#1  
Alt 08.06.2017, 13:36
leander222 leander222 ist offline männlich
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Standard Ehelosisgkeit

Hallo,

welche Gründe gab es, wenn man als Mann im 18. und 19. Jahrhundert unverheiratet geblieben ist ? (außer Krankheit)

LG
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  #2  
Alt 08.06.2017, 13:50
gki gki ist offline
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Die Fragestellung "im 18. und 19. Jahrhundert" ist nicht sinnvoll. Vor 1800 galten in den meisten dt. Teilstaaten ganz andere Gesetze als etwa nach 1870.
__________________
Gruß
gki
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  #3  
Alt 08.06.2017, 13:52
Benutzerbild von Tunnelratte
Tunnelratte Tunnelratte ist offline männlich
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Naja, so manch einer hat eben keine abbekommen, oder man durfte nicht heiraten, da zuwenig Geld im Säckel war, .......
__________________
wenn man den Nachbarshund zum angeln mitnimmt, ist wenigstens die Köterfrage geklärt
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  #4  
Alt 09.06.2017, 20:15
Benutzerbild von Araminta
Araminta Araminta ist offline
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Mittlerweile denke ich auch, dass Geld ganz entscheidend war. Leider habe ich noch nicht herausgefunden, wieviel denn eine Heirat gekostet hat bzw. wieviel Geld man brauchte um jemanden zu heiraten.

Allerdings kann es nicht so viel gewesen sein, denn die meisten Leute haben ja geheiratet.

Ich habe einige unverheiratete Damen in meiner Familie gefunden, die ihren Brüdern den Haushalt gemacht haben oder wohl sonst im Betrieb geholfen haben.
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  #5  
Alt 09.06.2017, 20:32
Benutzerbild von Posamentierer
Posamentierer Posamentierer ist offline männlich
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Guten Abend,

es gibt noch mehr Gründe:

Zum einen gab es immer schon Personen, die aufgrund ihrer Homosexualität keine Ehe mit einem (verschiedengeschlechtlichen) Partner eingehen wollten.

Zum anderen, durfte nicht jeder heiraten wann oder wen er wollte. Die Grundlage dafür war beispielsweise die Leibeigenschaft, die in den meisten deutschen Staaten erst im 19. Jahrhundert endete und die - bei allen regionalen Unterschieden - auch lange die Einwilligung der Herrschaft in die Heirat erforderlich machte: https://de.wikipedia.org/wiki/Leibei...enden_Gebieten
__________________
Lieben Gruß
Posamentierer
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  #6  
Alt 09.06.2017, 21:39
Babsi1974
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aber sowas kam sicher früher seltener vor, als heute. Bei mir wird der Stammbaum auch nicht weitergehen, da ich immer noch Single und ohne Kinder bin, aber ich denke die heutige Zeit kann man mit der damaligen nicht vergleichen.

Die Frauen waren ja mehr oder weniger auch für Kinder kriegen gedacht. Allerdings bei Dir den genannten Themen das war damals ja auch sowieso verpöhnt wegen Homosexualität und so, das sieht heute zum Glück mittlerweile auch anders aus.

Bei mir kommen aber auch häufiger geschiedene Ehen vor, nur auch das war damals nicht einfach eine Scheidung einzugehen denke ich. Geld spielt da ja auch eine Rolle.
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  #7  
Alt 10.06.2017, 02:28
Artsch Artsch ist offline
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Hallo,

unwillkürlich fällt mir da der Spruch eines Verwandten ein:
"Kinder sind was schönes, wenn nur das Machen nicht wäre!"

Als Ehemann hatte man ja nicht nur eine finanzielle Verpflichtung.
Auch die Rentenabsicherung in Form von Kindern mußte bewerkstelligt werden. Das konnte schon ein Scheidungsgrund sein.

Ein alter Begriff für Unverheiratete ist Hagestolz, für Frauen zusätzlich noch eiserne Jungfrau.
Nicht nur, daß der Hagestolz mit seinem kleinen Einkommen eine Familie nicht ernähren könnte und er besaß auch nicht alle Rechte wie ein Verheirateter.

Ihm wurde so mancherlei nachgesagt.
Selbstverliebtheit, keine ist ihm gut genug, er will nicht teilen oder sich sonstwie in seinen Freiheiten einschränken lassen, er will sein Geld für sich alleine ausgeben, er konnte sich nicht entscheiden, ist verheiratet mit seinem Beruf, keine war wie seine Mutter, die er eigentlich wollte, hat er nicht gekriegt, er will das Jungesellenleben nicht aufgeben, will ein ewiger Jünglich bleiben.
Es heißt nicht umsonst, an den Kindern merkt man, wie die Zeit vergeht.

So mancher Hagestolz hat im Alter, weil er versorgt werden wollte, doch noch geheiratet. Das mögen dann schon Eigenbrötler gewesen sein.

Beste Grüße
Artsch

Geändert von Artsch (10.06.2017 um 02:46 Uhr)
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  #8  
Alt 10.06.2017, 05:38
alphabet alphabet ist offline männlich
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Ein anderer Grund für das Ledigsein könnte mitunter der geistige Zustand der betreffenden Person sein. ich bin über einige Fälle in Kirchenbüchern gestoßen, in denen Personen bei ihrem Tod als 'geistesschwach' oder 'nicht ganz bei Verstand' bezeichnet worden sind. Es gab ja auch allerhand Krankheiten, die erheblichen Einfluss auf die kognitive Entwicklung eines Kindes haben konnten (Pocken etc). Unter meinen Vorfahren befindet sich beispielsweise ein Kind, dass 'lahm', 'geistesschwach' und voller Geschwüre gewesen ist, bei dem aber die Eltern unbedingt wollten, dass es konfirmiert wird (dem wurde nach Beratung des Kirchenvorstandes etc. auch stattgegeben).
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  #9  
Alt 11.06.2017, 14:35
gki gki ist offline
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Hallo Posamentierer!

