#41  
Alt 24.10.2009, 20:11
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1785, August

Unglücksfälle und Brandschäden (Fortsetzung):

Am 28. Julius traf der Blitz eine nahe hinter der Vorwerks Scheune zu Jambcke, dem Herrn Grafen v. Schack gehörig, im Falkenbergschen Kreise, stehende Eiche. Ein gleich darauf folgender Blitz zündete den Ochsenstall an und legte das Gesindehaus nebst Pferde- Kuh- und Ochsenställen, ein bey huntert Ellen langes Gebäude, in die Asche. Bey dieser Gelegenheit büßte der 18jährige Pferdejunge Gottlieb Pragel sein Leben ein; außerdem verbrannten 23 Ochsen und zwey Pferde; Hafer, Heyde und Heu ungerechnet. Drey Tage vorher, den 25. Julius war bey dem dasigen Freygärtner Balthasar Jäntsch Feuer ausgekommen, und dessen Wohngebäude nebst Scheune, auch die nah dabey gestandne Schmidtwohnung in Rauch aufgegangen.

Ein schweres Gewitter, welchges den 29. Julius zu Gros-Leubusch, einem Briegschen Cämmereydorfe, aufzog, schlug bey dem dasigen Gärtner Caspar Fabich ein, wodurch sowohl seine Stelle, als auch die nächst gelegne des Gärtners Linsack völlig abbrannte. Der Blitz tötete den Fabich auf der Stelle, seinen Sohn beschädigte er an den Augen, und nur mit genauer Noth wurde dieser aus dem Fenster gezogen, und ein altes bey dem Fabich wohnendes Weib kam im Feuer um.

Den 9. Julius verschüttete die Häusler Joseph Kube und Anton Kohlert aus Neudorf bey Silberberg in dem Steinbruche zu Volpersdorf, worinn sie arbeiteten, ein herunterstürzendes Stück Felsen.

Den 16. Julius ließ Hr. Fechner, Herrschaftlicher Verwalter in Prausnitz bey Goldberg, seine 15jährige Tochter von Wolfsdorf nach Hause holen, und gab, aus Vorsicht dem Kutscher noch einen Mann mit, um Schaden zu verhüten. Allein der Kurtscher besof sich in Wolfsdorf, fuhr in vollem Jagen, hörte weder auf die Bitten der jungen Fechnerin, doch langsamer zu fahren, noch auf die Anzeige, daß nahe vor ihnen ein tief ausgefahrnes Gleis sey, sondern trieb die Pferde nur noch stärker an, und warf um. Das gute Mädchen ward allein beschädigt, sie brach den rechten Arm doppelt, so daß die Splitter an mehreren Orten hervorragten. Über und über blutig, die zerschmetterte Rechte mit ihrer linken Hand unterstützt, trat sie in das elterliche Haus, und ihr erstes Wort zu ihren weinenden Aeltern war Fürbitte und Entschuldigung des unvorsichtigen Fuhrmanns. Unter dem empfindlichsten Schmerz, aber mit einer bewundernswürdigen Faßung des Geistes, traf sie alle Anstalten zu ihrer Beerdigung, wählte sich selbst Leichenlieder unbd Text, bat nur immer, den Knecht ja nicht zu strafen, und so entschlief sie den 25. Julius.

Zwey Husaren v. Czettritzschen Regiments, Herckt und Schifter, welche am 21. Julius in dem Flußgraben zu Loschitze bey Trachenberg fischen wollten, ertranken darinn.

Bey dem Bau der zweyten Etage des Münzhauses zu Breslau stürtze am 30. Julius der Zimmergeselle Johann Friedrich Grimm, herunter, und beschädigte sich dergestalt, daß er etliche Tage nachher sterben mußte.

Johann Albert zu Breslau, Sohn eines daselbst verstorbnen Goldschmidts, fiel den 23. August, als er entschwommenes Holz mit einem Hacken aus der Oder ziehen wollte, von dem Rande eines Kahns, worauf er stand, in das Wasser und ertrank.

Carl Ulbrig, ein Knabe von 14 Jahren, half den 4. August, bey dem Bischofshofe zu Breslau Holz aus dem Schiff laden. Es fiel ein Scheit in die Oder. Er wollte es auffangen, glitt, stürzte ins Wasser und kam nicht wieder zum Vorschein.
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  #42  
Alt 26.10.2009, 20:35
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1785, September

Todesfälle:

Den 21. Julius zu Poppelwitz im Ohlauschen, Frau Carolina Christiana Freyin v. Kittlitz und Ottendorf, gebohrne v. Hubrich, alt 59 Jahr 4 Monate. Ihr verstorbner Gatte war Breslauscher Oberamts-Regierungs- und Oberconsistorial-Rath.

