eins tut mir heute noch leid, dass ich den Kontakt nicht aufrechterhalten habe.

Es grüßt Euch aus Bayern

Erika

p.s. Im Forum Ahnenforschung Österreich hat Mireille eine Plauderecke eingerichtet, könnte man so etwas auch in diesem Forum einrichten? Leider wird diese dort nicht so häufig genutzt, was die Reaktion auf "Osterbräuche" zeigt.

Marlies
02.06.2006, 20:01
Original von Erika

p.s. Im Forum Ahnenforschung Österreich hat Mireille eine Plauderecke eingerichtet, könnte man so etwas auch in diesem Forum einrichten? Leider wird diese dort nicht so häufig genutzt, was die Reaktion auf "Osterbräuche" zeigt.

Hallo Erika,

nutzen wir doch einfach "aus dem Nähkästchen geplaudert" / "Erfahrunsaustausch" als Plauderecke :)

Es würde mich freuen, "plaudern" zu können.

Viele Grüsse
Marlies

Marlies
02.06.2006, 20:09
Original von Erika
Ganz verleugnen, selbst wenn man Hochdeutsch spricht, lassen sich die Wurzeln nie.
Hallo Erika,

stimmt: z.B. rutscht mir doch immer wieder mal (nach über 40 Jahren Bayern!) ein "nee" raus statt ein "naa"

Viele Grüsse
Marlies

Dieudonné
02.06.2006, 20:32
Hallo Marlies,
hab den Eintrag mit Freude bereits endeckt. Ihr seid ja schneller als die Feuerwehr. Ein großes Dankeschön!
Hier hätte auch "mein" österreichisches TSCHITSCHKERL = Tannenzapfen hingepasst, mit dem ich letztlich der Familie Tschischka die Deutung ihres Familiennamens vermitteln konnte. Nach Aufzeigen der Sprachgrenze in Böhmen, bestätigte mir Karin Tschischka, dass ihre Ahnen aus Pastuchowitz stammen - und das passte genau. So nahe liegen oft mundartliche Sprachforschung und Ahnenforschung beieinander.

Es grüßt Euch alle

Hugo
02.06.2006, 21:05
Guten Tag
Es sind aber nicht nur die Wurzeln und Wohnorte, die einen prägen.
In Kurzform meine Sprachzusammensetzung:
Bis zum 9ten Lebensjahr nur Hamburger Platt gesprochen
Danach kam Hamburger Hochdeutsch dazu
Seit meine 15ten Lebensjahr bin ich mit einer gebürtigen Dachauerin (bei München) zusammen, die aber während ihrer Kindheit nach Hamburg kam.
Bis vor kurzem lebten wir auch mit ihrer seligen Mutter zusammen, die gebürtige und aufgewachsene Östereicherin war.

Und nun stellt euch mal das Mischmasch aus Platt, Bairisch und Österreichisch vor, das ich manchmal spreche, gell

Tschüss for hüt un scheune Pingsten ut Hamborg

Gruß Hugo

-Kyan-
02.06.2006, 23:59
Hi und hallo zusammen

Ja, interessant ist das ganze! Bei mir ist es so, ich habe Einfluss aus der tiefsten Pfalz, Berlin, Bayern und dem Hochdeutschen. Ich muss sagen, dass ich in der Regel ein gutes Hochdeutsch spreche, passe mich aber an. Ich spreche anders, wenn ich in Koblenz (stationiert für 2 Jahre gewesen), in der Pfalz oder in Berlin ist.
Meine Mutter kann sich beispielsweise nach über 25 Jahren in Ostwestfalen nicht den Pfälzer Dialekt abgewöhnen :-) Das macht einen einfach individueller...

Grüße
Jens

Marlies
03.06.2006, 20:28
Hallo Udo,

es ist einfach köstlich, in Deinen Links zu blättern, ich hab einige mal so richtig geschmunzelt :D

Viele Grüsse
Marlies

Marlies
03.06.2006, 23:02
Original von Erika
österreichisches TSCHITSCHKERL = Tannenzapfen


Hallo Erika,

dankeschön, hab wieder was gelernt: die großmütterliche Seite meines Mannes geht nach Kärnten, deswegen mein Interesse an Österreich und der Mundart dort: Ich kenne von meiner Schwiegermutter noch einige Begriffe, aber Tschitschkerl war mir unbekannt.

Darf ich das weiterleiten an jemand, der ein bayrisch-österreichisches Wörterbuch herausgebracht hat? Es ist in seinem Buch bisher nicht zu finden.

Viele Grüsse
Marlies

Dieudonné
04.06.2006, 05:53
Guten Morgen Marlies,
natürlich kannst Du das "Tschitschkerl" oder "Tschitscherl" weitergeben. Hier habe ich noch eine Information von Oswald (Helm). Den musst Du allerdings wegen Weitergabe selbst befragen.

Zitat:
mir ist der begriff "tschurtschen" oder in der verkleinerungsform "tschurtscherl" für tannenzapfen bekannt, im wiener und niederösterreichischen raum hört man, speziell unter kindern, auch den begriff "pokerl".

Einen schönes Pfingstfest wünscht

Erika

Dieudonné
04.06.2006, 06:44
Ein bayrisches Grüß Gott, speziell an Euch lieber Hugo und Kyan,

mit dem Mischmasch geht es mir auch so, kommt noch dazu, dass ich automatisch in den Dialekt meines Gegenübers verfalle.
Dazu fand ich folgendes:
Zitat:
… Schon nach wenigen Ferientagen im Sommerhaus unserer Großmama bei Budweis sprach sie jedesmal so unverfälscht Pemmisch¹, dass niemand in ihr eine Reichsdeutsche vermutete. „Kint, wie machstutas nur?“ wunderte sich die böhmische Verwandtschaft. Christiane zuckte mit den Achseln und zog ein wenig die Mundwinkel nach unten: „ No, wie werdichs schon machen? Zuhérn tu ich aych halt, was ihr da so rädet.“
¹ Pemmisch = Böhmisch

aus: Fernkurs in Böhmisch, Götz Fehr, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 1977

Das ist ein Buch zum Schmunzeln. Auf witzige Weise erklärt der Autor, was es mit dem Häkchen (v) auf den Buchstaben C,R,S und Z auf sich hat und was der Akzent ´ auf verschiedenen Buchstaben im Tschechischen bedeutet.

Círfiš = Zierfisch,
Seml = Semmel (Brötchen), Šeml = Schemel

Ein schönes Pfingstfest wünscht in diesen Morgenstunden

Erika

Marlies
04.06.2006, 18:52
Original von Erika
natürlich kannst Du das "Tschitschkerl" oder "Tschitscherl" weitergeben.

Hallo Erika,

DANKESCHÖN! Und den Oswald werde ich auch fragen. :D

Mit dem Wort Tschurtschen fällt mir aber ein anderes Wort ein: was ist mit Tschuschen gemeint?

Liebe Grüsse
Marlies

Rossi
04.06.2006, 19:39
Original von Marlies
Mit dem Wort Tschurtschen fällt mir aber ein anderes Wort ein: was ist mit Tschuschen gemeint?

Liebe Grüsse
Marlies

8o Ich kenne das aus Österreich, wo ich mal eine Weile gearbeitet habe.
Das ist ein ziemlich übles, rassistisches Schimpfwort, mit dem meistens die Einwohner eines benachbarten Balkanlandes bezeichnet werden. :O
Ist so in etwa auf dem gleichen Niveau wie "Kümmeltürken" und "Spagettifresser".

Dieudonné
05.06.2006, 00:23
Original von Rossi
Original von Marlies
Mit dem Wort Tschurtschen fällt mir aber ein anderes Wort ein: was ist mit Tschuschen gemeint?

Liebe Grüsse
Marlies

8o Ich kenne das aus Österreich, wo ich mal eine Weile gearbeitet habe.
Das ist ein ziemlich übles, rassistisches Schimpfwort, mit dem meistens die Einwohner eines benachbarten Balkanlandes bezeichnet werden. :O
Ist so in etwa auf dem gleichen Niveau wie "Kümmeltürken" und "Spagettifresser".

Hallo,
kann ich bestätigen. :cry: Dazu steht in Wie sagt man in Österreich (Duden Taschenbuch) noch ein Zitat von H.Qualtinger/C.Merz, Der Herr Karl:
Eines Tages sagt ma mir: "Wissen S', wer da oben war? A Fremdarbeiter! A Ausländer! A Tschusch!". :O

Es grüßt Euch

Erika

Udo Wilhelm
05.06.2006, 00:55
Hallo zusammen,

vor kurzem sind mir Leute begegnet die sich über dieses Thema Mundart unterhalten haben und die dümmste Äußerung die ich dazu hörte war Mundart mit nicht intelligenz zu vergleichen,es ging dem Redner um die Sachsen und Hessen und der Spruch war dieser: >Bei diesen Dialekten muss man ja dumm sein<

„Dieser Redner war nun wirklich sehr interlligend“

Viele Grüße,Udo

Marlies
05.06.2006, 08:10
Hallo Rossi, hallo Erika,

DANKE für die Aufklärung, da werd ich wohl das Wort, bei dem man "rot" wird, aus meinem Wortschatz verbannen, damit ich nicht auch :O werden muß.

Viele Grüsse
Marlies

Marlies
05.06.2006, 08:12
Original von Udo Wilhelm

„Dieser Redner war nun wirklich sehr interligend“


Hallo Udo,

ich schließe mich voll und ganz Deiner Meinung an.

Man könnte sich allenfalls Dialekte in "mag ich" oder "mag ich weniger" aufteilen, aber Dialekt und Intelligenz in einen Topf zu werfen, zeugt wirklich nur von der eigenen Dummheit.

Viele Grüsse
Marlies

Dieudonné
05.06.2006, 14:31
Original von Udo Wilhelm
Hallo zusammen,

...die dümmste Äußerung die ich dazu hörte war Mundart mit nicht intelligenz zu vergleichen,es ging dem Redner um die Sachsen und Hessen und der Spruch war dieser: >Bei diesen Dialekten muss man ja dumm sein<

„Dieser Redner war nun wirklich sehr interlligend“

Viele Grüße,Udo

Hallo liebe Mundart-Interessierte,
da kann ich nur sagen: Leider gehen oft Dummheit, Vorurteile und Arroganz im Gleichschritt.
Ich hab mir abgewöhnt, mich mit solchen Zeitgenossen auf weitere Diskussionen einzulassen. Da fühle ich mich doch in diesem Forum wohler!
Und den "hochgebildeten" Studenten, der das Wort "Tschusch" abwertend einem anderen ins Gesicht schleudert, lass ich einfach im Regen stehen. Da ist mir jede einfache Bäuerin mit Herzenswärme mehr wert!

Mit Dank an Euch alle

Erika

Rossi
06.06.2006, 04:29
Habe heute abend einen Burgenländer getroffen (ja, sowas gibt's in Südafrika auch), der meinte, "Tschutschen würde ursprünglich von "Tschechen" kommen, aber in Niederösterreich inzwischen so "ziemlich jeden Balkan-Ausländer, der alles klaut was nicht niet- und nagelfest ist und generell nichts gutes im Sinn hat" bezeichnen. Lasse das mal unkommentiert stehen, denke, ihr wisst damit, was gemeint ist.

