#1  
Alt 19.04.2017, 15:03
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fps fps ist offline männlich
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Hallo zusammen,

ich denke, dieses Thema passt nicht so recht in die Namenforschung, da es hier nicht um die Bedeutung von Namen geht, daher habe ich es hier eingestellt.

Mir fiel auf, dass es, insbesondere bei Frauennamen, eine Reihe von Namen gibt, die offensichtlich nicht mehr in Gebrauch sind. Schon vor einiger Zeit bin ich über den Namen einer Liveradis "gestolpert", die im Rheinland, in der Gegend von Zülpich gelebt hat, Zeitraum ist das 14. Jahrhundert.

Suchmaschinen liefern für diesen Namen nicht gerade viele Ergebnisse, und auch als ich die Endung -is bei der Suche wegließ, wurden es nicht viel mehr. Immerhin war "Liverad" deutlich häufiger zu finden.

Nun war im Rheinland die Verwendung lokaler Varianten von (Vor-)Namen in früheren Zeiten an der Tagesordnung, aber unter die Kategorie der "Dreudt" (für Gertrud-is) oder "Bela" (für Sybilla) fällt die Liverad-is nicht.

Heute bin ich bei einer Suchaktion auf eine Reihe weiterer Namen gestoßen, die mir unbekannt waren:
Uda
Frideswid/-is
Alverad/-is
Cunitza
Werenbirge
Richitza
Lifmod/-is
Blitild/-is
Godestu
um nur einige zu nennen, die ich in einem Buch über das Kloster Rolandswerth bei Bonn fand.

Vielleicht gibt es ja in anderen Regionen weitere Namen, die inzwischen nicht mehr verwendet werden.

Übrigens habe ich den Eindruck, dass die Anzahl mittlerweile ungebräuchlicher Namen bei den Männernamen geringer ist. Woran das liegen mag, wenn mein Eindruck zutrifft?
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Gruß, fps
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  #2  
Alt 19.04.2017, 15:15
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OlliL OlliL ist offline männlich
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Hallo fps,

ich denke denke das gerade bei den Mädchen alte Namen wieder in Mode kommen, wohingegend alte Männernanmen (Guntram, Adalbert, ....) eher nicht in Mode gekommen sind - so mein Empfinden.

Grüße, OlliL
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  #3  
Alt 19.04.2017, 20:34
Mark Obrembalski Mark Obrembalski ist offline männlich
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Unter meinen Vorfahrinnen habe ich die Vornamen "Genovefa" und "Apolonia" gefunden, die mir vorher ganz unbekannt waren. Der Name "Theresia" ist mir zwar geläufig, aber ich kenne keine Frau, die so heißt, während der Name in manchen Kirchenbüchern, die ich durchgeschaut habe, massenhaft vorkommt. Die Kirchenbücher stammen aber aus dem damals noch zur Donaumonarchie gehörenden Böhmen, und der volle Name ist da auch regelmäßig "Maria Theresia". Da war die Kaiserin offensichtlich in lebhafter guter Erinnerung (oder eben sogar noch die Kaiserin), während die Gegenden, in denen ich Leute kenne, höchstens mal zu Vorderösterreich gehört haben. Auch "Rosalia" scheint mir sehr ungebräuchlich geworden zu sein.

An heute ungebräuchlichen Männernamen in meinen Aufzeichnungen biete ich einen "Ambros" und einen "Wendelin". Auch "Baltzer" ist in dieser Form heute sicher völlig ungebräuchlich - "Balthasar" eher, aber auch da kenne ich keinen persönlich. Ende des 18. Jahrhunderts finde ich haufenweise "Elias" und kenne den Namen sonst nur aus der Bibel.
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  #4  
Alt 19.04.2017, 22:41
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Na, der Elias feiert gerade ein grandioses Comeback. Ich habe gelesen, dass nach Angaben der Gesellschaft für deutsche Sprache "Elias" der beliebteste männliche Vorname 2016 in Deutschland gewesen sei.
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  #5  
Alt 19.04.2017, 22:46
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Matthias Möser Matthias Möser ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von fps Beitrag anzeigen
Na, der Elias feiert gerade ein grandioses Comeback. Ich habe gelesen, dass nach Angaben der Gesellschaft für deutsche Sprache "Elias" der beliebteste männliche Vorname 2016 in Deutschland gewesen sei.