Den 21. Julius Hr. Forstmeister v. Poser, Erbherr auf Klein-Lauersitz im Herrnstädtschen.

Im August. Der emeritirte Pastor in Droschkau, Hr. Koschny zu Ohlau, alt 70J. 7M.

Den 18. Hr. Haubold, evangelischen Cantor und Schulcollege in Brieg.

Den 20. Fräulein Johanna Maximiliana v. Salisch zu Löwen, alt 72J. 4M. 3T. an der Entkräftung. Eine seht würdige Person und große Wohlthäterin der Armen.

Den 22. Hr. Johann Kny, Rektor des Gymnasiums zu Neiße an einer Hämorhoidal-Fistel, wozu die Entzündung der Eingeweide kam; 61 Jahr alt. Er war aus Frankenstein gebürtig und hatte den größten Theil seines Lebens im Prdigtamt zugebracht.

Den 29. Frau Burgemeisterin Veit in Steinau, am Schlage, alt 62 Jahr; hat in ihrem 42jährigen Ehestande 14 Kinder gezeugt.

Hr. D. Cramer in Bunzlau, seiner Vaterstadt. Ervwar erst vor einigen Wochen aus Haynau dahin gezogen.
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  #43  
Alt 27.10.2009, 16:23
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1785, September

Todesfälle (Fortsetzung):

Im Septemb. Herr Ernst Friedrich v. Kessel, war aus dem Hause Nieder-Glauche im Oelsnischen Fürstenthum, und daselbst am 18ten July 1737 gebohren. Nachdem er einige Zeit die Schulen von Breslau und Oelös genutzt hatte, so gieng er auf die Academie nach Leipzig, bildete sich daselbst zu dem Metier, welches er ergreifen wollte, und trat 1753 bey dem damaligen von Buddenbrockschen, jetzt Bohlenschen Regimente als Estandarten Junker in Dienste. Im Jahre 1756 eben da der große 7jährige, und an großen Begebenheiten furchtbare Krieg angieng, wurde er bey dem Ausmarsch aus Breslau Cornet. (Es folgen nunmehr die ganzen Schlachten, an denen er teil nahm). Ganz ohne Todeskampf entschlief er am 1ten September früh um ein Viertel auf 8 zu Breslau im Alter von 53 Jah. 7M. und 15T.
Er heyratete 1772 seyne noch lebenede Gemahlin, eine gebohrne v. Röder und zeugte mit ihr eine Tochter, die nahe an 13 Jahren ist.

Der Herr v. Schweinchen wurde zu Prittag bey Grünberg, wo er sich bey seinem Halbbruder, dem Grundherrn dieses Ortes aufhielt, vom Stammochsen dergestalt in den Unterleib gestoßen, daß die Eingeweide sogleich herausfielen. In den ersten Tagen waren die Zufälle so erträglich, daß man seine Herstellung hofte, am 5ten Tage aber fand sich ein heftiges Blutbrechen und am 7ten, also den 9ten Sept., starb er.

Den 16. August zu Turawa bey Oppeln, die Frau v. Garnier, Gemahlin der Hrn. v. Garnier auf Berzdan, im 58 Jahre ihres Alters. Schon vor geraumer Zeit setzten sich Knoten in ihrer Lunge an, die in der Folge in Eyterung übergingen und ein Lungengeschwür bildeten. Die Frau Gräfin v. Gaschin, von dem Elend der Kranken innigst gerühret, nahm sie vor 3 Monaten auf ihr Schloß nach Turawa.

Den 22. August zu Steinau des verstorbenen Magister Fiebigs, gewesenen pohlnischen Diakonus in Ohlau und Pastors in (fehlender Text)
...Zedlitz, Wittwe, Maria Rosina, geb. Kleinin im 68. Jahre.
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  #44  
Alt 28.10.2009, 19:01
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1785, September

Todesfälle (Fortsetzung):

Den 5. Sept. starb zu Liegnitz der verabschiedete Premierlieutenant, Hr. v. Richter, an einem Schlagfluß, der ihm auf dem benachbarten Dorfe Gros-Beckern getroffen hatten. Er ist 80 Jahr und 5 Monat alt geworden.