Rossi

liseboettcher
13.06.2006, 17:46
Hallo, bei solchen Äußerungen muß man doch eher den Grips des sich Äußernden suchen. Ich stamme zwar aus Sachsen-Anhalt, nicht direkt Sachsen wie Ihr wißt, aber so viel weiß ich aus der Geschichte der deutschen Sprache, daß das Sächsische die erst deutsche Hoch- und Kanzleisprache war. Aus ihr hat sich dann die deutsche Sprache entwickelt, auch durch Martin Luthers Bibelübersetzung.
Zum Dialekt bzw. "Sprachfärbung" - obwohl z.B. H.D. Genscher, Min.a.D., in Halle geboren, so viele Jahre wo anders gelebt hat, hört man beim Sprechen den typischen Sprachklang der Hallenser heraus.

Buddenbrook
15.06.2006, 13:09
Ich habe oft den Eindruck, dass in einigen Teilen Deutschlands heute noch viel mehr Dialekt gesprochen wird als bei "uns" im südlichen Westfalen und nördlichen Ruhrgebiet. Das Westfälische Platt stirbt bei uns aus, bzw. ist schon fast tot.
Leider kann ich selbst kein Platt sprechen, verstehe es aber zu einem Großteil und ab und zu gebrauche ich einige Wörter, die etwa Freunden aus Niersachsen ungewöhnlich erscheinen, etwa, wenn ich von den "Dötzkes" auf der Straße spreche (gemeint sind Kinder... :wink: ).

Ich habe sogar davon gehört, dass im Norden Deutschlands das Norddeutsche Platt wieder als Unterrichtsfach eingegliedert wird, um die Sprache zu konservieren. Eine gute Idee, wie ich finde....

Historisch erkläre ich mir das Aussterben unserer Lokalsprache durch das Ende des zweiten Weltkrieges. Viele der Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten versuchten, im neu erstarkenden Ruhrgebiet einen Neuanfang zu starten. Allerdings konnten sie die Alltagssprache der Ansässigen nicht verstehen und man musste zwangsläufig das "normale" Hochdeutsch verwenden. Mein Großvater erzählte mir sogar, dass es in einigen Werken die expliziete Anweisung gab, Hochdeutsch zu sprechen!

Simon1612
15.06.2006, 14:30
ad Tschusch: http://de.wikipedia.org/wiki/Tschusch


"Tschurtschen" auf kärntnerisch:
1. "etwas kolbenartiges"
__a. *tschùatschn* ==> zapfen eines nadelbaumes
__b. *tìakhn-tschùatschn* oder auch *tschùatschn* alleinstehend ==> maiskolben
2. "eine einfältige frau", die kombination mit einem entsprechenden, verstärkenden adjektiv ist häufig, zB "a tèpate tschùatschn"

Marlies
16.06.2006, 19:57
Original von Buddenbrook
Ich habe sogar davon gehört, dass im Norden Deutschlands das Norddeutsche Platt wieder als Unterrichtsfach eingegliedert wird, um die Sprache zu konservieren. Eine gute Idee, wie ich finde....


Hallo Buddenbrook,

das ist, wie ich meine, eine hervorragende Idee! Dialekt hat z.B. viele Ausdrucksmöglichkeiten, die man im "Hochdeutschen bzw.Gutdeutschen" gar nicht mehr findet, die viel genauer den Punkt treffen.

Meine Kinder sind beide in München geboren und haben dort auch ihre Kindheit verbracht. Nachdem mein Schwiegervater ein "Urbayer" war, blieb es nicht aus, dass sie doch einiges an Dialekt angenommen haben. Als ich sie im Gymnasium angemeldet habe, sagte der Deutschlehrer: Euch werde ich den bayrischen Dialekt schon austreiben! Mit dem Erfolg, dass beide (und auch ich) erst recht bairisch gesprochen haben.

Meine beiden Enkelkinder sind in Niederbayern geboren, sie sprechen beide "Niederbairisch" (unterscheidet sich vom Münchner Dialekt) und haben beide trotzdem (wie auch meine eigenen Kinder) gute Noten in Rechtschreiben und in Deutsch.

Somit fällt eins der Hauptgegenargumente, nämlich schlechter Ausdruck und viele Rechtschreibfehler, jedenfalls für mich, weg.

Lieben Gruß
Marlies

Marlies
16.06.2006, 20:02
Hallo Simon,

dankeschön, wie doch ein oder zwei Buchstaben, in diesem Fall das "rt" den Sinn eines Wortes ändern! Und wenn man als Fremder nicht richtig zuhört, kann man (bei evtl. Weitergabe) ganz schön ins Fettnäpfchen treten.

Lieben Gruß
Marlies

Peter G.
23.06.2006, 08:30
Hallo,
ich wohne in einer ländlichen Gegend. Bei uns ist Mundart die ganz normale Art miteinander zu sprechen. Die Mundartsprache ist sogar von Dorf zu Dorf verschieden obwohl die Ortschaften kaum 5 km von einander wegliegen. Die Unterschiede sind sind zwar nicht so gewaltig aber wir von Dorf A machen uns manchmal über die Sprache von Dorf B lustig in dem wir versuchen sie nachzuäffen (also nachsprechen). Andersherum wird wohl Dorf B das gleiche machen.

Habe auf einer Homepage die ich gemacht habe, unsere Gäste mit untenstehenden Worten begrüßt. Es zeigt in etwa den Dialekt den wir sprechen. Es ist sehr schwer Dialekt zu schreiben!

Aaah, schen dass di do här verirrt hesch!

na ja, jetzt wo schon do bisch kansch di au ä bissel off unserer site umluwe. Bschtimmt fingsch ebbs wo'da gfallt. Wen ä bissel Spass wilsch oder wen ä bissel pervers bisch dann bisch bi uns richdig. Awer vielicht bisch au einer von denne wo nur ä paar infos suche. Isch awer au egal, des musch du sälwer wisse was de wilsch.

off jede fall freuds uns dass de do bisch.


Grüße
Peter

Udo Wilhelm
11.10.2006, 21:11
Hallo zusammen,

Hier einige Lings für Mundarten

Frankfurter Mundart-Sprachführer > http://frankfurt-interaktiv.de/frankfurt/mundart/sprachfuehrer/a_b.html

En rheinsche Hompäätsch > http://www.mundart.net/

Die Mundart der Siebenbürger Sachsen > http://www.sibiweb.de/mundart/

Mundart im Saarland > http://www.mundart-saarland.de/

Kurzalmanach zur mittelfränkischen Mundart > http://www.wappswelt.de/world/recent/frank.html

Erzgebirgische Mundart http://www.erzgebirge-total.de/info/mundart.htm

Röhner Muntart > http://www.christoph-kaeppeler.de/Rhoner_O-Tone/rhoner_o-tone.html

Erbendorfer Mundart-Lexikon > http://www.eber-online.de/lexikon/index.html

Die Oberlausitzer Mundart > http://www.orlandos.de/olspra.htm

Viele Grüße,Udo

Hintiberi
11.10.2006, 22:59
Original von Buddenbrook
Ich habe oft den Eindruck, dass in einigen Teilen Deutschlands heute noch viel mehr Dialekt gesprochen wird als bei "uns" im südlichen Westfalen und nördlichen Ruhrgebiet. Das Westfälische Platt stirbt bei uns aus, bzw. ist schon fast tot.
Leider kann ich selbst kein Platt sprechen, verstehe es aber zu einem Großteil und ab und zu gebrauche ich einige Wörter, die etwa Freunden aus Niersachsen ungewöhnlich erscheinen, etwa, wenn ich von den "Dötzkes" auf der Straße spreche (gemeint sind Kinder... :wink: ).

Hallo Buddenbrook,

ich komme aus Ostwestfalen und spreche selbst auch kein Platt, doch tauchen immer wieder Wörter aus dem Plattdeutschen in der Umgangssprache auf. Wörter wie "Dötzkes" kenne ich und benutze ich natürlich auch! ;)
Hin und wieder benutze ich auch die plattdeutschen Formen wie "wat, dat, schwatt" anstelle von "was, das, schwarz", was meine Freunde, die nicht aus der Region kommen immer zum Schmunzeln finden.


Ich habe sogar davon gehört, dass im Norden Deutschlands das Norddeutsche Platt wieder als Unterrichtsfach eingegliedert wird, um die Sprache zu konservieren. Eine gute Idee, wie ich finde....

Plattdeutsch selbst stirbt aus, das ist richtig. Die Versuche, Plattdeutsch im Norden durch den Unterricht "wiederzubeleben" werden auf Dauer wohl scheitern, wenn man sich auch noch so bemüht...

---> Historisch erkläre ich mir das Aussterben unserer Lokalsprache durch das Ende des zweiten Weltkrieges. Viele der Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten versuchten, im neu erstarkenden Ruhrgebiet einen Neuanfang zu starten. Allerdings konnten sie die Alltagssprache der Ansässigen nicht verstehen und man musste zwangsläufig das "normale" Hochdeutsch verwenden. Mein Großvater erzählte mir sogar, dass es in einigen Werken die expliziete Anweisung gab, Hochdeutsch zu sprechen!

Nicht erst seit Ende des 2. Weltkrieges, schon sehr sehr viel früher:

Das germanische Sprachgebiet ist seit etwa dem 6. Jh. in ein nördliches und ein südliches Gebiet geteilt - sprachlich macht man das an der sog. "2. Lautverschiebung" fest.
An dieser Lautverschiebung, die v.a. die Konsonanten "p, t, k" betraf, hat das gesamte nördliche Gebiet (das betrifft alle heutigen nordgermanischen Sprachen, also z.B. Schwedisch, Englisch und auch Plattdeutsch) nicht teilgenommen, im südlichen germanischen Sprachgebiet, und das betrifft unser heutiges "HOCHdeutsch", sind allerdings
p ----> ff, pf (vgl. z.B. niederdt., engl: pepper ---> hochdt: Pfeffer)
t -----> ss, (t)z (ndd: Water, Katte; engl: water, cat ---> hd: Wasser, Katze)
k -----> ch, k(ch) (ndd: ik, koken; engl: cook ---> hd: ich, kochen)
verschoben.

(---> Auf diese Verschiebung komme ich gleich nochmal zurück)

Bis ins 16. Jahrhundert standen sich eine NIEDERdeutsche und eine HOCHdeutsche geschriebene Sprache konkurrierend gegenüber; die niederdeutsche im Norden des deutschen Landes, die hochdeutsche im Süden. Mit dem Verfall der Hanse ging auch die niederdeutsche Schriftsprache unter, die hochdeutsche Schriftsprache wurde maßgebend für das gesamte deutsche Sprachgebiet - gesprochen allerdings wurden im Norden des Landes weiterhin die niederdeutschen Dialekte, im Süden die hochdeutschen!!

Erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gibt es mit Duden auf der Sollebene (= "So soll gesprochen/geschrieben werden") eine Normsprache, also einen Standard, der für das gesamte deutsche Sprachgebiet gilt - das "Standard"-deutsch, oder gemeinhin (aber fälschlich, weil irreführend) auch "Hoch"-deutsch genannt.

Alle süddeutschen Dialekte, also alle die, die 2. Lautverschiebung mitgemacht haben, sind "hoch"deutsche Dialekte, also "Hoch"deutsch, der Standard knüpft an die "hoch"deutschen Dialekte an, ist also "hoch"deutsch geprägt, doch ist "Standard" nicht gleich "Hochdeutsch"!!

Die Bevölkerung spricht im Alltag weiterhin ihre Dialekte, doch in den Schulen wird von nun an der Standard unterrichtet - und auch gesprochen!

Das ist für die Menschen in Süddeutschland weniger schlimm als für die Norddeutschen, denn im Süden sprach man ja bereits hochdeutsche Dialekte, die Menschen in Norddeutschland mußten diese Sprache wie eine Fremdsprache aus Lehrbüchern lernen.

Meine Urgroßtante war Lehrerin, ihr hat man damals vorgeschrieben während der Schulzeit "hoch"deutsch, also Standarddeutsch zu sprechen, was sie auch gemacht hat - bis die Schulglocke klingelt:
Wenn dann ein Schüler noch etwas von ihr wollte, mußte er plattdeutsch reden oder bis zum nächsten Tag warten! ;)

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts also verschwinden die niederdeutschen Dialekte verstärkt von der Bildfläche, letztendlich natürlich u.a. auch aufgrund der Medien, besonders durch Rundfunk und Fernsehen, die die Standardsprache weiter verbreiteten und verbreiten.



Nun nochmal zur Verschiebung der p, t, k:

Das ist ein ganz interessanter Aspekt besonders für die Namensforschung, denn wenn auch die niederdeutsche, also plattdeutsche Sprache weiter und weiter verschwindet, Relikte sind überall in Nachnamen und Ortsnamen zu finden:

P -----> FF, PF

Der niederdeutsche "Pieper" zum Beispiel ist nichts anderes als der hochdeutsche "Pfeiffer".

T -----> SS, (T)Z

Niederdeutsch "Holtmann" entspricht hochdt. "Holzmann";
niederdt. "Schulte" ist der hochdt. "Schulz(e)".

K -----> CH

Niederdt. "Diekmann" entspricht hochdt. "Deichmann".


Es gibt noch etliche weitere Beispiele, nur fallen sie mir grad nicht ein.... wenn man sie mal braucht *lol*


Es gibt noch einige weitere Lautwechsel zwischen dem Niederdeutschen und dem Hochdeutschen, so entsprechen sich u.a. auch niederdt. "v/w" und hochdt. "b" (Bsp. Wefer ---> Weber, Hafer ---> Haber).

---> In den niederdeutschen Gebieten gibt es seit etwa dem 17./18. Jahrhundert (je nach Gebiet) Versuche, Nachnamen an die Schriftsprache anzupassen und zu "hyperkorrigieren" - das kann auch Eintragungen in Kirchenbücher und damit die Familienforschung betreffen - so wird mitunter ein Pieper ganz nach hochdeutscher Manier vom Pfarrer in Pfeiffer "verbessert", aus Holtmann wird dann Holzmann usw.


Viele Grüße
-Jens

Hintiberi
11.10.2006, 23:13
Original von Erika
p.s. Im Forum Ahnenforschung Österreich hat Mireille eine Plauderecke eingerichtet, könnte man so etwas auch in diesem Forum einrichten? Leider wird diese dort nicht so häufig genutzt, was die Reaktion auf "Osterbräuche" zeigt.


Wo genau finde ich denn diese Diskussion?? ;)
Ich habe schon alles abgesucht, aber ich konnte sie nicht finden... tut mir leid.

-Jens

Simon1612
12.10.2006, 00:06
http://ahnenforschung.plusboard.de/osterbraeuche-t163.html


Seit Beginn des 20. Jahrhunderts also verschwinden die niederdeutschen Dialekte verstärkt von der Bildfläche, letztendlich natürlich u.a. auch aufgrund der Medien, besonders durch Rundfunk und Fernsehen, die die Standardsprache weiter verbreiteten und verbreiten.
gegenüber der (bundesdeutschen) standardsprache hat aber auch das österreichisch seit dem 2.wk einen schweren stand (obwohl - oder gerade weil - beide "hoch"deutsche dialekte sind). zu beginn war es nur "vorauseilender gehorsam" gegenüber den devisenbringenden deutschen touristen, dass vielfach vor allem in der gastronomie existierende austriazismen (http://members.chello.at/heinz.pohl/KuecheDeutschOesterr.htm) durch die bundesdeutschen begriffe ersetzt wurden (das war aber weitgehend auf die fremdenverkehrsgebiete beschränkt). heute tragen hingegen vor allem die deutschen medien (TV) zur verbreitung von bundesdeutschen begriffen und ausdrucksweisen bei, was auch merkliche folgen beim alltäglichen sprachgebrauch hat.

Hintiberi
12.10.2006, 00:36
Hallo Simon, danke für den Link! ;)


gegenüber der (bundesdeutschen) standardsprache hat aber auch das österreichisch seit dem 2.wk einen schweren stand (obwohl - oder gerade weil - beide "hoch"deutsche dialekte sind). zu beginn war es nur "vorauseilender gehorsam" gegenüber den devisenbringenden deutschen touristen, dass vielfach vor allem in der gastronomie existierende austriazismen (http://members.chello.at/heinz.pohl/KuecheDeutschOesterr.htm) durch die bundesdeutschen begriffe ersetzt wurden (das war aber weitgehend auf die fremdenverkehrsgebiete beschränkt). heute tragen hingegen vor allem die deutschen medien (TV) zur verbreitung von bundesdeutschen begriffen und ausdrucksweisen bei, was auch merkliche folgen beim alltäglichen sprachgebrauch hat.


Ja, das stimmt natürlich: Die normierte Standardsprache Deutsch bezieht natürlich Österreich und die deutschsprachige Schweiz mit ein; die Entwicklung an sich ist dieselbe:
Auch in Österreich wurde weiterhin Dialekt gesprochen, die Standardsprache wird auch hier erst v.a. durch die Medien verbreitet.
Aber nicht nur dort: Auch die Schulen unterrichten den Standard, der ab Ende des 19. Jahrhundert für die deutschsprachigen Gebiete galt und bis heute gilt. Davon sind nicht nur Rechtschreibung und Aussprache, sondern auch Vokabeln, Wortbedeutung und Grammatik betroffen.

Ob es die "devisenbringenden deutschen Touristen" gewesen sind, sei dahingestellt: Bereiche wie Gastronomie haben meist ihren eigenen Fachwortschatz, so wie auch heute Englisch in sämtlichen Ecken des Bereichs PC/Internet Fuß faßt.
In der Küche machen sich außerdem heute noch sehr viele französische Wörter breit, in der Medizin und in der Rechtswissenschaft stirbt das Latein nicht aus... "Jura" eben ;)

Simon1612
12.10.2006, 00:52
Original von Hintiberi
Ob es die "devisenbringenden deutschen Touristen" gewesen sind, sei dahingestellt: Bereiche wie Gastronomie haben meist ihren eigenen Fachwortschatzauf die sprache in der küche hatten die deutschen sicherlich keinen einfluss. in manchen tourismusgebieten sind aber sehr wohl speisekarten mit konfitüre, klößen und pfannkuchen im umlauf.

"Jura" ebendiesseits der Grenze bitte im Singular: Jus 8-)

lg

Hintiberi
12.10.2006, 15:13
Original von Simon1612
auf die sprache in der küche hatten die deutschen sicherlich keinen einfluss. in manchen tourismusgebieten sind aber sehr wohl speisekarten mit konfitüre, klößen und pfannkuchen im umlauf.

Jap, ich hatte Dich schon verstanden - die "standardisierten" Speisekarten finden sich überall, auch in Deutschland selbst.
Daß aber auf Standardbegriffe zurückgegriffen wird, liegt wohl eher an den Gastronomen selbst - sie könnten ja theoretisch auch weiterhin die Mundartwörter behalten und so ihrem Restaurant ein heimisches Flair geben.

Übrigens: Wenn ich in Berlin bin, gibt es auf den Pizzen immer "Plockwurst"; bei meinem ersten Berlinbesuch konnte ich damit nichts anfangen und frug (<-- auch ein schönes mundartliches Wörtchen; ich benutze es unbewußt nur selten, aber dann und wann laß ich es mal miteinfließen...) daher nach, was ich denn da bekäme: "Salami" :)
Salami selbst ist ja nun auch ein Fremdwort, bei uns hieß sie früher eigentlich nur Mettwurst oder Dauerwurst, aber besonders die Dauerwurst ist wohl nicht mehr von Dauer... ;)

Mittlerweile habe ich in Berlin auch schon auf einigen Speisekarten gesehen, daß zwar "Salami" dort steht, dieses Wort aber mit einem Sternchen gekennzeichnet ist und unten auf der Seite mit "Plockwurst" erläutert wird. Das fand ich schon interessant, erwartet hätte ich es eher andersherum...

"Jura" ebendiesseits der Grenze bitte im Singular: Jus 8-)
Echt wahr?
Na bei uns ist "Jus" die Bratensauce, womit wir wieder in der Küche wären... :D

Liebe Grüße

-Jens

Simon1612
12.10.2006, 18:00
Daß aber auf Standardbegriffe zurückgegriffen wird, liegt wohl eher an den Gastronomen selbst - sie könnten ja theoretisch auch weiterhin die Mundartwörter behalten
Das ist gerade der Denkfehler (der Deutschen):
"Knödel", "Palatschinken"/"Omelette" oder "Marmelade" sind Wörter der österreichischen Standardsprache - so wie eben ein Ami "truck" statt dem britschen "lorry" verwendet. Das hat nichts mit einer "Mundart" zu tun. (Freilich sind die Grenzen zwischen Standardsprache, Umgangssprache, Dialekt und Mundart einigermaßen willkürlich und fließend.)

Marlies
12.10.2006, 20:45
Original von Hintiberi
Wo genau finde ich denn diese Diskussion?? ;)
Ich habe schon alles abgesucht, aber ich konnte sie nicht finden... tut mir leid.


Hallo Jens,

Erika meinte dieses Forum:

http://ahnenforschung.plusboard.de/

Lieben Gruß
Marlies

Simon1612
12.10.2006, 23:42
@marlies:
zu spät :arrow: siehe mein posting von gestern 23:06 Uhr (http://forum.ahnenforschung.net/thread.php?postid=10086#post10007)

gn8
simon

Hintiberi
13.10.2006, 20:33
Trotzdem danke, Marlies! ;)

Osterbräuche sind interessant, v.a. seitdem ich erfuhr, daß die meisten gar keine Verbindung zur christlichen Kirche haben; dazu zählt auch das Osterfeuer. Fleisch- und Feuerweihe sagen mir zwar nichts, aber besd. letzteres stammt wahrscheinlich auch aus germanischer Kultur.