Der älteste Sohn meines engl. Cousins in den USA heißt auch so, finde ist ein schöner Vorname...
Biblische Vornamen sind wieder im Kommen, mein eigener Sohn heißt Matteo (dt. Matthäus).

Gruß
Matthias
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Geändert von Matthias Möser (19.04.2017 um 22:52 Uhr) Grund: zusatz
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  #6  
Alt 20.04.2017, 07:22
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Anna89 Anna89 ist offline
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@ fps: Von all diesen Namen habe ich auch noch nie was gehört
Lifmodis hört sich irgendwie keltisch an...

Ich habe noch Wenzel zu bieten, glaub so nennt man heutzutage auch keine Kinder mehr. Mir ist auch ein Joseph Villirus aus Böhmen untergekommen. Zu Villirus spuckte Google irgendwie nichts aus. Apollonia kommt auch bei mir vor, 1x.

Bei uns im Dorf ist ein Ignaz geboren worden, mein Mann sagte nur, wie kann man ein Kind heutzutage nur so nennen? Ich find's schön
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LG Anna

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  #7  
Alt 20.04.2017, 10:00
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Hallo Anna,

der Wenzel war früher durchaus häufig, vor allem in den böhmisch/sudetendeutschen Kirchenbüchern ist er oft zu finden; der Name ist eine Kurzform des Wenzeslaus.

Mir sind zwar schon häufig, vor allem im süd-deutschen Sprachraum, Namensbeifügungen begegnet, die festlegen sollten, wer denn nun der zutreffende Namenspatron sei. Das ist beim Franz der Fall, der dann z.B. den Beinamen "von Sales" oder Xaverius erhielt (von Javier), oder auch beim Johannes (Evangelista, Baptista). Ein Joseph Villirus (bezeichnenderweise ja auch aus Böhmen) war aber bisher noch nicht unter den Fundstücken.

Einige dieser Beinamen haben sich dann als Vornamen verselbständigt, wie Xaver und Baptist.

Apollonia war früher häufig, auch andere Vornamen wie Petronilla. Die Rosina verschwand als Vorname, womöglich nachdem man dazu übergegangen war, die Weinbeeren Rosinen zu nennen.
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Gruß, fps
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  #8  
Alt 20.04.2017, 11:26
maria1883 maria1883 ist offline weiblich
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hallo zusammen,
ich fand in meinen pommerschen KBs einige Einträge mit dem weiblichen
Vornamen Lindenblatt, und das nicht etwa als Zweitnamen.
Viele Grüße
Waltraud
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  #9  
Alt 20.04.2017, 11:37
Valentin1871 Valentin1871 ist offline
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Da passen hier doch die zur NS-Zeit in den Familienstammbüchern "beworbenen" germanischen Vornamen wunderbar rein.
Fraglich ist nur, ob die dann wirklich so vergeben wurden.

Scan eines solchen Familienstammbuches, siehe die beiden letzten Seiten:
https://familysearch.org/patron/v2/T...a.fsglobal.net

z.B. Fürchtegott, Landhelm, Notker, Schwerthelm, Ellengard, Liebgunde, Udalberta
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  #10  
Alt 20.04.2017, 11:41
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Friedrich Friedrich ist offline männlich
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Moin Valentin,

Zitat:
Zitat von Valentin1871 Beitrag anzeigen
z.B. Fürchtegott,
beim Namen Fürchtegott muß ich Dir widersprechen. Es gab eine Zeit, in der man Namen aus dem lateinischen oder Griechischen ins Deutsche versuchte zu übertragen. Da wurde aus Philipp z. B. Marhold und aus Timotheus eben Fürchtegott. Das hatte aber mit der NS-Zeit nichts zu tun.

Friedrich
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"Bärgaf gait lichte, bärgop gait richte."

(Friedrich Wilhelm Grimme, Sauerländer Mundartdichter)
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