Den 9. Sept. starb zu Breslau, Hr. Christian Friedrich v. Sydow, gewesener Capitän und General-Polizeymeister der schlesischen Armee, alt 81 Jahr 9 Monate 9 Tage.

Den 12. Sept. die brave Frau Burgemeisterin Kretschmer zu Freyurg.

Hans Christoph v. Rosenbusch ist aus einem alten adligen Geschlecht entsproßen, und den 11. August 1717 gebohrn. Im Jahr 1735 trat er in Chursächsische, 1741 aber, als Fähndrich bey dem Garnison-Regiment Rampusch, in Preußische Militärdienste. Er wird nachher bey das Husaren-Regiment v. Gröling versetzet, erhielt bereits 1746 eine Schwadron, ward 1758 Obrist-Wachtmeister, 1767 Obristlieutenant, 1727 Obrister, 1777 Chef des erledigten Husaren-Regiments v. Samoggi, und 1785 Generalmajor. Seit zwey Monaten krankte er an Entkräftung, und den 13. Sept. Nachmittags um 4 Uhr starb er daran. Die Leiche wurde den 16. nach einer von seinem adoptirtem Sohn, dem Hrn. Rittmeister v. Rosenbusch, Grölingschen Regiments gehaltenen Standrede, nach Leipe im Jauerschen abgeführet. Er hat in den Feldzügen seit 1744 häufige Proben seiner Tapferkeit und Einsicht gegeben, und von seiner moralischen Güte zeuget die allgemeine Betrübniß zu Creuzburg über seinen Tod.

Den 15. Hr. v. Friderici, Obristlieutenant und Commandeur des dritten Bataillons des Regiments v. Natalis zu Jauer, an Entkräftung, im 65. Jahr seines Alters, und im 45. seiner Dienste. Als Soldat war er brav und diensteifrig, als Mensch gut; er wird allgemein, auch vom Civil beklagt.
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  #45  
Alt 02.11.2009, 12:12
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1785, September

Todesfälle (Rest):

Die Frau Burgemeisterin Schwerdtner zu Greifenberg an den Foilgen ihrer Niederkunft.

Den 15. Sept. starb zu Schweidnitz die Wittwe Kobschin in dem hohen Alter von 103 Jahren. Sie war aus Leutmannsdorf gebürtig. Erst ein Vierteljahr vor ihrem Tode nöthigte sie ihre Schwäche, sich inne zu halten.

Hr. Major v. Reichard, Husaren Regiments v. Czettritz, den 14. Sept. an Entkräftung und Geschwulst zu Guhrau. Ein Mann von edlem Charakter und Verdiensten.

Geburten:

Im Julius. Den 24. Frau Baroneße v. Troschke und Rosenwerth zu Koppen im Schwiebußschen, eine Tochter, Johanna Helena Augusta Albertina.

Den 26. Frau Postmeisterin Grüttner in Neumartkt, eine Tochter.

Frau Pastorin Reinboth zu Frankenhayn im Ohlauschen, eine Tochter.

Den 30. Jul. Frau Justizsekretärin Henning in Schönwald bey Rosenberg, eine Tochter.

Im August. Frau Bau-Inspektorin Herford in Schweidnitz, eine Tochter.

Den 6. Frau Majorin v. Frankenberg, Regiments v. Zaremba zu Brieg, einen Sohn.

Den 26. Frau Lieutenantin v. Treskow, vom Roth-Kirschchen Infantrerie-Regiment zu Neiße, nach einem 3tägigen Gebähren, einen Sohn, welcher nach einigen Minuten wieder starb.

Frau v. Hoscheck, auf Jakobsdorf bey Cosel, eine Tochter.

Frau Doctorin Schneider in Konstadt, eine Tochter.
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  #46  
Alt 03.11.2009, 20:56
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1785, September

Gerburten (Fortsetzung):

Den 27. Frau Diakonus Rambachin, eine Tochter.

Frau Senatorin v. Smude zu Brieg, eine Tochter.

Die Frau des Einwohners Berteier zu Löwenberg zwey Söhne und eine Tochter. Die Kinder sind bereits gestorben. Diese Frau hat schon zweymal Zwillinge gebohren.

Den 28. die Frau des Hofegärtners Edlich zu Riemberg bey Goldberg, zwey Söhne und eine Tochter. Sie starben alle drey den 30sten. Die Wöchnerin hat schon einmal Zwillinge gehabt.