Gruß
-Jens

carinthiangirl
21.10.2006, 23:31
:wink:
zu Tschusch:
Ich kann mich noch an ein Plakat in Österreich in den 70igern erinnern,
weiß aber nicht mehr genau von wem es herausgebracht wurde.
Es zeigte einen österreichischen Buben (=Jungen) der neben einem jugoslawischen Gastarbeiter stand in dem damals typischen outfit
und zu ihm sagte "I haaß Kolaric du haaßt Kolaric - warum sogn`s zu dir Tschusch?"(Ich heiße Kolaric ,du heißt Kolaric - warum sagen sie zu dir Tschusch).Der Bub konnte nicht verstehen warum ein Unterschied gemacht wurde,wie es bei Kindern eben so ist.Das Plakat machte ziemlich nachdenklich,was so beabsichtigt war,da dem Buben seine Ahnen gleichen Namens schon zu österreichisch-ungarischen Kaiserzeiten ins heutige Österreich kamen,damals aber eben auch Österreicher waren und so auch gesehen wurden - heute dieselben Leute wiederum als Ausländer angesehen werden.
http://buecher.hagalil.com/mandelbaum/kolaric.htm

zu Tschurtschen:
Da gibts nach Bundesländern so einige Abwandlungen :D
In Kärnten kenn ich es auch als "Tschurtschalan" mit der typischen Endung hinten dran.

Marlies
22.10.2006, 19:39
Original von carinthiangirl
Ich kann mich noch an ein Plakat in Österreich in den 70igern erinnern,


Hallo Inge,

ja, jetzt wo Du es sagst, kommt es mir auch wieder ins Bewußtsein! Es zeigte Wirkung.
Ich verstehs eh nicht: Mir ists egal, ob jemand aus xy oder sonstwo herkommt, wenn er/sie mir sympathisch ist, bleibts dabei, wenn nicht, hat es nichts mit der Herkunft zu tun, sondern die "Wellenlänge" stimmt nicht und das kann ja auch auf die liebe Verwandtschaft zutreffen genauso wie auf das "Gegenüber" in einer größeren Gesellschaft.

Lieben Gruß
Marlies

P.S. Tschurtschalan hab ich heuer einige gesammelt, sie sind zum Anschüren gut und riechen so herrlich

Dieter Seeghitz
28.10.2006, 18:42
Wenn man ein bewusst offenes Ohr für Dialekt hat, wird man immer wieder feststellen können, wie facetten- und einfallsreich ein heimischer Dialekt sein kann. Wenn ich in Mittelfranken beim Bäcker allein das hochdeutsche
"Brötchen" verlange, reichen die Varianten von Brödli, Brödla, Semmerli, Semmerla bis zum Weckla. Meines Erachtens vermag Hochdeutsch viele der Feinheiten, die im Dialekt stecken, nicht ausdrücken. Schönstes Beispiel für mich ist ein Kleinkind, das gerade das Laufen gelernt hat. In Franken ist das ein "Waggerla", weil es das Gleichgewicht halten wollend immer hin und her wackelt. Übersetzt dieses Wort mal ins Hochdeutsche!

Wo meine Liebe zum Dialekt (mit meinen Mitmenschen verständige ich mich in einem gehobenen Umgangsdeutsch mit fränkischer Einfärbung) aufhört ist dann gegeben, wenn jemand mit tiefstem Dialekt - aus welcher Ecke Deutschlands auch immer - sich an mich wendet und meint, ich müsse ihn sofort verstehen und auch dann sich sprachlich nicht bemüht, wenn ich ihn sichtlich nicht verstehe.

Adé miteinander

Dieter

Dieudonné
28.10.2006, 20:32
Dieter,
Dein Beitrag hat ein ganzes Szenario aus Würzburger Tagen vor meinen Augen aufleben lassen. Da kann man die Ausdrucksstärke von Dialekt direkt spüren.
Vor allem das Adé, mit dem mich meine Schwiegermutter immer verabschiedete.
Das Adé wurde bereits im späten 16.Jhd./17.Jhd. aus dem nordfranzösischen adé übernommen. Adé = adieu (franz.) = ad deum (lat.) = addio (it.). Das bedeutet soviel wie zu Gott, auch Gott befohlen und wurde dann zu Lebe wohl.
Dazu fällt mir auch ein Ausspruch in einem Märchen der Brüder Grimm ein: "Adjes Herr Kartoffelkönig".
Und wenn schon Gott im Spiel ist: Gott zum Gruß als Begrüßung und Verabschiedung. Und hier nun unser bayrisches Grüß Gott.
Sehr interessant auf welchen Wanderwegen die verschiedenen Lehenswörter in unser Land kamen.
Das Waschlavor - von lavoire (frz.) und, und, und...
Man könnte Bände füllen!
Vielleicht erhebt doch mal jemand die Mundart zum Weltkulturerbe.

Es grüßt Euch, der Römer sagt noch heute "Salve"

BenediktB
28.10.2006, 21:23
Original von Erika
Das Adé wurde bereits im späten 16.Jhd./17.Jhd. aus dem nordfranzösischen adé übernommen. Adé = adieu (franz.) = ad deum (lat.) = addio (it.). Das bedeutet soviel wie zu Gott, auch Gott befohlen und wurde dann zu Lebe wohl.
Französische Ausdrücke sind in Bayern ohnehin keine Seltenheit. Man denke da an "Trottoire", "Merci" oder "Parterre". Früher gab es z.B. auch noch "Paraplui" u.ä..
Wo wir gerade dabei sind: weiß jemand woher das weit verbreitete "Servus" stammt? Das wird ja wohl nichts mit dem lateinischen Wort für Sklave zu tun haben oder?

Marlies
28.10.2006, 21:38
Original von BenediktB
Wo wir gerade dabei sind: weiß jemand woher das weit verbreitete "Servus" stammt? Das wird ja wohl nichts mit dem lateinischen Wort für Sklave zu tun haben oder?


Hallo Benedikt,

doch, im weitesten Sinn schon: Servus ist ja in Bayern und Österreich ein Grußwort, es bedeutet genaugenommen: Ihr oder Dein Diener.

Lieben Gruß
Marlies

Eva64
29.10.2006, 10:12
Original von BenediktB
Französische Ausdrücke sind in Bayern ohnehin keine Seltenheit. Man denke da an "Trottoire", "Merci" oder "Parterre". Früher gab es z.B. auch noch "Paraplui" u.ä..
Wo wir gerade dabei sind: weiß jemand woher das weit verbreitete "Servus" stammt? Das wird ja wohl nichts mit dem lateinischen Wort für Sklave zu tun haben oder?

Die kommen auch alle in Württemberg vor :wink: . Und kennt jemand einen so schönen Ausdruck für einen Nachttopf wie wir ihn haben "Bottschamperle" (pot de chambre).
Dass die Schwaben respektive Württemberg sehr sparsam waren auch in der Sprache drückt sich in einer Begrüßungsformel aus, die es an meinem Heimatort gab. Trafen sich die Menschen da auf dem Feld wurde nur gesagt "Au". Was so viel heißt wie, "So, bist du auch da und willst auf dem Acker arbeiten?!"
Wir reden noch ein gemäßigtes Schwäbisch zu Hause sog. "Pfarrhausschwäbisch" und auch das verliert sich immer mehr. Unsere Tochter spricht fast ausschließlich Hochdeutsch, woher sie das hat, frage ich mich immer wieder.

Eva

Andreas G
26.12.2006, 22:04
Ich finde, dass Dialekte erhaltenswert sind. Andererseits hat es mich schon viele Nerven gekostet, dialektisch geschriebene Namen zu entziffern und zuzuordnen.
Mit der Zeit habe ich sogar etwas Sorbisch gelernt. Es ist wahnsinn, wie schnell man dann weiterkommt.
Z.B.
König = Krahl, das geht ja noch
Zscharnack = Schwarz, geht auch noch
aber:
Lehmann = Witschas, da kommt man schon nicht mehr so leicht drauf
und Rack(el) = Krebs(er) ist auch schwer

die Liste ließe sich noch fortsetzen.
Ich bin mir schon bewusst, dass Sorbisch eigentlich kein Dialekt ist, aber da es in den Kirchenbüchern rund um Bautzen oft vorkommt gehört es schon irgendwie zum Thema.
Andreas

roi
27.12.2006, 00:04
Ich komme auch aus dem Münsterland und spreche kein plattdeutsch, kann es aber gut verstehen. Auf unserer Straße sprechen die älteren Leute noch platt, aber niemand hat es an seine Kinder weitergegeben. Die Angst, die Kinder könnten dann in der Schule Probleme haben ist noch immer groß. Aus dem gleichen Grund hat schon meine Großmutter (westfälische Bauerntochter) mit ihren Kindern nicht Plattdeutsch gesprochen. Dabei hatte ich Mitschülerinnen, die problemlos zweisprachig aufgewachsen sind.
Ich denke, der wesentliche Punkt ist, wie Hintiberi schon ausgeführt hat, dass es sich beim Niederdeutschen eben nicht um einen Dialekt handelt, sondern um eine eigene Sprache, die sich natürlich ihrerseits in viele Dialekte unterteilte.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass vom Rheinland an und südlich davon in Deutschland doch noch viel Dialekt gesprochen wird, vielleicht nicht immer rein, so doch deutlich zu erkennen. Aber das sind eben Dialekte des Hochdeutschen und Hochdeutsch hat als allgemeine Sprache das Niederdeutsche einigermaßen komplett verdrängt.
Ich glaube nicht, dass es nutzt, die Kinder im Plattdeutschen zu unterrichten - sie lernen dann sehr nett, Gedichte aufzusagen oder kurze Geschichten vorzutragen - aber solange niemand mit ihnen diese Sprache ganz normal spricht, nutzt das nicht viel. Schade!

Dieudonné
28.12.2006, 23:01
Ich glaube wir müssen anders definieren. Wo geht es um regionale Färbungen in der Aussprache, um menthalitätsbezogene, ganze grammatikalische Satzbildungen oder um eine Vermischung in Grenzgebieten?
Dialekt/Mundart. Wo hört die Möglichkeit auf, sich trotz guten Sprachgefühls zu verstehen? Bairisch - Schwäbisch - Fränkisch, das geht ganz leicht für mich als Süddeutsche - und sogar Sächsisch! Probleme habe ich immer noch mit dem Kölner Dialekt - eigentlich komisch - mit Deutsch- Französisch- Italienischkenntnissen ist das Schweizer Deutsch kein Problem.
Ich glaube Plattdeutsch ist, wie das Schweizer Deutsch eine eigene Sprache. Plattdeutsch stellt eine Mischung aus Deutsch und Angelsächsisch dar.
So ist das für mich auch mit dem Jiddisch, das ich doch ein wenig verstehe. Grundlage dazu ist: a)eine germanische Sprache, b) eine slawische Sprache (die ich nur sehr mangelhaft verstehe), aber es reicht für die Kombinationsgabe.
In Wikipedia wird da von "Ausbausprache" und "Abstandsprache" gesprochen - alles sehr verwissenschaftlicht. Ich denke, wir könnten das - trotz sprachwissenschaftlichem Hintergrund doch einfacher formulieren. Ich glaube das würde viel zum Verständnis beitragen. WER TRAUT SICH?