Zitat:
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Zum anderen, durfte nicht jeder heiraten wann oder wen er wollte. Die Grundlage dafür war beispielsweise die Leibeigenschaft, die in den meisten deutschen Staaten erst im 19. Jahrhundert endete und die - bei allen regionalen Unterschieden - auch lange die Einwilligung der Herrschaft in die Heirat erforderlich machte: https://de.wikipedia.org/wiki/Leibei...enden_Gebieten

Der "Konsens" der Herrschaft zur Hochzeit war in den von mir untersuchten Gebieten Bayerns und Oberösterreichs bis etwa 1850 nötig.

Man findet dazu in den Kirchenbüchern entsprechende Eintragungen.

Das hat aber mit der Leibeigenschaft, die ja lt dem von Dir verlinkten Artikel in Bayern formal 1808 abgeschafft wurde, nichts zu tun, da der Konsens auch danach noch nötig war.

Wie das damals ablief, weiß ich nicht im Detail.

Ich habe aber mal Einblick in einige derartige Aktenvorgänge genommen. An einen kann ich mich gut erinnern: Da argumentierte der untere Beamte gegenüber seinem Vorgesetzten, daß die Hochzeit schon genehmigt werden könnte, da mit Kindern nicht zu rechnen wäre. Beigelegt war ein Taufbuchauszug der Braut, aus dem hervorging, daß diese schon über 50 war.

Es ging also darum, daß nicht Leute heirateten, die die späteren Kinder nicht ernähren konnten.

Insofern war es also auch nicht hilfreich, wenn man zuviele Geschwister hatte, denn dann fiel das Erbe so gering aus, daß die Beamten wohl nicht zu überzeugen waren, den Konsens zu erteilen.

In einem Gebiet, das vor 1800 zu Oberösterreich gehörte, aber heute bayrisch ist, betrug die Konsensgebühr übrigens 4 Kreuzer. Gegenüber den anderen bei einer Hofübergabe anfallenden Gebühren, war das zu vernachlässigen.

Es kann wohl sein, daß das ein Ausfluß einer früher mal bestehenden Leibeigenschaft war, aber gerade für dieses Gebiet weiß ich, daß diese schon vor 1700 nicht mehr üblich war.

Noch bis vor wenigen Jahren mußte man übrigens in D _zuerst_ standesamtlich heiraten, bevor man in der Kirche getraut werden durfte. Auch das kann man als Nachlauf des herrschaftlichen Konsenses werten.
__________________
Gruß
gki
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  #10  
Alt 11.06.2017, 15:39
gustl gustl ist offline
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Hallo an alle,
neben den genannten Gründen für "Ehelosigkeit" ist ein ganz wichtiger die Standeszugehörigkeit. Nicht jeder konnte jeden heiraten, auch wenn Geld vorhanden gewesen wäre. Außerdem blieben Töchter unverheiratet, um die alten Eltern zu versorgen (wenn man genug Töchter hatte). Des weiteren mussten erst die männlichen Nachkommen diesbezüglich "versorgt" werden, z.B. mit einer Ausbildung, die durchaus kostspielig war. Dann kommt hinzu, dass nicht jeder jeden Beruf ergreifen konnte, für den er geeignet gewesen wäre (von den Mädchen sprechen wir hier natürlich nicht!). Das heißt im Umkehrschluß: für die Berufe, die in Frage kamen, waren die Knaben nicht auch unbedingt geeignet, so dass das mit dem Geldverdienen schwiergi wurde. Das alles galt so, wie ich es hier schreibe, bis zur Mitte das 19. Jahrhunderts. Danach ändert sich allmählich alles. Neue anspruchsvolle technische Berufe entstanden, die an Hochschulen gelehrt wurden und so mussten nicht alle Knaben Pfarrer oder Jurist respektive Kaufmann, wenn es denn für solch ein Studium nicht "reichte", werden. Auch die ersten Frauenberufe bildeten sich, vor allem Lehrerin konnte man werden.

Ein weiterer Grund, der mir in unserer Familienforschung auffällt, ist die Gesundheit. Ohne Impfungen und Antibiotika hinterließen viele Krankheiten lebenslange Schäden. "So eine" hatte auf dem Heiratsmarkt wenig Chancen, denn - wie oben schon gesagt - sie wurde danach beurteilt, ob sie gesunde Kinder würde zur Welt bringen können. Und dann ließ man die Familie nicht im Stich. Ein Schwesternpaar blieb unverheiratet, weil sich die eine Schwester um die andere kränkliche kümmerte. Die beiden hatten ein wenig Erbe und wurden ansonsten von zwei Brüdern finanziell unterstützt, so dass sei ein einfaches, aber eben "standesgemäßes" Leben führen konnten.

Die Erfahrungen, die ich hier beschreibe, stammen aus dem städtischen Bereich. Aus Erzählungen ist mir aber bekannt, dass die Restriktionen in manchen ländlichen Regionen noch strikter waren, denn hier ging es darum, Haus und Hof zusammenzuhalten und den Besitz, wenn möglich, zu vermehren. Da wurde die Ehe oft schon bei der Taufe der Kinder beschlossen (das hat mir ein Bauer noch Ende des 20. Jahrhunderts erzählt).

Man kann sich das heute alles gar nicht mehr vorstellen, auch wenn es eigentlich noch gar nicht so lange her ist.

Beste Sonntagsgrüße
Cornelia
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