Den 29. Frau Lieutenantin v. Karger, vom Zerembaschen Regiment zu Brieg, einen Sohn.

Den 30. Frau Pastorin Heermann in Petersdorf bey Warmbrunn, eine Tochter.

Frau Mittagsprediger in Donsdorf zu Festenberg, eine Tochter.

Frau Rathmännin und Cämmerin Dehnel zu Pietschen, eine Tochter.

Im September. Den 1. Frau Commissarius Reimnitz zu Breslau, eine Tochter.

Den 2. Frau Cammersekretärin Kambryzu Gros-Glogau, einen Sohn.

Den 3. Frau v. Niebelschütz zu Wehlefranze im Herrnstädtschen, eine Tochter.

Den 5. Frau Hauptmännin v. Brixen zu Breslau, eine Tochter. An dem nehmlichen Tage wurde die Frau des Tuchmachermeisters Skerl zu Schwiebus von einem Sohne, und zwey Tage darauf, den 7. von 2 Töchtern entbunden. Die Wöchnerin ist gesund, und hat Milch genug, um die drey Kinder zu stillen.

Den 7. Frau Seniorin John in Landeshut, einen Sohn.

Den 8. die Frau Lieutenantin v. Vippach, Regiments v. Erlach, zu Schweidnitz, eine Tochter.

Den 10. Frau Pastorin Burckhardi in Grünberg, einen Sohn.

Des Kaufmann, Hrn. Carl Schreibers zu Breslau Ehegattin, eine Tochter.

Den 13. Frau Regim. Feldscheer Wiedeburg zu Schweidnitz, einen Sohn.

Den 14. Frau Kaufmännin Stache zu Namslau, das 16te Kind, einen Sohn.
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  #47  
Alt 04.11.2009, 22:46
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1785, September

Unglücksfälle:

Den 25. Aug. erhing sich zu Craschnitz, eine Meile von Militsch, Anton Jung, ein ältlicher Mann, der von Breslöau dahin gekommen war, sich verzehret hatte, und dem Trunk und eine unstäten Lebensart ergeben zu seyn schien.

Den 28. Aug. hatte der Warmbrunner Pfefferküchler Schulze beym Bierabend in der Schreiberhauser Glashütte wegen der Nachtkirms feil. In der Nacht stahl er dem dortigen Bader Busse, der in der Glashütte übernachtete, die Uhre aus der Tasche. Der Bader setze ihn gleich früh Morgens zur Rede und verklagte ihn; da er den Diebstahl nicht eingestehen wollte, bey den Gerichten zu Schreiberhau. Diese versiegelten seine Sachen. Der Küchler gieng fort, und kehrte erst am folgenden Tage sehr spät nach Schreiberhau zurück. Der Bader und der Fuhrmann des Küchlers, auf den der Verdacht des Diebstahls mit gefallen war, begegneten ihm, prügelten ihn wacker durch, und führten ihn in die Gerichte.. Hier ward er, nachdem er den Diebstahl eingestanden hatte, in den Stock gelegt., zu einer ansehnlichen Geldstrafe verurtheilt, ohnerachtet der Bader die Uhr wieder bekommen hatte, und am folgenden Morgen in der Fiedel mit einem vorangehenden blasenden Trompeter durch das ganze Dorf geführet. Aufgebracht über diese harte Züchtigung faßte der Küchler den Endschluß davon zu gehen; er besann sich aber eine schlimmern und gieng nach Hause. Hier wartete ein neues Ungewitter auf ihn, seine Frau rückte ihm im Bette sein öftres schlechtes Betragen vor, und schloß mit der Drohung, daß sie sich gar nicht mehr mit ihm nähren wolle. Du sollst dich auch nicht mehr mit mir nähren, und mich auch nicht mehr wiedersehen, erwiederte er, indem er aus dem Bette sprang, zog sich im Hause sein Hemde aus, und stürzte sich nackend in den Zacken, aus welchem er den folgenden Morgen todt herausgezogen wurde. (Der Zacken ist ein kleiner Fluß
- GunterN).
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  #48  
Alt 05.11.2009, 20:57
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1785, September

Unglücksfälle (Fortsetzung):

Am 10. September ersäufte sich der aus Bernstadt gebürtige 50jährige Handlungsverwandte Johann Kuehnast zu Breslau in der Oder, vermuthlich aus Schwermuth.

In Grümberg wollte sich die Canoniersfrau Buchnerin in der sogenannte Lunge ersäufen. Sie ist zwar gerettet worden, gegenwärtig sich aber wenig bewußt.