Es grüßt Euch

Erika

Hintiberi
29.12.2006, 14:54
Original von Dieudonné
Das Adé wurde bereits im späten 16.Jhd./17.Jhd. aus dem nordfranzösischen adé übernommen. Adé = adieu (franz.) = ad deum (lat.) = addio (it.). Das bedeutet soviel wie zu Gott, auch Gott befohlen und wurde dann zu Lebe wohl.
Dazu fällt mir auch ein Ausspruch in einem Märchen der Brüder Grimm ein: "Adjes Herr Kartoffelkönig".
Und wenn schon Gott im Spiel ist: Gott zum Gruß als Begrüßung und Verabschiedung. Und hier nun unser bayrisches Grüß Gott.



Und an diesem Grimmschen Beispiel sieht man auch sehr schön, wie unser heutiges "tschüß" zustandekam - über jenes "adjes" nämlich aus dem französischen "adieu".

Gruß
-Jens

Uli
30.12.2006, 13:35
:wink:

ich babbel wie ma die gusch gewachs iss

:D

uli

liseboettcher
30.12.2006, 18:27
Ich finde es sehr wichtig, daß die Dialekte erhalten bleiben. Allein die Mundarten unterscheiden sich trotz geringer Entfernungen mancher Orte voneinander, wie Halle und Leipzig, oder Wittenberg bzw. Wernigerode, lassen jeweils eine andere "Sprachfärbung" erkennen. Ich wohne seit über 30 Jahren in Leipzig, erkenne aber fast jeden an der Aussprache, der wie ich aus Halle stammt. Mein Mann hat 25 Jahre an der Ostsee verbracht, als er mich in Wismar ansprach, wußte ich sofort, daß er aus Halle bzw. Umgebung stammt. Bei Herrn Genscher merkt man heute noch die Herkunft aus Halle, wenn er spricht. Wenn wir schon lt. Poststempel nicht mehr aus einem bestimmten Ort stammen und Briefe senden sondern aus einem "Briefzentrum", so soll uns doch nicht alles abhanden kommen.

Marlies
14.01.2007, 22:44
Hallo,

anscheinend wird man sich der Bedeutung des Dialektes wieder mehr bewußt: die örtliche Zeitung brachte eine Rubrik: Woaßt as?

Es wird nach einfachen Begriffen wie "auf die Stör" gehen genau so gefragt wie nach (komplizierter?) dem "Mankei"

Mich freuts sehr, dass die alten Begriffe wieder ins Bewußtsein gehoben werden.

Schönen Gruß
Marlies

Dieudonné
15.01.2007, 23:08
Mich freuts sehr, dass die alten Begriffe wieder ins Bewußtsein gehoben werden.
Mich freuts auch, liebe Marlies,
Herzensbildung ist einfach leichter über die Mundart zu übermitteln. Das kann ich aus 33-jähriger Erfahrung in der Schule bestätigen. Auch ein Tadel, mundartlich übermittelt, hat meine Schüler mehr berührt, ohne sie zu verletzen, als eine in hochdeutsch verfasste Rüge.

Mit lieben Grüßen

Erika

Mutt3550
17.01.2007, 13:50
Hallo ihr Lieben, bin neu hier und habe nicht diese ganze Diskussion gelesen, stelle fest, ihr seid fast alle aus den südlichen Gegenden. Ich bin aus Schleswig-Holstein, und hier spricht man platt. Plattdeutsch ist kein Dialekt, plattdeutsch ist eine Sprache. Selbst unser Ministerpräsident spricht (fast) immer platt. Grüße von Mutt

Hintiberi
17.01.2007, 15:01
Grüß Dich, Mutt und willkommen im Forum!

Allein daß jemand etwas immer spricht macht es nicht zu einer Sprache... ;) aber ich habe nie etwas anderes behauptet, als daß Plattdeutsch eine eigene Sprache ist. Plattdeutsch ist allerdings keine überregionale Sprache mehr und verliert so (leider!) stetig an Bedeutung - Plattdeutsch tendiert dazu mit anderen Mundarten auf eine Stufe gestellt zu werden, da es, genau wie eben diese Mundarten, immer weiter zurückgedrängt wird.

Übrigens: Ich zähle mich noch zu den Norddeutschen - zumindest von der Sprache her. Ich spreche selbst zwar kein Plattdeutsch mehr, aber komme und wohne in einer Region, in der früher auch nur Platt gesprochen wurde und Reste davon finden sich natürlich auch noch in der heutigen Umgangssprache.

Viele Grüße

-Jens

Udo Wilhelm
03.05.2007, 19:32
Hallo zusammen,

Hochdeutsch kommt aus dem Süden
Link: http://web.archive.org/web/20071229152402/http://www.br-online.de/land-und-leute/thema/dialekte/hochdeutsch.xml

Babylonische Sprachvielfalt
Link: http://web.archive.org/web/20071209184610/http://www.br-online.de/land-und-leute/thema/dialekte/index.xml

Viele Grüße
Udo

Ursula
03.05.2007, 23:19
Original von Eva64
und auch das verliert sich immer mehr. Unsere Tochter spricht fast ausschließlich Hochdeutsch, woher sie das hat, frage ich mich immer wiederHallo,

ja so ist es leider bei uns auch. Woher sie das haben? Die Umgebung spricht nur noch hochdeutsch. Kinder sprechen so, wie "draußen" gesprochen wird. Der Dialekt hat für viele Jugendliche einen niederen Stellenwert. Das finden sie ziemlich rückständig.

Mir ist es schon in meiner Jugendzeit passiert, dass mich einer gefragt hat, ob ich eigentlich nicht anständig deutsch reden könnte, weil ich schwäbisch mit ihm redete (er verstand mich sehr gut, daran lags nicht). Die Schule tut ein Übriges. Uns wurde schon verboten, schwäbisch zu antworten im Unterricht.

Hier wissen leider schon viele Leute nicht mehr, was Rote Rüben sind oder Ackersalat, von Erdäpfeln gar nicht zu reden, schade.

Viele Grüße
Uschi

Garfield
04.05.2007, 23:58
Ha, ich weiss was Erdäpfel sind. :D

Bin ja aus der Schweiz, da wird eigentlich immer Dialekt geredet. Aber man merkt auch bei uns (gerade bei uns jungen), wie neumodische Wörter, teils aus dem Deutschen teils aus dem Englischen, die alten ersetzten. Dazu kommt noch, dass wir Wörter benutzten, die dem Französisch entnommen wurden. Ganz verständlich also, dass uns fast keiner versteht. :D

In der Schule wird man hier übrigens auch gezwungen, Hochdeutsch zu sprechen.

Viviane
24.06.2007, 15:14
Hallo,

erstmal kurze Vorstellung, bin die Helga, 53, derzeit wohnhaft Freiburg im schönen Schwarzwald.

Ich spreche von Haus aus den Erzgebirger Dialekt (böhmische Seite), da beide Eltern und Großeltern von dort stammen. Kann etwas Bairisch-schwäbisch (da dort geboren und aufgewachsen).

Sobald ich irgendwo lägere Zeit bin, nehme ich auch etwas von den Dialekten an 8-), aber sobald ich mit jemand spreche, von dem ich weiß. dass er oder sie aus dem Sudetenland ist, falle ich sofort in den Dalekt und auch wenn 100 andere dabei sind.

Liebe Grüße

Helga

viktor
05.08.2007, 12:47
Sobald ich irgendwo längere Zeit bin, nehme ich auch etwas von den Dialekten an
Das kenne ich. Wir haben 1955 aus Thüringen "riebergemacht" ins Rheinland. Meine Mutter und die älteren Geschwister sprachen Thüringer Dialekt. Mein Vater jedoch Oberschlesisch. Und um auf der Straße bestehen zu können, musste ich das örtliche "Platt" schnellstens beherrschen.
In der Volksschule war dann Hochdeutsch meine erste Fremdsprache :D
Intuitiv nehme ich sehr schnell regionale Klangfärbungen an. Das verschleiert meine Herkunft :D Denn wenn ich Hochdeutsch rede und mich nicht sehr konzentriere, kommt bei mir immer "Millowitsch" durch.

Udo Wilhelm
09.08.2007, 00:00
Hallo Zusammen,

ein Schöner Fund im Internet >>> Muettersproch-Gsellschaft

Link: http://www.alemannisch.de/unser_sprooch/Mundarten_pflegen.htm

Link zur Startseite: http://www.alemannisch.de/index.htm

Viele Grüße,
Udo

brougier
11.11.2007, 23:32
Hallo Udo!
Siehst du, jetzt habe ich dich sogar hier schon gefunden ;o)))...ja, meine Ahnenforschung schreitet auch voran.

Zum Thema "Dialekt": Meine Mutter ist Hessin, mein Vater Rheinländer. Hessisch war bei uns verpönt. Bei jedem hessischen Wort ist meine Mutter ausgeflippt. Erst mit knappe dreißig habe ich angefangen, meinen Dialekt zu sprechen und dank einer Freundin auch begonnen Stolz darauf zu sein. Sie war die erste, die mir immer gesagt hat, dass sie so gerne hessisch hört. Nun spreche ich je nach "Gegenüber" mal rheinländisch und mal hessisch oder auch klares hochdeutsch. Das gibt oft eine sehr seltsame Mischung. Manchmal fragt man sich dann, wo das Herz so schlägt?
Gruß aus dem Anfang des hessischen Rieds,
Brougier :D

Udo Wilhelm
14.11.2007, 23:17
Hallo Brougier,

hallo sie da kennen wir uns etwa von irgend woher? ...grins....grins

Schön das du hierher auf diese Seite gefunden hast un mit deuner Mutter sollte mer mo Kaffee trinke un debei Hessisch babbele

Ps. Des Herz schleegt immer do wos schee is (grins)

Gruß
Udo

brougier
15.11.2007, 00:44
Guude Udo!

:D :D:D

Donn schleegt moins in Trewwer :D :D :D

:D :D :D

Berit

Maya
15.11.2007, 22:05
Hallo zusammen!
Also ich komme ursprünglich aus Jena und spreche auch den thüringer Dialekt- vorallem, wenn ich zu Hause bin. In Würzburg, wo ich lebe merkt man den Dialekt nicht so sehr- da passe ich mich unbewußt an. Allerdings werde ich auf arbeit manchmal angesprochen ob ich nicht aus Sachsen käme :evil: wegen meinem Dialekt.
Mein Sohn wird bald 3 und spricht mischmasch, aber mehr thüringer Dialekt und wenn er sagt "da nai"- korrigiere ich automatisch- "da rein- Schatz nich nai".
Und bei manchen Worten verstehe ich auch nach 8 Jahren Würzburg nur Bahnhof aber da hab ich dann meinen Broiler und die Büffchen :D
Aber ich finde Dialekt schön.
LG Maya

Udo Wilhelm
24.11.2007, 21:12
Hallo zusammen,

noch ein schöner fund im Internet

Im Eichstetter Volksmund werden im Alltag immer noch Ausdrücke verwendet, von deren
Herkunft jedoch nur wenige etwas wissen. Sie kommen meistens aus dem Hebräischen,
Jiddischen oder Rotwelschen.