Den 5. Aug. wollte ein herrschaftlicher Polsdorfer Knecht den Zoll zu Vorhaus bey Haynau überfahren. Er hörte nicht auf das Zurufen einiger Personen, daß ein Kind im Wege sich befände, und fuhr es danieder. Man hob es jämmerlich zerquetscht und todt auf. Es war des Zöllners Schilders 2jährige Tochter.

Johann Leitelt, Bedienter zu Trachenberg, wollte am 6. Aug. zwey Pferde in der Bartsch schwemmen. Er ritt an einer Stelle herunter, die das Waßer ausgehöhlt hatte; die Pferde brachen ein, er selbst schoß über sie ins Waßer, und ward erst nach einer Stunde gräßlich zertreten und todt aufgefunden.

Der Bauer Elsel aus Neundorf bey Greifenstein wollte am 12. Aug. ohnweit dem Dorfe Stoeckicht, auf eine Walle, die er nach der dasigen großen Mühle mit seinem Gespann führte, springen, um sich darauf zu setzen, glitschte aber ab, kam unters Rad, und ward erquetscht.

Den 16. Aug. spielte des Branndtweinbrenners Eschenhorns zu Carolath Söhnchen von 3 1/2 Jahren mit anderen Kindern im Hofe. Ein älterer Knabe machte aus Bilsenkraut 10 Schoten aus und gab sie dem Kinde. Mittags um 12 Uhr klagte es über Schläfrigkeit, man brachte es zu Bette und es schließ bis 2 Uhr Nachmittags. Beym Erwachen weinte es; man wollte es aus dem Bette nehmen und aufstellen, aber alle seine Glieder waren gelähmt. Gleich darauf fiel es in eine völlige Raserey, biß um sich, und sogar seinen Vater, der es aus dem bette nehmen wollte, mit aller Gewalt ins Backe. Dieser Anfall dauerte bis den andern Morgen um 2 Uhr. Auf ein Brechnmittel, welches ihm der Hof-Chirurgus Hirstmann verordnete, brach es zwey Eßlöffel unreigfen Bilsensaamen aus, fiel in Schlaf, wachte früh um 9 Uhr bey völligem Verstande auf und wurde vollkommen wieder hergestellt.

Den 21. Aug. fiel der aus Halberstadt gebürtige Bäcker-Bursche, Johann Daniel Hosse, in der Werder-Mühle zu Breslau unversehens, vermuthlich im Schlaf, in die Oder und ertrank.

Joghanna Sauerin, Tochter eine Grenadiers des Bataillon v. Larisch zu Breslau, kroch am 19. Aug. durch die Stangen, welche wegen der Reparatur der Kollegiat-Kirche zum heiligen Creuz auf dem Dome aufgereichtet waren, um vor ein andres Mädchen das sie darum gebeten hatte, Kalk zu sammeln. Im Durchkriechen fiel ihr eine Menge Schutt auf den Kopf , und sie war auf der Stelle des Todes.

Den 6. Sept. fiel der Nachtwächter Güttler zu Freyburg aus den Hahnbändern einer Scheuer aus der Tenne und war todt.

Im August brannte die katholische Pfarrthey zu Leuthen im Neumärktschen ab. Hr. Pech, evangelischer Prediger daselbst nahm den katholischen Pfarrer so lange in sein Haus auf, bis eine andere Wohnung für ihn zubereitet war.
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  #49  
Alt 06.11.2009, 16:29
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1785, September

Heyraten:

Hr. Rittmeister v. Frankenberg zu Militsch, mit der verwittweten Frau v. Seidlitz, gebohrne v. Rohr aus Juliusburg.

Den 15. August, Hr. Pastor Böhr zu Stoltz, mit der jüngsten Demois. Tochter des Hrn. Pastor Kröber zu Grosbargen im Trachenbergschen.

Den 13. Sept. Hr. Pastor Müller zu Conradswaldau bey Stroppen, mit der ältesten Demois. Tochter des Hrn. Pastor Scholtze zu Jackschönau im Trebnitzschen.

Im September. Hr. Wasserbau Conducteur Giersberg, mit Fräulein Eleonora v. Hahn aus Gros-Muritsch im Trebnitzschen.

Den 20. Sept. zu Neisse, Hr. Syndikus Selbstherr, mit Demois. Pauli.

Güter Verkäufe:

Die Frau Gemnerallieutenantin v. Prittwitz, geb. Freyin v. Seher Thoß, die Güter Buchwald und Quirl im Hirschbergschen, an den Königl. Cammerherrn, Ober-Bergrath und Direktor, Freyherrn v. Rehden für 65000 Rthlr.

Hr. Graf von Sandretzky und Sandraschütz auf Langenbielau etc. die Güter Gros-Peterwitz, Coslau und Zauchwitz ím Neumarktschen, an den Hrn. Grafen v. Zedlitz auf Bankwitz für 123000 Rthlr. und 1000 Duc. Schlüßelgeld. Der Herr Verkäufer hat bey dieser Gelegenheit 1000 Flr. fundirt, davon die Intreßen jährlich am Tage Friedrich, als seinem Namensfeste, an die 12 ärmsten Wirthe in Gros-Peterwitz vertheilt werden sollen.

Hr. Graf v. Pückler hat das Gut Neudorf im Schweidnitzschen für 35300 Rthlr. gekaufet.

Hr. Graf v. Nostitz auf Postelwitz hat die Güter Zessel und Buselwitz als Meistbiethender, aus der v. Strachwitzischen Cride für 87292 Rthlr. erstanden.

Frau v. Scheel geb. Freyin v. Kottwitz, hat die von ihrer verstorbenen Mutter, der Freyin v. Kottwitz hinterlaßne Güter Niederkauffung und Lehngut im Hirschbergschen für 20000 Rthlr. übernommen.

Hr. Marsch-Commißarius und Landesältester v. Uechtritz auf Krumlinde, die im Wintziger Kreyse gelegne Güter Akresch, Frontze und Klein-Schuder, an den Hrn. Landesältesten v. Johnston auf Peterwitz für 20000 Rthlr. und 100 Rthlr. Schlüßelgeld.

Die Fräuleins v. Rothkirch das Gut Maserwitz im Liegnitzschen, an den Hrn. v. Bibra auf Dürschwitz für 18000 Rthlr. und 100 Duc. Schlüßelgeld. Die Verkäuferinnen haben sich lebenswierige freye Wohnung, oder an deren Statt jährlich 60 Rthlr. ausbedungen.
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  #50  
Alt 07.11.2009, 15:48
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1785, October

Todesfälle:

Den 30. Aug. starb Hr. Anton Teichmann, regulirter Chorherr des Augustiner Ordens zu unsrer lieben Frauen in Sagan und Pfarrer zu Hartmannsdorf im Saganschen im 64. Jahre seines Alters.

Den 16. September Hr. Polizeyburgermeister von Reizenstein zu Leobschütz, er war vorher Lieutenant unter dem Cuir. Reg. v. Dalwig.

Den 17. Sept. Hr. Pastor Timmler zu Gros-Reichen im Lübenschen, an einem Brustgeschwür, alt 55 Jahr.

Den 21. Sept. Hr. Doctor und Creisphysikus Gorn zu Jauer, an einem Steck- und Schlagfluß im 60. Jahre.

Den 26. Sept. Hr. v. Schulzendorf zu Trebnitz, an der Gelbsucht und darauf folgenden Abzehrung, alt 45 Jahr. Er stand ehedem als Hauptmann unter dem v. Bossenschen Dragoner-Regiment.

Den 1. October zu Wettrisch im Schweidnitzschen die Frau Baroneße v. Czettritz geb. v. Goltz, 36 Jahr alt, nach einer dreywöchentlichen Krampf-Krankheit. Sie war eine große Wohlthäterin der Armen.

Den 6. October starb der älteste Bürger der Stradt Militsch, Jacob Krause, ein Kürschner. Er ist 90 Jahr und 7 Monate alt geworden, und hat fast bis in das letzte Jahr seines Lebens viel Munterkeit und Stärke gehabt, nur daß er sein Gehör, welches schon seit vielen Jahren stark abgenommen, endlich völlig verlohren hatte. Seine zweyte Frau, mit der er 52 Jahre und und 5 Monate gelebt, ist noch am Leben.

Den 18. October Hr. Ober-Post-Secretär Müller zu Breslau an einer völligen Entkräftung, 40 Jahre alt.

Den 22. October zu Breslau Hr. v. Oberg auf Malckwitz im Breslauischen, ein Cavalier von feinen Sitten, sehr gefälligem Betragen und Känntnißen. Er starb an einem krebsartigen Schaden am Halse unter sehr empfindlichen Schmerzen.
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