Das Jiddische ist ein mit hebräischen und slawischen Sprachelementen
vermischter deutscher Dialekt.

Link: http://www.eichstetten.de/ortsinfo/mundart/hebr_jidd_rotwelsch.pdf

Lieben Gruß
Udo

wolf
25.11.2007, 02:03
Hi Gudrun,
nun lebe ich seit 30 Jahren in Essen, habe dort aber keinen Dialekt gehört. Hier sprechen eigentlich alle ein vernünftiges Deutsch.
Dort, wo ich die vorigen 30 Jahre lebte, dort wird ein schauriger D. (wenn`s überhaupt ein D. ist) gesprochen. Wenn z. B. mein Bruder mit seiner Frau zu Besuch kommt, können die nicht verleugnen, dass sie aus Berlin stammen.
Ansonsten gibt es herrliche Dialekte; den sächsischen und thürigischen finde ich persönlich köstlich.

Ela_75
25.11.2007, 12:21
Ich finde das der Dialekt zu einem dazugehört. Meine Mutter hat (recht vergeblich) in meiner Kindheit versucht mir ein astreines Hochdeutsch beizubringen. Da jedoch alle anderen um mich herum nur "brätschtes Platt geschwetzt hann" war das ein nicht so erfolgreiches Projekt.

Später im Job habe ich es dann automatisch lernen müssen. Ich schalte inzwischen automatisch um zwischen Platt und Hochdeutsch sobald ich ein Telefon in der Hand habe oder ein Headset auf die Ohren ziehe. Zuhause reden wir nur Platt und ich find das ist auch okay so. Solange mich meine Mitmenschen außerhalb meiner 4 Wände verstehen kann ich ja zuhause reden wie ich mag ;-)

Witzig finde ich nur immer wieder wie unterschiedlich die Dialekte sind, obwohl nur 40 km Luftlinie zwischen den jeweligen Orten liegen. Habe mal beruflich in einem anderen Ort weiter weg gearbeitet und die ersten 2 Wochen wirklich gehadert mit dem was die Kunden von mir wollten, weil ich 80% kaum verstanden habe ;-)

Grüße, Ela

hermie
25.11.2007, 14:13
Hallo,

vielen Sachen hier gebe ich recht. Einigen kann ich nicht so recht zustimmen.
Es gibt viele Sprachen und Dialekte im deutschen Raum. Bei den meisten, handelt es sich meines Wissens nach um Dialekte. Ich persönlich denke, das die meisten Dialekte vom hochdeutschen bzw. niederdeutschen abgeleitet wurden oder auch miteinander verflochten sind. Für mich gibt es das hochdeutsche (Süddeutsch), was die meisten sprechen, das niederdeutsche (Nordeutsch)oder auch plattdeutsche. Wobei das plattdeutsche kein Dialekt ist sondern eine eigene Sprache sowie das Hochdeutsche. Die anderen sind wie schon gesagt (aus zwei macht eins) Dialekte. Das ist jedenfalls meine persönliche Meinung. Auch mit dem Untergang der Hanse, wie hier gesagt wurde ist das Platt nicht ausgestorben. Es sprechen zwar nicht mehr sehr viele weil die Generationen die es sprechen bzw. gesprochen haben langsam aussterben und nicht jeder bereit war es zu lernen bzw. seinen Eltern und Großeltern zuzuhören. Es ist schön das an einigen Schulen wieder gelehrt wird obwohl das Interesse gering ist. Was sehr schade ist. Wenn ich bei meinen Eltern bin, wird es oft gesprochen. Wobei meine anderen Geschwister wenig bis kein Interesse zeigen. In meiner Nachbarschaft gibt es noch einige die es sprechen und es macht Spaß das zu sprechen. Besonders dann, wenn andere versuchen etwas zu verstehen und dann doch komisch schauen weil sie nichts verstehen. Lustig :D
Witzig finde ich nur immer wieder wie unterschiedlich die Dialekte sind, obwohl nur 40 km Luftlinie zwischen den jeweligen Orten liegen
Da ist was wahres dran. Es gibt das Wismarer Platt, das Mecklenburger, das Kieler, das Hamburger, das Friesische Platt. Jetzt mal nur die hier im Norden vertreten sind. es gibt bestimmt noch mehr. Aber es liegen nicht sehr viel Kilometer dazwischen.

An mienen Opa Johann ut Parchim heff ik besünnene Erinnerungen. Wier he dat doch, de mi dat Läsen bibröcht hät, noch bevör ik in de Schol keem. Mien Grotöllern besöchten uns ümmer in' Winter. In' Sommer müssen se to Hus twee Gordens un ehr'n Besök ut Wismer (dat wiern wi) versorgen. Jedetmal, wenn se keemen, kreech Opa sik 'n Märchenbok her, läste dorut vör un lihrte mi de Bokstaben. Abends in de Schummerstun' würd'n denn Geschichten vertellt. Opa siene Vertellers wier'n ümmer genau so lang wie sien Besök duert hett. De heff ik later ok in keen Märchen- orer Geschichtenbok werrer fin' künnt. Wenn dat Wärer god wier, güng' wi ok oft spazier'n. Eenmal schöt so knasch vör uns 'n Has ut dat Gestrüpp. „Son Schiet“, secht Opa, „harn wi nu Solt bi uns hatt, wier dat unsen Hasen wäst.“ „Woans dat?“, fracht ik em. „Jung, wenn du em furtstens Solt up 'n Stiert streust, blifft he ganz piel stahn un du kannst em insammeln. Orer noch wat anners: Wenn du dor up den Stein Niespulver streust, denn kümmt de Has, wiel he je nieglich is, rükt doran, möt niesen, stöt sik den Kopp, föllt in Ohnmacht un du kannst em denn ok insammeln.“ Dit heff ik abends Vadders vertellt. Hei hett lacht un secht: „Wenn du dit den Hasen vertellst, kannst du em ok insammeln, wiel he sik nömlich dodlacht hett.“

Es grüßt von der Küste Euer Hermie

Wolfg. G. Fischer
26.12.2007, 12:52
Original von Udo Wilhelm
Rhöner Mundart > http://www.christoph-kaeppeler.de/Rhoner_O-Tone/rhoner_o-tone.html


Sehr schöner Link, da kommt mir vieles bekannt vor! :D

Abstimmen kann ich leider nicht, da die Wahlmöglichkeiten nicht reichen. Bei uns wurde mit uns Kindern Hochdeutsch gesprochen, untereinander und auch sonst sprachen meine Eltern Platt.

Als Teenager habe ich dann versucht, unseren Dialekt noch zu lernen, mit mäßigen Erfolg. :( Besser wurde es zwar, nachdem ich weggezogen war, aber ich kann mich nicht fließend unterhalten.

Natürlich habe ich eine Färbung und es werden bei uns auch Dialektwörter benutzt, die es sonst im Hochdeutschen nicht gibt, z.B. "iddel".

Udo Wilhelm
06.01.2008, 03:32
Hallo zusammen,

beim Stöbern im Internet bin ich auf einige Tolle Seiten gekommen und unter anderem auch auf einen Dialektatlas

Lauschangriff auf deutsche Mundarten - Der Dialektatlas von DW-WORLD.DE
http://www6.dw-world.de/de/dialekt.php (http://www6.dw-world.de/de/dialekt.php)

Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e. V.
www.bayerische-sprache.de

Akademie för uns kölsche Sproch
www.koelsch-akademie.de

Mundart Net(z) - En rheinische Hompäätsch
http://www.mundart.net/

Viele Grüße
Udo

schaefera
06.01.2008, 15:36
Original von Udo Wilhelm


Akademie för uns kölsche Sproch
www.koelsch-akademie.de


Viele Grüße
Udo

Hallo,

hier ein Link zu Köln

http://www.koeln-ratgeber.de/dialekt.php

Schöne Grüße

Friedrich
21.02.2008, 20:20
Ich komme aus dem Sauerland. Der dortige Dialekt stirbt langsam aus. Da meine Familie genealogisch gemischt ist (Norddeutschland, Wittgenstein, Nordhessen), wurde bei uns nur hochdeutsch gesprochen. Meine mütterlicherseitigen Onkel (Herkunft Friesland) sprechen dagegen untereinander Platt. Das verstehe ich deswegen besser als das Sauerländische, weil das kaum noch einer spricht. :cry:

Friedrich

Christian Benz
18.03.2008, 20:01
Hallo,

Auch ausserhalb von Bayern wird Bairisch gern gehört - Die beliebtesten und unbeliebtesten Dialekte

Von allen Dialekten, die in Deutschland gesprochen werden, ist Bairisch am beliebtesten. 35 Prozent der Bevölkerung bekennen in einer aktuellen Allensbacher Umfrage, dass sie die bajuwarische Mundart besonders gerne hören. 29 Prozent der Deutschen mögen das norddeutsche Plattdeutsch, mehr als jeder Fünfte (22 Prozent) hört Berlinerisch sehr gern.

Der Artikel als PDF: http://www.ifd-allensbach.de/uploads/tx_reportsndocs/prd_0804.pdf

Gruß,
Chris

Fehrle
20.03.2008, 01:59
als Alemannin freue ich mich besonders über wikipedia in Alemannisch

http://als.wikipedia.org/wiki/Houptsyte :D

jsproede
20.03.2008, 04:07
Hallo zusammen,
habe Eure Beiträge mit viel Vergnügen gelesen. Bei mir im Elternhaus war der Dialekt nicht so ausgeprägt. Eigentlich dachte ich bisher, daß ich nicht so mundartlich festgelegt bin. Aber das ade ist mir doch in Fleisch und Blut übergegangen. :)
Gruß
Jutta

AlAvo
03.04.2008, 20:12
Hallo zusammen,

ich finde Mundart herrlich! Ob Fränkisch, Bairisch, Schwäbsich, Allgäuerisch, Sächsisch, Östereichisch oder Schwyzer Dütsch, es macht mir große Freude zu redn, sachn, schwätza oder ähnliches.
Gerne würde ich Ostpreussisch als weiteren Dialekt sprechen wollen. Daher meine Frage:

Gibts online irgend wo Ostpreussisch für Anfänger?

Im Voraus vielen Dank für euere Bemühungen.

Gruß
AlAvo

ups, Beitrag sollte eigentlich unter Mundart eingestellt werden :O

AlAvo
04.04.2008, 20:44
Hallo C. Benz,

vielen Dank für die Bereinigung meines Mißgeschickes

:O

Gruß
AlAvo

ChapaChupo
21.07.2008, 23:46
hallo zusammen,

ich finde es auch sehr schade, dass immer mehr dialekte und mundarten verloren gehen, da ich diese auch für kulturgut halte...leider wurden vor dem hintergrund des deutschen bildungsbürgertums dialekte als soziolekte abgestempelt, weswegen viele eltern sich bemühten ihren kindern hochdeutsch beizubringen...
in meinem fall war das problem, dass meine eltern beide "immis" sind, wie man hier so schön sagt und was soviel wie zugewandeter bedeutet...mein vater spricht gar keinen dialekt, meine mutter trierer platt...kölsch habe ich dann sozusagen als erste fremdsprache gelernt ;)
leider ist aber das, was heute an dialekt gesprochen wird auch nicht mehr das, was es mal war, da einfach viele eigene wörter verloren gegangen sind und stattdessen die hochdeutschen wörter mit dialektaussprache verwendet werden.

Wolfg. G. Fischer
23.07.2008, 11:24
"Bar sech well en Däinkelruh ernähr,
dar moss bleggel Schwoatze Beer,
Base beng
Keng verdeng
un noch henger'm Zog harspreng!"

Alles klar? :wink:

Marlies
23.07.2008, 15:52
Original von Wolfg. G. Fischer
Alles klar? :wink:


..... nein, aber ich versuchs trotzdem :D

wer sich will ein ??????????? ernähren
der muß pflücken? schwarze Beeren
....................... ?
....................... ?
und noch hinterm Zug herspringen

Gruß Marlies

Wolfg. G. Fischer
23.07.2008, 15:59
Nicht schlecht, Marlies!

Wer sich will in Dinkelrode ernähren,
der muß pflücken schwarze Beeren (= Heidelbeeren),
Besen binden,
Kinder verdingen
und noch hinterm Zug herspringen.

Mit besten Grüßen
Wolfgang

Dorothea
30.07.2008, 23:26
Hallo, ich bin Berlinerin, habe als Kind berlinert, meine Mutter fand es schrecklich und sie drohte mir Ohrfeigen an, wenn ich nicht damit aufhören würde. Als ich ins Berufsleben kam und verbunden mit einer gehobeneren Position mußte ich mir das Berlinern abgewöhnen, das damals noch gelegentlich da war. Heute spreche ich Hochdeutsch. Was seltsames passiert immer mit meinem Mann, wenn er mit zwei alten Freunden telefoniert, die aus seiner Jugendzeit sind, dann verfällt er sofort in das Berlinerische und redet mit mir dann auch noch ein Weilchen so weiter, irgendwie ist das so ungewohnt, dass ich denke, er besteht aus zwei Personen. ---

Auch, wenn ich heute Hochdeutsch spreche, so höre ich bestimmte Dialekte sehr gerne und kann sie auch sehr schnell "aufnehmen/wiedergeben", natürlich nur manche :! Ich hatte mal ein Witzbuch, in dem Witze auf Sächsisch standen. Den einen Witz werd ich nie vergessen, denn mein ehemaliger Chef und lieber Kollege hieß/heißt Günter und war ein gebürtiger Dresdener. So trug ich ihm den Witz vor:

Ginner, nennt Eure Ginner nie Ginner, denn, wenn Ihr Eure Ginner Ginner nennt und ruft Ginner, kommen alle Ginner, nur nich Euer Ginner!

Den im perfekten Sächsisch vorgetragen, einfach herrlich :D

Ich bin unbedingt für den Erhalt und die Pflege der Mundarten :! :! :!

Unn icke ooch!!!!!!!!!!! Icke erst recht, wa eh!

"Icke dette kicke mal, Ogen, Flesch un Beene,
nein mein Kind, so heißt es nicht! Augen, Fleisch und Beine!


Tschüß denn - Dorothea

P.S. Ich hätte noch gern eine Buchempfehlung gegeben: Dieter Zimmer: Für'n Groschen Brause/Alles in Butter. Bei Weltbild ersch. 2007
(Geschichte eines Zehnjähr., der durch das Weggehen seiner Fam. von West nach Ost auch immer wieder neue Dialekte lernen muß, um sich zu behaupten!)

Susann67
09.08.2008, 23:01
Auch ich bin absolut für den Erhalt der Dialekte.

Ich selber bin Thüringerin, mein Mann ist Sachse und leben tun wir in Bayern.

Dazu kommt noch, daß ich irgendwie ein bisserl Dialekt-begabt bin. Wenn ich mit meiner Freundin aus Köln telefoniere, falle ich gleich ins Kölsch, dat is doch janz klar, nä und 1 Minute später kann ich mich mit meiner Schwiegermutter im breitesten Sächsisch unterhalten - Gaiser Garl gonnte geene Gimmelgerner gaun - um danach gleich wieder ins tiefste Bairisch zu verfallen. Meine Nachbarn lachen sich immer krumm und scheckig, wenn sie das mitkriegen.
Ich finds herrlich, Dialekt zu sprechen und mittlerweile wachsen unsere Kinder auch schon mindestens 3-sprachig heran - hochdeutsch, bairisch + sächsisch.

Es lebe der Dialekt! :amen:

Kauschat
18.08.2008, 01:48
Hallo, grüß Gott!

Meine Erfahrung ist, dass Vertriebene selten so hoch geschätzt wurden, dass man seine Gewohnheiten änderte. Ich (Jahrgang 1952) bin 2sprachig aufgewachsen (Vater aus Breslau/Schlesien, aber kein Schlesisch-Sprecher) sprach Hochdeutsch mit uns, meine Mutter (Hessische Mundartdichterin) meist Owerhessisch Platt. Meine Freunde + Klassenkameraden redeten außerhalb der Schule durchweg Platt! Also ich auch.
Kinder von Vertriebenen passten sich dem an: 9 von 10 sagen, dass sie so sein wollten wie die anderen. Davon berichten 50% sogar davon, dass sie negative Reaktionen provozierten, wenn sie Worte aus den Dialekten ihrer Herkunftsregionen verwendeten (darunter meine Frau, Jahrg.1960). - Und "Flüchtling" o.ä. war absolut abwertend. Also vermied man es, anders zu sein.
Warum also der Schwund der Dialektsprecher/innen?
Bei einzelnen mag es so sein wie Sie schreiben.
Wichtiger halte ich:
1. Einfluss der Schulen (1968er und folgende): den Töchtern meines Cousins (und deren Klassenkamerad(inn)en wurde in einer "modernen" Gesamtschule nachdrücklich verboten, auf dem Schulhof Hessisch zu reden, damit sie in Deutsch bessere Noten erreichen könnten!
2. Wo lernten spätere Jahrgänge ihre Sprache? Bei den Eltern! Und die haben oft diese Denkweise verinnerlicht und sprachen mit ihren Kindern Hochdeutsch (oder was sie dafür hielten).
3. Neben Nachbarkindern (die heute nicht mehr so zahlreich sind wie früher) spielt vor allem das Fernsehen eine große Rolle: "Maus", Löwenzahn, Sesamstraße und die Teletuppies sprechen eben kaum Dialekt!
4. Früher lebten viele Menschen fast ausschließlich in ihrem Dorf. 2-5 % besuchten eine höhere Schule. Selbst am Arbeitsplatz in der Region sprach man Dialekt. Warum sollte man sich nach Abschluss der Schule Mühe geben, die Fremdsprache Hochdeutsch zu verwenden, wenn man nicht musste!?
5. Wenn Vertriebene ein Grund waren für das Hochdeutsch, dann müssen auch die Gastarbeiter mit einbezogen werden! Auch ihnen gegenüber versuchte man entweder zu radebrechen ("HamHam gut - BlaBla gut?") oder Hochdeutsch zu reden.
Aber Hand aufs Herz: ist es nicht köstlich (Halb-)Türken zu hören, wenn sie baierisch oder Mannemerisch zu reden (Django Asül) etc.?

wolf
26.08.2008, 23:09
Apropo Essener Platt. Was ist das? 35 Jahre wohne ich nun in Essen, davon 5 Jahre sogar in Gerschede. Aber ich habe noch nie Essener Platt gehört!!
Mir scheint, dass es ausgestorben ist?
Liebe Grüße,
Wolf

anika
16.09.2008, 00:39
Wir gehen Shoppen.Halten beiStop .Sind Online.Machen einen Crash.Aber sagen wir noch datt und watt???:confused::confused:

peceha
28.09.2008, 19:07
Hierzu eine kleine Geschichte:
Ich bin Mecklenburger, meine Frau ist Badenserin und wir leben in Hessen. Die grosse Tochter sollte wegen der Schule nur hochdeutsch sprechen. Irgendwann gab es folgenden Dialog:
Tochter (wollte nicht so wie die Mutter):" Ich will net" (was mundartlich "nicht" bedeutet)
Mutter (schon verärgert wollte die Tochter mundartlich in hochdeutsch verbessern, sagte aber statt : Es heisst nicht net): "das heisst net net!"

Karen
29.09.2008, 16:51
Gebrauchen wir noch datt und watt?
In diesem Falle schon:

Eine Frau sitzt mit ihrem Kind auf dem Schoß in der Straßenbahn. Das Kind malt mit dem Finger an die Scheibe. Eine Frau, die den beiden gegenüber sitzt fragt:
"Daaf datt datt?"
"Datt daaf datt," antwortet die Mutter.
"Datt datt datt daaf," wundert sich die Frau.

Viele Grüße,
Karen

Dorothea
10.12.2008, 23:21
Hallo Ihr,
da war ich doch heute in einer Buchhandlung, was fällt mir u.a. in die Hände? Langenscheidt Lilliput Berlinerisch. Auf S. 39 steht geschrieben: "Die Berliner teilen die Menschen gern in zwei Gruppen: Die "waschechten Berliner", die mit Spreewasser getauft sind, also die Spree-Athener" und alle anderen - eben die Außerhalbschen.
Diese werden jedoch nicht alle über den gleichen Kamm geschoren. Vielmehr differenziert der Berliner gern nach Landeszugehörigkeit (Löffelschnitza für Thüringer) oder regionaler Herkunft (Klippenkacker für Küstenbewohner, Schluchtenscheißa für Bergbewohner)". Zitat - Ende

All Ihr Lieben, die Ihr aus der einen oder anderen Region stammt, glaubt mir, derartige Bezeichnungen sind mir noch nicht geläufig gewesen, ist ja auch auch kein Wunder, habe Schlesier, Sa.-Anhaltiner und wer weiß was noch in meiner Ahnengalerie....bin ich vielleicht keine echte Berlinerin?

Sorry, übernehme keine Haftung für Langenscheidt's Ausführungen.
All Euch lieben Löffelschnitzern und den anderen einen schönen Abend noch! http://www.smiley-channel.de/grafiken/smiley2007/flaggen/smiley-channel.de_flaggen010.gifDorothea - :D:D:D

Fiehn
11.12.2008, 08:26
Ich spreche keinen Dialekt bewusst. Aber wenn ich in München bei meiner Oma bin, dann versteht mich die Bäckerin manchmal nicht, was ich will. Also heißt es dann den dortigen Dialekt benutzen bzw. die Gebäcknamen von den Schildern ablesen. Auch sonst muss ich dort mit meinen Bezeichnungen aufpassen. Es gibt so vieles, was ich neu entdecke.

Im Fränkischen werden gerne die Endungen oder einzelne Buchstaben "verschluckt", z. B. Wir ham kei Döpf mehr = Wir haben keine Töpfe mehr.
Wie ihr seht, werden harte Buchstaben auch gerne mal weich ausgesprochen (p = b, t = d, .....)

Falls mein Beispiel noch Fehler enthält, bitte ich um Entschuldigung. Ich spreche oder schreibe nicht 100%-ig fränkisch. Außerdem gibt es von Ort zu Ort verschiedene Dialektfärbungen.

Steibach
17.12.2008, 09:28
Eine schöne Umfrage! Selber bin ich zu 100% mit südbadischem Alemannisch aufgewachsen. :)

Das sogenannte "Hochdeutsch" lernte ich erst in der Schule kennen.

Ich setze "Hochdeutsch" in Anführungszeichen, denn sprachgeschichtlich gilt: Hochdeutsch = Süddeutsch.

Im Gegensatz zu Niederdeutsch = Norddeutsch.

Etwas vereinfacht gesagt.

Wenn ich alemannisch rede, so spreche ich also immer Hochdeutsch, ganz gleich was ich sage.

Was so landläufig mit "Hochdeutsch" gemeint wird, sollte man besser Schriftdeutsch nennen. :)

Stiftung
16.06.2009, 18:25
Hallo zusammen! Als Schwabenkind in Oberösterreich hatte ich es mit meiner Sprachmelodie nicht leicht. Jeder merkte das meine Eltern aus dem Ausland kamen.Mich störte das sehr .Ich gewöhnte mir den Oberösterreichischen Dialekt an und heut muß ich mich anstrengen"Romrisch" zu reden. Meine Eltern kommen aus Ruma im heutigen Serbien. Mein Cousin kann es noch perfekt und wen er spricht zerwutzelt sich die ganze Familie.Leider hatte ich auch ein nicht so schönes Erlebnis mit einer Volkschullehrerin meiner Tochter.Ihre Taufpatin war mal dabei als ich das Kind von der Schule abholte und ich stellte sie als "Goli" vor, da bekam ich einen Rüffel von Fr. Lehrerin: Das heist Patin und nicht "Goli". Meine Freuendin gab zur Antwort: Auch die Mundart hat ihre Berechtigung. In OÖ. sagt kein Mensch Patin. Da hat die Lehrperson schön geschaut. Grüße Maria aus Traun.

Aida
16.06.2009, 20:00
Mir fehlt ein Abstimmungsergebnis: ich verstehe Dialekt (sogar zwei verschiedene), spreche aber keinen, bin trotzdem dafür, dass er weiter erhalten bleibt (wobei ich dabei meine, dass Dialekt-Wörter erhalten bleiben).
Bei aller Globalisierung ist es doch ganz schön, Bereiche zu haben, die sich dem entziehen. Wobei: In Rheinhessen z.B. gibt es ja eine Menge importierte Wörter wie "Kinnerschaijsje" (naja, wie schreibt man das???), "Monterscheib" etc. (wobei der Kenner merkt, dass immer nur ein Teil des Wortes importiert ist).

Gruß
Christel

karin-oö
18.06.2009, 11:26
Griaß eng,

noch wichtiger als die Erhaltung einzelner Dialektwörter finde ich die Erhaltung und Anwendung des gesprochenen Dialekts.
Immerhin ist das meine Muttersprache, und die möchte ich auf keinen Fall verlieren!

Bei uns ist es derzeit leider modern, seine Kinder in einer Sprache zu erziehen, die sich sehr an die Schriftsprache anlehnt, aber doch keine solche ist. Ich finde das schlimm, denn das ist weder das eine, noch das andere, sondern eine konstruierte Kunstsprache, die mit Muttersprache nichts zu tun hat.

Wenn man Mundart spricht, gibt es darin Ausdrucksmöglichkeiten, die man in der Schriftsprache nie in derselben Bedeutung hinbekommt.
In unserem Innviertler Dialekt hat man z. B. die Möglichkeit, bei der Frage "wo gehen die zwei (die beiden) hin?" in einem Wort auszudrücken, ob es sich dabei um zwei Frauen, zwei Männer oder ein Pärchen handelt:
de zwo = die zwei Frauen
de zwee = die zwei Männer
de zwoa = ein Mann und eine Frau

Ein anderes schönes Beispiel ist das Wort "Gaatsch" - es fiele mir nie ein, zu sagen "ich bin in den Morast getreten" - denn nur wenn man sagt "i bi in Gaatsch gstiegn" spürt man förmlich den Schlamm zwischen den Zehen.

In diesem Sinne, pfiat eich
Karin

Stiftung
26.07.2009, 12:51
Hallo,
kann ich bestätigen. :cry: Dazu steht in Wie sagt man in Österreich (Duden Taschenbuch) noch ein Zitat von H.Qualtinger/C.Merz, Der Herr Karl:
Eines Tages sagt ma mir: "Wissen S', wer da oben war? A Fremdarbeiter! A Ausländer! A Tschusch!". :O

Es grüßt Euch

Erika
Bei uns in Österreich gibt es den Slogan:"I has Kolaric, du hast Kolaric warum so`gns zu dir Tschutsch? Das Kolaric wird itsch geprochen. Der Künstler Kurti Ostbahn und sien Bruder haben den Sketch oft gebracht:DLiebe Grüße aus Traun Maria

maria1883
26.11.2009, 16:55
Hallo zusammen,
auch da muß ich meinen Senf wieder dazu geben.
Meine schon viel genannte Oma sprach mit mir in der Regel hochdeutsch.Aber wenn sie schimpfte:! pommersches Platt--bei zu lautem Lachen--Flodderhinn(Flatterhenne), bei offen Türen--mock doch bloßig de Dör tau:!

Oder im Eichsfeld verwechselten die Schulkameraden und -innen mir und mich oder t und d, oder p u.b usw.

wir Flüchtlingskinder hatten dann wenigstens einen Trumpf in der Schule bei der Rechtschreibung.
Haben auch immer einen schönen Spruch zur Hand gehabt: "mir und mich verwechle ich nich, das kommt bei mich nich vor. Haste nich ein Strick für mich, der Hund der will nich mit mit mich:D

Ach, nu is wedder gaut:wink:

Viele Grüße, Waltraud

Udo Wilhelm
09.01.2010, 22:33
Hallo zusammen,

für eine bekannte suche ich Infos zum nachlesen über See Alemannisch.

im voraus schon mal vielen Dank

Lieben Gruß,
Udo

____________
Erinnerungen bringen uns in die Vergangenheit und Träume in die Zukunft

Michael
09.01.2010, 23:16
Hallo Udo,
http://www.dooya.schildersmilies.de/guckstduhier.gif Bodenseealemannisch (http://de.wikipedia.org/wiki/Bodenseealemannisch)

Anna v. Sachsen
10.01.2010, 11:39
wie funktioniert das Abstimmen?
Ich will auch abstimmen!
Ich stelle mich doch sonst nicht so ... an!?
HILFE!
Gabi

Anna v. Sachsen
10.01.2010, 12:04
Ich liebe meine Sprache.
Obwohl im Rheinland mit KÖLSCHer Mundart aufgewachsen, wurde bei uns zu hause Mecklenburger Platt, Plattdütsch sproken.
Kann es zwar nur langsam lesen, kaum schreiben, verstehe aber alles und liebe diese Sprache, die mit wenigen kräftigen Worten eine Sache auf den Punkt bringt.
Ein "Schieter" ist ein "söter Bengel". Basta!
Der Kölner fühlt sich beim Wort "Schieter" beleidigt und droht einem Prügel an.
Damit muß man erstmal klarkommen.
Ansonst haben die Kölner auch so ihre "Beleidigungen", die man erstmal schlucken muß.
Wenn man so richtig vor Wut kocht,heißt es nur: "isch bin nä kölsche Jong, wat willste mache?" und schon fällt man sich bei einem Glas Kölsch in die Arme und schunkelt.
Dauerte etwa 30 Jahre, habe es aber endlich kapiert.
Plattdütsch und Rheinländisch ermöglichen mir auch noch das Niederländische zu verstehen.
Das deckt schon einen großen Teil des Globus ab. In meiner Gegend jedenfalls.
Irgend ein böser Mensch hat mal gesagt: ein besoffener Kölner spricht wunderbar Niederländisch.
Ist aber nur eine böse Unterstellung. Dann müßte ja jeder besoffene Niederländer wunderbar Kölsch sprechen. Das stimmt aber so nicht.
Die Tatsache, daß die Niederländer von der Nordseeküste bis ins Rheinland auch die Nachbarn meiner Ahnen waren, verbindet uns ungemein.
Bin auch ständig auf der Suche nach niederländischen Vorfahren.
Gabi

Hannibal
10.01.2010, 13:27
wie funktioniert das Abstimmen?
Ich will auch abstimmen!
Ich stelle mich doch sonst nicht so ... an!?
HILFE!
Gabi

Hallo Anna,

auf Seite 1 kannst Du abstimmen!

MFG
Hannibal

Anna v. Sachsen
10.01.2010, 22:33
Hallo Hannibal,
lieb von dir, mir auf den Pott zu helfen.
Nützt aber nichts. War auf Seite 1 - dasselbe wie auf anderen Seiten.
Kein Abstimmer vorhanden.
Also - ich stimme den roten Balken bei.
Gabi

Xtine
11.01.2010, 08:23
Kein Abstimmer vorhanden.
Also - ich stimme den roten Balken bei.


Hallo Gabi,

hast Du evtl. früher schon mal abgestimmt??????? Oder warst Du nicht eingeloggt???

Die Balken siehst Du nur wenn Du


bereits abgestimmt hast (dann steht unter den Balken auch, daß Du bereits an dieser Umfrage teilgenommen hast)
auf "Umfrageergebnis anzeigen" (rechts unterhalb des Umfragekästchens) geklickt hast.
wenn Du noch nicht engeloggt bist!
Wenn Du dann auf antworten klickst und Dich einloggst um zu antworten, kommst Du gleich auf die letzte Seite!

gesip
14.01.2010, 13:15
Hallo zusammen,

Dialekt ist für mich wichtig. Er gehört einach dazu. Der Dialekt ist wie ein Fingerabdruck der Gegend.

Gruß Georg

MonCan
19.05.2010, 10:56
Meine Muttersprache ist pfälzisch. Hochdeutsch habe ich erst in der Schule gelernt. Man sagt mir nach, ich könnte es ganz gut. Ich fühle mich aber unwohl wenn ich hochdeutsch sprechen muss.

moni_g-f
19.05.2010, 13:45
i red wia mia da Schnobe gwachsn is und bin stoiz drauf :wink:

Ein dreifaches Hoch auf den Dialekt!